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Ost und West · 1908-07-01 · Heft 7 (Juli 1908) · p. Seite 457 - 458

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Journal
Ost und West
Volume
8 (1908)
Issue
Heft 7 (Juli 1908)
Article
Alenu Leschabeach
Date
1908-07-01
Page
Seite 457 - 458 (sequence 4)
Language
German
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457 Leon Scheinhaus, Memel: „Alenu leschabeach*. 458 Belohnung von 100 Thlr. jährlich fühlten. Wegen dieser kränkenden Beaufsichtigung des öffentlichen Gottesdienstes kamen 177b' zwischen G. D. Kypkc und den Judenältesten Zwistigkciten vor, die dahin gediehen, dass ihm der Ehrensitz in der Synagoge verweigert und ein anderer in der Nähe des Vorhetcrs angewiesen wurde. Kypke beschwerte sicli darü})ei' heim Staatsministeriuni und denunzierte zugleich wegen einige]- ohne seine Bewilligung vorgetragener Festpsalmen, und des leisen Vortrages dos Alenugehets. Die Juden überreichten darauf im Jahre 1777 der königlichen Regierung Moses Mendelssohns „Zufällige Gedanken über des Herrn Prof. K\pke Beschuldigungen der Judenschaft zu Königsberg und besonders über das Alenugebet.'4 Der riiilosoph führt darin unter anderem folgendes aus: „Verschiedene Schriftsteller der Nation halten dafür, dieses Gebet sei zu denZeiten Josua's, Sohnes Nun. und wie Einige wollen, von diesem göttliehen Manne selbst aufgesetzt worden. Ob nun gleich andere Schriftsteller dieses in Zweifel ziehen, so ist doch wenigstens so viel gewiss, dass das Alenug < ■ b e t zu den Zeiten des II. Tempels schon existiert haben müsse, indem, w ie man weiss, in den Hauptgebeteu der jüdischen Nation, seit der Zeit der Männer des grossen Rats, welche zu der Zeit des zweiten Tempels gelebt haben, keine Veränderungen vorgenommen worden sind. Das Huldigungsgebet am Neujahrstage aber, wozu das Gebet Alenu zur Einleitung bestimmt ist, macht sicherlieh eines der wichtigsten und feierlichsten Gebete der jüdischen Nation aus: und man kann versichert sein, ihss es am spätesten von den Männern des grossen Rats, d. i. zu den Zeiten des zweiten Tempels, eingeführt worden sei. Hiesc Vermutung wird ferner durch den Inhalt des Gebets sehr wahrscheinlich, denn es ist blos auf die Ausrottung des Götzendienstes und die allgemeine Einführung des Glaubens an den einigen, Vahren, allmächtigen Gott gelichtet: und geschieht in demselben weder von der Befreiung der Nation, noch von der Wiederaufbauung des Tempels die mindeste Erwähnung, welches sicherlich nicht unterblieben sein würde, wenn das Gebet nach der Zerstörung des Tempels aufgesetzt worden wäre. Ferner unterscheidet der Verfasser des G'-bets seine Nation von den Nationen anderer Länder und den Geschlechtern des Erdbodens na-ran r.VWö ni»1»n woraus erbellt, dass die Nation zu derselben Zeit noch in ihrem Lande gelebt haben müsse. Es ist daher meines Eraehtens Aus der Sammlung des Herrn Oberkantor Ed. Birnbaum, Königsberg L Pr. Aeheste vorhandene Aufnahme der alten Synagoge zu Königsberg i. Pr. Erbaut und eingeweiht »"E[3P 1756. 1811 ist sie zwar abgebrannt, wurde dort aber wieder renoviert. Erst seit 1871 ist der Hinterbau oder Anbau mit Orgel dazugekommen. Seit Einweihung der grossen neuen Synagoge (1896) ist die Orgel von der alten fortgenommeu und beten seit dann dort ein Teil der konservativen Mitglieder (die Polen)] der Synagogengen Leinde. höchst ungereimt, in diesem Gebete eine geheime Anspielung auf die Christen suchen zu wollen, da die Verfasser desselben offenbar noch vor den Zeiten Jesu des Nazarüers gelebt haben, zu einer Zeit, in welcher das Heidentuni überall sich ausgebreitet hatte, und ausserhalb Judäa der Götzendienst, dessen Ausrottung in diesem Gebete erlieht werden soll, überall vorherrschend gewesen. „Es ist auch nicht zu vermuten, dass etwa nach der Zeit mit diesem Gebet eine Veränderung vorgenommen und die geheime Anspielung in späteren Zeiten hineingebracht worden sei: da einesteils sich die Juden von je her ein Gewissen gemacht haben, in die Hauptgebete, wie schon erwähnt, die geringste Veränderung einschleichen zu lassen, und andernteils das Gebet Alenu insbesondere bei ihren Schriftstellern in so grossem Ansehen steht, dass sie alle Wörter und Silben desselben gezählt und niedergeschrieben haben, auch mit der grössten Gewissenhaftigkeit darauf halten, dass keine Silbe darin verändert werden möge. Es wird ferner dieses Gebet ohne die mindeste Veränderung von Schriftstellern angeführt, welche unter muhamedanischer Botmässigkeit gelebt haben: als Maimoiiidas ind ad Chasakah und Abu d raham in seinem Coinmeiitar über die Gebete» denen also sicherlich keine geheime Anspielung auf Jesu hat in den Sinn kommen können. Die Juden in Asien und Afrika beten da Alenu mit denselben Worten, ob siegleiehkein Christentum vor Auge haben, auf welches sie heimlich anspielen könnten. Der Prophet Jesaias, dem man noch keine solche Anspielung schuld gelten kann, bediente sich des Ausdruckes pHl hin, um etwas anzudeuten, dazu man vergebliches Zutrauen habe, „ihr Helfen ist eitel und vergeblich" (Jesaia 30,7). Diese Stelle hat der Verfasser des Alenugehets. wie R. David Abudraham mit gutem Rocht vermutet, im Sinn gehabt, als er sieh eines ähnlichen Ausdruckes bediente, die eitle und vergebliche Zuversicht der Heiden zu ihren Götzen auszudrücken: und eben daher ist es meines Erachtens auch wahrscheinlich, dass der Verfasser nach den Zeiten des Propheten Jesaias gelebt habe." Um nun den leidigen Gegenstand?ur Endentscheidung zu bringen, wandten sich am 12. April 1778 die Aeltesten und Vorsteher der Judenschaft zu Königsberg i. Prmit einem ausführlichen Gesuch an den König, aus dem wir Einzelnes wiedergeben: ..Db nun zwar seit der Zeit und insbesondere unter den glorwürdigen und allerweisesten Regierung E. K. M. dergleichen Anklagen und Ansehwärzungen, sowie sie den Credit verloren, von selbst allmählich aufgehört haben.

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