Ost und West
- Journal
- Ost und West
- Volume
- 8 (1908)
- Issue
- Heft 7 (Juli 1908)
- Article
- Die General-Versammlung der Berliner Mitglieder der A. I. U.
- Date
- 1908-07-01
- Page
- Seite 473 - 474 (sequence 4)
- Language
- German
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473 Mitteilungen der Alliance Israelite Universelle: Die General-Versammlung der Berliner Mitglieder etc. 474 rückgetragen, dem Heimatlande des Lichts der Gesittung dieses Licht wiedergegeben hat. Wenn einst die Geschichte der Kultur im Orient von einem wahren Historiker geschrieben werden wird, so werden ihre stolzesten Blätter der Alliance Israelite Universelle gewidmet sein. Denn die Geschichte des Fortschritts der Kultur im Orient ist die Geschichte der Alliance selbst! Und nicht minder ist die Geschichte der Alliance mit der ganzen neueren Geschichte der Judenheit verwoben. Dass wir nach göttlichem Ratschluss über alle Welt zerstreut worden sind, dass wir in der Zerstreuung durch lange Jahrhunderte eine gewisse Einheitlichkeit zu wahren, Zusammengehörigkeitsgefühl zu pflegen verstanden, ist ebenso bekannt wie der Umstand, dass gerade die Feindseligkeit der AVeit uns die Möglichkeit gegeben hat, diese Tugend uns zu erhalten und auszubilden. Weniger bekannt ist, dass es eine Zeit gegeben hat, in der das einigende Band der Judenheit zerrissen war, der Bruder vom Bruder nichts mehr wusste, die örtliche Trennung jede Identität der Anschauungsweise aufgehoben hatte. Es gab keine Judenheit mehr, nur noch Juden hier und Juden dort — und die aufgeklärtesten Geister selbst konnten in uns nichts anderes erblicken, als versprengte Residuen einer verschollenen Welt, im besten Falle erratische Blöcke, die aus einer überwundenen Vergangenheit zurückgeblieben waren. Das war die Zeit, die der Begründung der Alliance voraafging, die trübste Zeit in unserer ganzen Geschichte, nicht durch Verfolgung, sondern durch Zerfall und innerliche Auflösuug. Da wiederholte sich aus frühen Tagen unseres Daseins der Umschwung durch die rettende Tat der Alliance-Gründung. Die Alliance ist es gewesen, die den versprengten Söhnen Israels den inneren Zusammenhang, die Kenntnis des Bruders vom Bruder und damit die aufrichtende Bruderliebe wiedergab. Sie entfaltete das Banner der Bruderliebe, das die Inschrift trägt: „Ganz Israel bürgt für einander." Seitdem ist Israel nach dem Prophetenwort nicht mehr verwaist, hat es einen Helfer in Gott und in sich selbst, das ist in der Alliance. Wenn jetzt irgendwo in der Welt Juden leiden, weil sie Juden sind, wenn irgendwo in der Welt ein Unheil sie trifft, das die Kraft des Vereinzelten nicht zu überwinden vermag, da ergeht der fragende Euf nach der Alliance Israelite Universelle; und ehe noch der fragende Euf laut geworden ist, ist auch schon die Alliance zur Stelle mit Hilfe und mit aufrichtendem Zuspruch, und vor die Grossen der Erde tritt sie hin, im Namen der Gerechtigkeit, die Gott unseren Vätern offenbart und durch sie in das Herz der Menschen gepflanzt hat. Die Deutsche Conferenz - Gemeinschaft hat in der fünften Tagung durch einen Beschluss gezeigt, wie sehr sie vom modernen Geist erfüllt ist, indem sie der Frau ebenbürtige Mitarbeiterschaft angetragen hat. Die Deutsche Conferenz- Gemeinschaft hat allen ihren Comites empfohlen, dass sie überall da, wo die Verhältnisse es gestatten, Ehrendamen als Comite-Mitglieder zur Mitarbeit heranziehen. Die Empfehlung ist nicht vergeblich gewesen. An vielen Orten haben wackere Frauen sich in den Dienst unserer Sache gestellt. Wir dürfen von ihrem Wirken grosse Förderung erwarten. Selbstverständlich, werden wir auch in Berlin der Empfehlung der Deutschen Conferenz- Gemeinschaft folgen. Endlich ist von der Deutschen Conferenz-Gemeinschaft noch zu erwähnen, dass an Stelle unseres verewigten Freundes Oschinsky-Breslau Herr Rabbiner Dr. Werner-München in den Vorstand, durch einstimmige Wahl Herr Philipp Schiff in Frankfurt a. Main an Hallgartens Statt zum stellvertretenden Präsidenten der Deutschen Conferenz- Gemeinschaft berufen worden ist. Die Mitteilung, dass die Alliance Israelite Universelle ihr Verhältnis zum Conto Trio gekündigt hat, wird den meisten von Ihnen erst zur Kenntnis bringen, dass ein solches Conto Trio bestanden hat. Alliance Israelite Universelle, Jewish Colonisation Association und Hilfsverein hatten das Conto Trio als eine Hilfsorganisation für das Auswanderungswerk mit bestimmten Normen gebildet. Zu den Lasten dieses Conto Trio trugen Alliance Israelite Universelle und Jewish Colonisation Association 10 und 75, zusammen 85% bei, leistete der Hilfsverein 15%. Vor der Oeffentlichkeit erschienen zumeist weder Alliance Israelite Universelle noch Jewish Colonisation Association als Kontribuenten. Dass die Alliance Israelite Universelle den Beitrag, den sie hier zurückgezogen hat, nicht sparen will, braucht nicht erst gesagt zu werden. Die gleiche Summe kommt seit der Kündigung direkt zur Verwendung. Die Ausgaben für das Conto Trio haben in dem Quartal April-Juni 1906 . . Mk. 68,665,38 betragen, für das Quartal Juli-September 1906 beliefen sie sich auf......„ 104,121,38 im Quartal Oktober-Dezember 1906 gingen sie auf ,. 62,336,32 zurück, im Quartal Januar-März 1907 ermässigten sie sich weiter auf. ........ „ 45,493,25 im Quartal April-Juni 1907 stiegen sie wieder auf . „ 67,190,64 im Quartal Juli-September 1907 sanken sie abermals auf.....• . . „ 49,190,50 und im Quartal Oktober- Dezember 1907 auf . . „ 47,616,— In sieben Vierteljahren also sind.......Mk. 444,613,47 auf Kosten des Conto Trio ausgegeben worden. Hierzu haben Jewish Colonisation Association und Alliance rund 378,000 Mk. beigesteuert, der Hilfsverein hat 66,691 Mk. zugeschossen.