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Ost und West · 1908-07-01 · Heft 7 (Juli 1908) · p. Seite 469 - 470

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Journal
Ost und West
Volume
8 (1908)
Issue
Heft 7 (Juli 1908)
Article
Die General-Versammlung der Berliner Mitglieder der A. I. U.
Date
1908-07-01
Page
Seite 469 - 470 (sequence 2)
Language
German
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469 Mitteilungen der Alliance Israelite Universelle: Die General-Versammlung der Berliner Mitglieder etc. 470 zu gleichen Teilen getragen, werden seit dem vorigen Jahr zu einem Drittel von der Jüdischen Gemeinde, zum anderen Drittel von uns bestritten, während das letzte Drittel vom Hilfsverein und der Grossloge gemeinsam aufgebracht wird. Unser Zuschuss hat sich bisher auf 10000 M. jährlich belaufen. Er wird aus einem vom Pariser Oentral- Comite grossherzig zur Verfügung gestellten eigenen Russenfonds geleistet. — Das betreifende Abkommen mit der Jüdischen Gemeinde Berlin ist am vergangenen 10. März bis zum 31. März 1909 verlängert worden. — Mitglieder unseres Lokal-Comites unterziehen sich Tag für Tag der arbeitsvollen Anteilnahme an den Obliegenheiten der Abfertigungsstelle. Sie haben dadurch die Möglichkeit, in zahlreichen Fällen mit den Mitteln der Alliance da mit ergänzender Hille einzugreifen, wo die beengenderen Vorschriften eines notwendig mehr an ein Schema gebundenen Apparates Lücken lassen. Bestreitet, um ein Beispiel anzuführen, die Abfertigungsstelle den Aufwand für die Eisenbahnbillets der Aus- und Rückwanderer, so übernimmt die Alliance meist die Kosten der Gepäckbeförderung und des Unterhalts während der unvermeidlichen Reisepmsen. — Können wir in Berlin an die mehrfach genannte, im Auftrage der Jüdischen Gemeinde von Herrn Justizrat Lachmann musterhaft geleitete Institution uns anlehnen, so sind wir in den preussischen Provinzen und in den ausserpreussischen Einzelstaaten mehr und mehr dahin gekommen, durch unsere eigenen Vertrauensmänner und Lokal- Comites das Hilfswerk in die Hand zu nehmen. Grundsätzlich geschieht das im Einvernehmen mit den Vorständen der Ortsgemeinden, Ortsgemeindeverbände und mit den Ortsvereinen, die zuverlässiger und bewährter Leitung unterstehen Wir haben unter anderem dem westfälischen Gemeinde- Verband in Bochum, an dessen Spitze das Vorstandsmitglied der Deutschen Conferenz-Gemeinschaft Herr Flörsheim-Dortmund steht, zu danken für die Sorgsamkeit, mit der er sich unserer unglücklichen, zur Wanderschaft gezwungenen Glaubensgenossen annimmt. Der Zuschuss, den wir ihm leisten, gehört zu den bestverwendeten unserer Ausgaben. In Königsberg i. Pr. haben wir unser Lokal-Comite mit den erforderlichen Mitteln ausgestattet, selbständige Hilfe zu leisten. Gleichzeitig haben wir ebendort dem mit grosser Opferwilligkeit tätigen Hilisverein für kranke russische Israeliten einen Beitrag von 1000 M. bewilligt. Aehnliche Massnahmen haben wir in Bromberg, Mannheim, Rheine getroffen. Dem Geiste unserer Satzungen haben wir es auch für angemessen gehalten, in Mannheim bei der Errichtung einer Kinderschule und Kinderversorgungsanstalt für die Kinder unserer dort zugewanderten Glaubensgenossen mitzuwirken, und dem jüdischen Krankenhaus in Memel eine Zuwendung von 500 M. für das laufende Jahr zu gewähren. Auch nach Russland hinein haben wir in besonderen Fällen namhafte Unterstützungen gegeben, besonders dann, wenn wir nach dem Gutachten unserer Vertrauensmänner glauben durften, dass wir mit unserer Hilfe drohender Not vorbeugten und wirtschaftliche Existenzen aufrichteten. In neuerer Zeit haben wir uns an der Begründung einer „Rheinischen Zentralkasse für Rückwanderer" in Cöln mit einem Beitrag von 2000 M. beteiligt. Dort ist es das Mitglied der Deutschen Conferenz-Gemeinschaft, der allezeit für die Sache der Alliance mit Begeisterung rührige Herr Rabbiner Dr. Frank, der im Auftrage des Präsidiums der Deutschen Conferenz-Gemeinschaft als Delegierter der Alliance und als Vorsitzender des Cölner Lokal- Comites in den Vorstand der Rheinischen Zentralkasse eingetreten ist. Die Rheinische Zentralkasse für Rückwanderer hat, wie ihr Name besagt, einen vorübergehenden Zweck. Denn nach menschlicher Berechnung ist anzunehmen, dass in absehbarer Zeit die wirtschaftlichen Verhältnisse in Amerika zur Norm zurückgekehrt sein werden. Dann verliert die Rückwanderung den Umfang, der besondere Fürsorgemassnahmen erheischt. Schon jetzt ist deshalb für die Zentralkasse eine Aufgabe dauernder Art in Aussicht genommen: es soll sich aus ihr eine Zentral-Armenkasse für sämtliche Wanderbettler entwickeln. Wie wir uns zu der Zentralkasse nach ihrer Reform stellen werden, deren baldige Möglichkeit wir nur wünschen könnnen, bleibt späterer Entscheidung vorbehalten. Der Einwand liegt nahe, dass die Regelung und Bekämpfung des Wanderbettels nicht in den Aufgabenkreis der Alliance fällt. Unmittelbar ist das gewiss nicht der Fall. Doch kann man recht wohl die Ansicht vertreten, dass auch der spezifisch jüdische Wanderbettel eine Folgeerscheinung der spezifischen Judennot ist und damit zu den wirtschaftlichen Leiden zu rechnen ist, unter denen Juden leiden, weil sie Juden sind. Und darüber hinaus darf man wohl sagen, dass in aller Welt kein Uebel unsere Glaubensgenossen treffen kann, gegen das ihnen beizustehen die Alliance Israelite Universelle nicht für ihre Pflicht hielte. Es muss ferner beachtet werden, dass nach modernen sozialen Anschauungen der Wanderbettel wirksam und wohltätig nur bekämpft werden kann durch Schaffung und Nachweis von Arbeitsgelegenheit. In dieser Beziehung aber haben wir schon kräftige Anfänge gemacht, nicht blos durch unsere unterstützende Anteilnahme an den bestehenden jüdischen Arb ei tsnachweisen, deren bedeutendster und blühendster hier in Berlin sich betätigt, sondern auch durch Herstellung einer Verbindung zwischen den verschiedenen anderwärts domizilierenden Arbeitsnachweisen, durch die Vermittlung von Angeboten und Nachfragen. Was hier durch die Alliance Israelite Universelle und deren Deutsche Conferenz- Gemeinschaft geleistet wird, stellt, wie gesagt, erst einen Beginn dar; aber unsere Aufmerksamkeit bleibt dem Ziele zugewendet. Die Bemühungen für die Herstellung eines Arbeitsnachweises von Ort zu Ort stehen in innerem Zusammenhang mit einem traurigsten Kapitel unserer Tagesgeschichte, dessen Anfänge bis zum Jahr

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