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Ost und West · 1908-08-01 · Heft 8-9 (August-September 1908) · p. Seite 503 - 504

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Ost und West
Volume
8 (1908)
Issue
Heft 8-9 (August-September 1908)
Article
Der Patriarch Jakob in der bildenden Kunst
Date
1908-08-01
Page
Seite 503 - 504 (sequence 3)
Language
German
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503 G. Kutna: Der Patriarch Jakob in der bildenden Kunst. den Homilien des Gregor vonNazianz ist der Kampf drastisch wiedergegeben, der Engel mit grossen Purpurflügeln hebt mit Gewalt das Bein Jakobs, um ihm die Hüfte zu verrenken; auf den Mosaiken von Monreale legt der geflügelte Engel die Hand segnend auf das Haupt Jakobs, die Wiener Genesis hat Jakob nochmal allein vor der aufgehenden Sonne nach dem Kampf und dem Segen. Anmutige Kampfszenen in landschaftlicher Umrahmung finden sich in Handschriften des 14. (Franz. Manu skr. Eg. 1894, Fagadah Add. 27210 im Brit. Mus.) und 15. Jahrhunderts (La Bible Historiale, Harley 4381 im Brit. Mus., Hagadah bei Edm. von Rothschild, Paris), ebenso auf den Fresken Benozzo Gozzolis. Rembrandts Berliner Bild hat eine passive Nachdenklichkeit und eine Lässigkeit der Aktion, die es gegenständlich schwer zugänglich macht. Salvator Rosa (Samml. des Herzogs von Devonshire) versucht sich wie immer in einer wildromantischen Szenerie und macht den Kampf räuberisch pittoresk. Glücklich ist die Lösung von Eugene Delacroix in St.-Sulpice in Paris auch nicht zu nennen, seine malerische Potenz zeigt sich auch hier, doch wirkt sie nicht stark genug, um die barocken Bewegungsmotive und die geringe überzeugende Realität vergessen zu machen; Jacques Patissou hat durch einen idealen Lichtschein, der die ringenden nackten Körper umgibt, den Vorgang mit Absicht in eine überirdische Sphäre versetzt. Eine ernste und interessante Arbeit ist das Bild Eduard von Gebhardts in Dresden. Jakob als Edelmann gekleidet, presst sich, auf die Knie aufgestützt, an die Eüsse des Engels, ihn mit inbrünstigem Verlangen festhaltend. Der Engel — ein holländischer Typus — blickt mitleidig befangen zu dem ergriffenen Greisenantlitz hinab. Das bauschig flatternde Gewand und die vertikale Durchbrechung des Bildraums geben dem Bilde eine miniaturartige Komposition, aber das Lebhafte, Dringliche und Momentane des Ausdrucks ist von eindrucksvoller Kraft. RAFAELSCHULE. Segnung Jakobs. VATIKAN. sp^: %«o r:;: RAFAELSCHULE. Esau vor Isak. VATIKAN. Bei der Versöhnung mit Esau begegnen sich mit mannigfach variiertem Bildreiz eine Kriegergruppe und ein Hirtenzug, Kriegerfürst und Herdenbesitzer begrüssen einander. Gewappnete Ritter und friedliche Hirten, Kriegesmänner und zarte Frauen mit Kindern, Kraft und Demut treten sich gegenüber und bieten reiche Fülle des Lebens. Diese Art Schilderung beginnt schon mit der Wiener Genesis, die in fälschlicher Auffassung des Wortes — da ja im Griechischen wie im Hebräischen für Bote und Engel das gleiche Wort gebraucht wird — statt Boten zwei Engel von Esau zu Jakob zurückkehren lässt. Heereszug und Kriegertypen sind dann auch auf den Mosaiken von S. Maria Maggiore und in Aelfrics Pentateuch der Gegenstand des Interesses. Für Benozzo Gozzoli ist in dem Stoffe ein erwünschter Anlass zur Ausmalung von Lebewesen, Bewegung und Regsamkeit. Reizend ist die Miniaturszene in dem Manuskript der Bible Historiale im Britischen Museum (Add. 18 856). Jakob mit Turban und langem Gewand, Sporen an den Füssen, sitzt auf dem Kamel, hinter ihm zwei Männer mit hohen Fürstenhüten; Esau mit blondem Bart wie Jakob, fürstlich gekleidet mit seinen Begleitern gegenüber; ihr Gespräch hat den Charakter einer frohen Begrüssung. Ein Bild malerisch-heroischer Repräsentation ist der Rubens in München. Aufgebaut in der Art der Devotionsbilder, entwickelt das Gemälde eine strotzende Lebens¬ und Formenfülle. Das figurenreiche Bild des Jakob Willemsz Delft (Wien) führt den bartlosen jünglinghaften Jakob, den soldatischen Bruder, junge Frauen, Mägde, putzige steife Kinder in holländischer Tracht zusammenhanglos vor das Auge des Beschauers; Giov. Batt. Weenix (Dresden) hat den glänzend gekleideten Gestalten malerische Umrahmung und stillebenartige Farbenreize gegeben. Auf den Holzschnitzereien aus Arras in Ste. Elisabeth in Paris ist der Vorgang plastisch dekorativ, auf Radierungen von Hans Bol und Claes Moeyaert illustrativ zeichnerisch gefasst. Ein Bild von Karl Marko in Budapest stellt den bartlosen, von Frauen umgebenen Jakob und den mit

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