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Ost und West · 1908-08-01 · Heft 8-9 (August-September 1908) · p. Seite 501 - 502

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Journal
Ost und West
Volume
8 (1908)
Issue
Heft 8-9 (August-September 1908)
Article
Der Patriarch Jakob in der bildenden Kunst
Date
1908-08-01
Page
Seite 501 - 502 (sequence 2)
Language
German
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501 G. Kutna: Der Patriarch Jakob in der bildenden Kunst 502 JAN VAN HEMESSEX. Segnung Jakobs. ergeht, wirkt dezentralisiert und gesucht realistisch. Ary Scheffers Bild, Jakob Rahel auf die Stirne küssend, ist rein in der Forin und sentimental in der Empfindung, HoraceVernets „Begegnung mit Rahel" und „Begrüssung durch Laban" (danach Glasfenster im Dom zu Mailand) präsentieren süssgewürzte Niedlichkeit in orientalischer Kulisse. Jakob im Hause Labans, seine Hochzeit und die weiteren Ereignisse in Haran wurden in illustrativen und landschaftlichen Darstellungen in freier Weise behandelt. Die Werbung um Rahel hat Horace Vernet in orientalisierender, Schnorr von Carolsfeld in klassizistischer Art in gleicher Motivbehandlung dargestellt : der Jüngling blickt auf sein Mädchen, schüchtern und zartfühlend auf die Holde, Liebliche, Vprschämte, der Vater spricht klug und besonnen, wie .,das Alter" in jener Zeit zur Jugend sprach; die ältere Schwester hört die Liebes Werbung, die jener gilt, und Frauengram macht ihre Züge ernst und hart. In Aelfrics Pentateuch ist die Täuschung in der Hochzeitsnacht geschildert: Jakob küsst Lea, Rahel macht eine Geste des Erstaunens, Laban steht draussen und drückt seine Genugtuung über das Gelingen des Planes aus. Die Wiener Genesis widmet dem Leben Jakobs bei Laban mehrere reizvolle idyllische Bildchen. In dem franz. Manuskript (Eg. 1894) des Britischen Museums liegt Jakob schlafend zwischen seinen beiden Frauen. Auf einem nächsten Bildchen kommt er vom Felde (Gen. 30, 14 ff.), beide Frauen fassen ihn an, Lea zeigt auf die Pflanzen in der Hand des Knaben Rüben, die kleine Menschengestalten als Wurzeln haben. Si^ ist matronenhaft, Rahel dagegen jugendlich und zierlich frisiert. Der theologischen Auffassung gemäss („Lea est saecularis vita. Rahel spiritualn vitau: Honorius Augustodunensi-s) werden die beiden Frauen zu allegorischen Gestalten des tätigen und beschaulichen Lebens gemacht, wie sie auch Michelangelo der Mosesstatue am Grabmal Julius' IL zur Seite gestellt hat. Der Belgier J. F. Por taels hat auf einem rührseligen Bilde in den Gestalten der beiden Schwestern ihr Frauenschicksal ausgedrückt : Lea mit einem Kinde auf dem Nacken legt mitfühlend ihre Hand auf die Schulter der dunkeläugigen, kinderlosen Schwester, die schwermütig vor sich hinsinnt. Das Hirtenleben, der Heimzug und die Verfolgung Labans erscheinen wesentlich als Landschaftsbilder mit Staffage. Die Italiener (Rafaelschule, Jac. Bassano, G. B.Castiglione,F.Lauri) legen auf das Figürliche, die Holländer (Adriaen van de Velde, Nie. Berchem) auf das Landschaftliche das Hauptgewicht. C. von Blaas (Wien) und K. G. Peschel (Dresden), bei dem MUENCHEN. über dem Zug der fromm schwärmenden Familie auch glatte Engel dahinschweben, gehen später ins Idealische und Sentimentale. Von der Durchsuchung der Zelte durch Laban geben die Wiener Genesis und der Ashburnham Pentateuch primitive aber recht charakteristische* Miniatur darstellungen. Recht eigentümlich muten die Parallelen an, die eine Expositio librorum Veteris et Novi Testamenti im Britischen Museum (Add. 18719), Ende des 13. Jahrhunderts, in scholastischer Symbolik zu diesen Ereignissen konstruiert. Die Verfolgung durch Laban hat als Gegenbild den Mönch, der durch Weib, Jagd und weltliche Lust am heiligen Leben für die Küche behindert wird; ebenso ist dem Kampf Jakobs mit dem Engel ein Mönch im Kampfe zwischen den Lockungen des Teufels und dem Rufe der Kirche gegenübergestellt, und, noch sonderbarer, kniet Jakob vor Esau, der auf die Erscheinung eines Engels zeigt, neben dem Gleichnisbild von Mönchen (spirituales et simplices in ecclesia), die sich vor Bischöfen (dignitate majores Esau major natu) verneigen. Umso weltlicher sind neuzeitliche Darsteller der Durchsuchung der Zelte, wie Pietro da Cortona (Louvre), Murillo (Samml. des Herzogs von Westminster) J. van Bijler (Rotterdam), die in den Frauen gestalten an den Zelten üppige halbentblösste Weiblichkeit mit sinnlichem Reiz darstellen. Eine pompöse Illustration im Stile des achtzehnten Jahrhunderts mit Stutzern, puppigen Frauen, Pagen und Theatralik hat eine Hagadah des Britischen Museums (Sloane 3173) aus dem Jahre 1740. Jakobs Kampf mit dem Engel bietet als künstlerischen Vorwurf zwei ringende Männer in entlegener, geheimnisvoller Morgenstille, von übernatürlicher Stimmungsatmosphäre umgeben. Die bildende Kunst hat nur wenig Beispiele, in denen diese Elemente voll zum Ausdruck irelangten; die Bewegungsmotive sind vielfach bombastisch und die Stimmung indifferent. In

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