Ost und West
- Journal
- Ost und West
- Volume
- 8 (1908)
- Issue
- Heft 7 (Juli 1908)
- Article
- Der Kampf gegen den Minhag
- Date
- 1908-07-01
- Page
- Seite 443 - 444 (sequence 4)
- Language
- German
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443 Dr. Max Steif: Der Kampf gegen den Minhn^r. 444 „- : > \ t, ,. \i. .. I). DYCK. JAKOB UND KAHEL. dienerischen Israeliten haben ehemals gerufen: O, Baal, erhöre uns, und die Juden der Gegenwart flehen auf dieselbe Weise den Engel Michael oder eine kabbalistische Sefira an und setzen solchergestalt Gott zurück." (Grätz VIII, S. 221), und R. Isserlein erklärt die ganze Fassung der oben erwähnten Gebete als unjüdisch und verwerflich. Der bereits angeführte Isak Erter kann sich gleichfalls nicht genug tun in spitzen ironischen Ausfällen gegen dieses Ausarten des chassidischen Engelkultus (Kerem chemed 1839), wobei sich jeder chassidische Rabbi seinen besonderen Lieblings- und Schutzengel auserkoren. Dadurch, dass bei der Aufnahme der sog. Piutim in das Gebetritual der Festtage in den verschiedenen Ländern eine verschiedene Auswahl getroffen wurde, bildete sich auch hier mit der Zeit ein Minhag Sefardim, Minhag Aschkenasim, iWinhag Polen usw. heraus. Bilden die Dichtungen dieser Art, soweit sie von echten Dichtern herrühren, mit ihren unvergleichlich poetischen Schönheiten und ihrem Schwung der Sprache unstreitig eine nicht mehr zu missende Bereicherung der Liturgie, so gibt es doch auch manche Stücke darunter, die abgesehen von ihrer schwer verständlichen und geschraubten Sprache, alles andere denn den Namen Poesie verdienen, was von sprachkundigen Männern, wie Abraham ibn Esra, Charisi, David Kimchi u. a. mit vollstem Recht häufig verspottet wurde, während ihre verkünstelten Deutungen von Midraschstellen, ihre derben Versinnlichungen Gottes und sonstigen Geschmacklosigkeiten von predigenden Volkslehrern, wie Efraim Lentschütz (1616), arg gerügt wurden. Auch gegen die unterschiedslose Einschaltung dieser Piutim unter die altehrwürdigen Festgebete sprachen sich Maimonides, R. Mei'r Halevi (1360) und R. Josef Karo (Orach chajim Kap. 6S) aus, ja selbst