Ost und West
- Journal
- Ost und West
- Volume
- 8 (1908)
- Issue
- Heft 8-9 (August-September 1908)
- Article
- Der Patriarch Jakob in der bildenden Kunst
- Date
- 1908-08-01
- Page
- Seite 499 - 500 (sequence 1)
- Language
- German
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499 500 ANDREA DEL SARTO. Jakob und seine Kinder. FLORENZ. DER PATRIARCH JAKOB IN DER BILDENDEN KUNST Von G. Kutna. Nachdruck verboten. IL*) Jakob und Rahel am Brunnen ist in den meisten Fällen als Landschaftsidylle behandelt: Hirten sitzen auf dem Felde, Herden grasen und trinken, ein fremder Jüngling spricht zu den Hirten, die auf ein herannahendes Mädchen weisen (Aelfric und spätere Miniaturen). Wohl die berühmteste Darstellung ist die des Palma Yecchio oder seiner Schule (Giovanni Busi?)**) in Dresden. In einer reich belebten Landschaft küsst Jakob in gulanter, kundiger Manier die venetianische Schöne vom Typus Palmas, ein Hirte blickt leis wehmütig von der Seite her, ein Hündchen tritt schnuppernd an den Fremden heran. Die bukolische Stimmung dieses Bildes hat auch ein an Giorgione und anderseits an Murillo anklingendes Werk der Spanischen Schule in Duiwich. Das anmutige Fresko der Eafaelschule im Vatican beeinträchtigt durch artistische Stilisierung die land>chaffliehe Stimmung *) Siehe Juliheft von „Ost und West". **) Den Typen nach hat das Bild den Charakter Pahnas; wegen, der zwei Buchlistaben G. B., die man entdeckte, wollte man es dein Giorgione zuschreiben, für den es aber in der Materialität der Körper zu derb empfunden ist. Es handelt sich wohl um einen Palmaschüler. und gemahnt daher an Kulisse. Rahel steht mit einer Freundin in statuarischer Niedlichkeit am Brunnen, da Jakob, wie ein Held aus alter griechischer Zeit, in reliefaltiger, wohlgesetzter Bewagung in die Komposition tritt, indes die Lämmlein trinken und die heroisierten Böcke zum Brunnen andrängen. In der Spätrenaissance tritt das ursprüngliche Motiv ganz zurück, und es bleibt nur eine arrangierte galante Szene der Verliebtheit (Luca Giordano, Pedro Orrente in Dresden, Paceco de Rosa, Neapel). Die deutschen Nazarener und prärafaelitisch gestimmte Engländer der modernen Zeit halten sich an zarte Gefühlsseligkeit. Jos. von Führich hat ein süssfrommes Bild gemalt, auf dem Jakob die keusche Rahel sinnend umarmt, Christian Köhler einen träumerischen Mönch, der ein glattgescheiteltes Mägdelein mit einem Schäfchen im Arm frommen Sinns erblickt. Aehnlicheerstreben G. H. Naeke und Schnorr von Carolsfeld mit geringerem Erfolg. Dem Leben abgelauscht und doch von intimer Poesie ist die zart dringliche Art, wie Jakob auf dem Bilde von William Dyce der feinfühlig zurückhaltenden Rahel den Arm um den Nacken legt und in das edelgeformte Antlitz schaut; Josef E. Southall dagegen, der sich in quattrocentistischer Art in Details