Ost und West
- Journal
- Ost und West
- Volume
- 8 (1908)
- Issue
- Heft 7 (Juli 1908)
- Article
- Der Patriarch Jakob in der bildenden Kunst
- Date
- 1908-07-01
- Page
- Seite 435 - 436 (sequence 4)
- Language
- German
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435 G. Kutna: Der Patriarch Jakob in der bildenden Kunst. 430 Die Jakobsleiter wurde in sehr verschiedener Auffassung künstlerisch behandelt. Während sie im Mittelalter — nach Honorius Augustodunensis — in trockener Symbolik als scala caritatis mit 15 Stufen (Herr ad von Landsberg) erscheint oder der schlafende Jakob als Parallele dem Johannes des Abendmahls entsegengestelltwird (Expositio librorum Vet. et Novi Testamenti, Brit. Mus. Add. 18719), machen die deutschen Kleinmeister die Szene zu einer sittenbildlichen Landschaft und gestalten sie die Holländer zu malerischen Lichteffekten. Viel Naives und Willkürliches unterläuft dabei der Phantasie. Da steigt Gott die Leiter hinan und spricht rückgewandt zu dem schlafenden Jakob (Franz. Manuskript Eg. 1894 im Brit. Mus.), er ist bartlos (Aelfrics Paraphrase), trägt eine Tiara auf dem Haupte (Meister A. Gr.), steht am Boden mit Kreuznimbus vor Jakob, und auf der Leiter steht ein kleines Engelein (Flämische Bibelübers. 10 043 im Brit. Mus.), oder ein Engelskopf erscheint in einem Fenster am Himmel (Hagadah Add. 27 210 im Brit. Mus.). Die Engel stehen um Jakob am Boden, während oben in einem Kreise zwei Gesichter erscheinen (Hagadah Or. 2884 im Brit. Mus.), sie tragen Kreuzchen auf der Stirn (Deutsche Bilderbibel Eg. 856 im Brit. Mus.), sie kommen an den Strahlen des Himmelslichts herunter (Claes Moeyaert) oder konvenieren hübsch mit einander (Pierre Reymond). Jakob selbst ist bald knabenhaft (Joh. Ulrich Loth, Augsburg), bald als Greis mit langem weissen Bart dargestellt (La Bible Historiaulz, Add. 18 856, Flämische Bibelübers. 10 043 im Brit. Mus. u. a.). In den Bibelillustrationen wie in graphischen Blättern ist die Landschaft mit Bäumen, Wasserläufen, Städten und Burgen in Tagesbeleuchtung FF HD. BOL. JAKOBS TRAUM. GERBRAND YAN DEN EECKHOUT. JAKOBS TRAUM. sorgfältig ausgeführt.*) Recht kindlich — aber künstlerisch fein — steht auf der erwähnten französischen Bibelhistorie des Britischen Museums (Add. 18 856) ein Engel in bunten Farben auf der schief in die Luft ragenden Leiter, die Gott mit der Linken festhält. Trotz dieser kindlichen Unreife der Phatasie sind die Bildchen der Kleinkunst, besonders die der französischen Miniaturen, feiner an Beiz als die meisten grösseren Darstellungen der neueren Kunst. Das Fresko der Rafaelschüler im Yatikan ist recht nüchtern, der schlummernde Jakob modellmässig und posenhaft. Dieselbe Komposition erscheint dann bei dem Engländer Thomas Stothard und gedankenarm variiert bei Schnorr von Carolsfeld und G. Dore. Dagegen ist Murillo, dessen Begabung in solchen visionär malerischen Vorwürfen am exzellentesten sich betätigt, in seinem Bilde der Eremitage von St. Petersburg von bestrickendem, sinnlich holdem Beiz. Der reife, schöne Mann liegt vorn im Schlummer, um ihn die nächtige Landschaft, matt vom Monde beleuchtet, vom Himmelslicht in der Mitte erhellt. Darin schweben im Licht - geflute, flatternd, spielerisch sich regend, die Engelsgestalten. Mit Sinnesreiz angetan, steigen sie auf und nieder, kindlich unbewussten Wesens und doch erlesener Grazie kundig; bühnemässig zauberisch und Dass Jakob in unmittelbarer Nähe mcnselilielier AVohnstättcn auf freiem Felde übernachtet, stört die Naivität des Künstlers nicht, oder es spielen Vorstellungen von der Gefährlichkeit der Bewohner mit, wie es die Mysterien Jakob sprechen lassen: Toutesfoys il y a danger. De nvaller (juelque part loger, Car pour vray les primiciaulx. De ceste province sont faulx. Dures gens et de mal affaire, Sans rognoistre Dien desloyaulx. De nie tirer a leurs chasteaulx. Xe nie seroit pas neecessaire —.