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Ost und West · 1908-07-01 · Heft 7 (Juli 1908) · p. Seite 437 - 438

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Journal
Ost und West
Volume
8 (1908)
Issue
Heft 7 (Juli 1908)
Article
Der Patriarch Jakob in der bildenden Kunst
Date
1908-07-01
Page
Seite 437 - 438 (sequence 5)
Language
German
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437 Gr. Kutna: Der Patriarch Jakob in <Ier bildenden Kunst. 438 doch natürlich in Reiz und Duft und köstlicher Lieblichkeit. So neigen sie sich zu dem schlafenden, schönen Mann, blicken auf ihn mit gesenkten Wimpern und weisen mit ihren zierlichen Händchen spielerisch ins Unbestimmte. Und der schöne Mann ruht in halbwachem Traum, von Bildzauber und Glanz und lockenden Yerheissungen schmeichlerisch umspielt. Die Holländer nahen unter den Werken, die den Traum Jakobs zum Gegenstand haben, keine ganz befriedigende Leistung aufzuweisen. Rembrandt selbst hat auf einem kleinen Radierblatt, das er für ein Buch des Manasse ben Israel ausführte, ein etwas hartes Nachtstück nicht ohne Zwang dem kleinen Raum eingefügt. Seine Schüler gehen an die Aufgabe, die man von dem Meister ausgeführt gewünscht hätte; sind ihr aber nicht gewachsen. Ferdinand Bol (Dresden) ist im ganzen koloristisch recht gut, aber für den übernatürlichen Vorgang ist die Raum weite zu gering, das Licht ist hart, die Schatten drückend und das Visionäre der Erscheinung wird durch den Putto gestört, der Jakob schalkhaft den Hut vom Gesichte weghebt. Eine ähnliche Komposition befindet sich auf einer Zeichnung im Britischen Museum. Auf einem Miniaturbildchen von Hans Bol in Dresden ist es heller Tag, Wanderer sind auf den Strassen, die Landschaft ist von Hunden und Staffage belebt. Gerbrand van den Eeckhout (Dresden und Cassel) ist matt in der Lichtwirkung, wenig gefällig in der Farbe und im ganzen unruhig und gering an Illusion. An malerischer Qualität recht schwach, aber in der idealen Distanz und der Ferne der Himmelswesen, in der Wiedergabe des Traumartigen, Nächtigen besser als die genannten Werke ist das Bild eines anderen unbestimmbaren Rembrandtschül ers in der Galerie von Dulwich. (Schluss folgt.) DER KAMPF GEGEN DEN MINHAG. Von Dr. Max Steif. Nachdruck verboten. Es ist gerade keine Vertrauen erweckende Instanz, wenn uns als erster, der für den Brauch eine Lanze eingelegt, der listen- und fintenreiche Laban angeführt wird. „An unserem Orte ist es nicht Brauch, die jüngere Tochter vcr der älteren einem Manne zu geben" (I. B. Mos. 29, 26). Damit sucht bekanntlich die Schlauheit eines Laban ihr betrügerisches Vorgehen gegen Jacob zu rechtfertigen. — Xun, so wenig Beachtung auch die Worte Labans verdienen, das eine tritt schon hier als eigenartiges Merkmal des Brauches entgegen: das oft in keinem Verhältnis zu seiner inneren Bedeutung stehende Schwergewicht, welches von der gedankenlosen Menge für gewöhnlich ihm beigelegt wird. — Es ist überhaupt eine bei allen Religionen zu beobachtende Erscheinung, wie in ihnen oft gerne das Neben* sächliche und Unbedeutende zu einer sich immer breiter machenden Wichtigkeit, zu einer dominierenden Stellung allmählig emporrückt, aus der es sich nicht mehr verdrängen lässt. Grosse Geister im Judentume haben die Gefahr einer solchen Verschiebung der Grenzen zwischen Wichtigem und Unwichtigem in der Religion jederzeit erkannt und in mehr oder minder scharfer Weise hiegegen Stellunggenommen. Maimonides beklagt „die Krankheiten der Bräuche", und dem Rabenu Tarn (gest. 1171) wird das Witzwort zugeschrieben, dass die hebräischen Worte Minhag und Gehinom aus denselben Buchstaben gebildet seien. Später ist es R. Jacob Möllin Halevi (Maharil, gest. inWorms 1427), welcher der unterschiedslosen Wichtigkeit, mit der von Unwissenden jedwedem Brauche begegnet wird, mit G. FLIXGK. aller Entschiedenheit entgegentritt. Noch schärfer spricht sich R. Elieser b. Jacob Halevi (Rabich) aus, der jene Leute geradezu als Idioten bezeichnet, die in religiösem Liebereifer Dinge tun, zu welchen sie nicht verpflichtet sind. Und R. Salomo Lurja (Maharschal, gest. Lublin 1573) berühmt durch seine geistsprühenden Erklärungen zum Talmud, kehrt sich bei jeder Gelegenheit mit besonderer Schärfe gegen alle überflüssigen Bräuche, die von den Leuten mit pedantischer Gewissenhaftigkeit geübt werden; »was soll ich aber tun, die Menschen legen auf Geringfügigkeiten mehr Gewicht, als auf die wichtigsten Satzungen." (Resp. 72), Ein jeder einzelne Fest- und Fasttag hatte sich ja im Laufe der Zeiten seine eigenen Minhagim geschaffen, die, ohne einen direkten Anhaltspunkt im schriftlichen oder mündlichen Gesetze zu haben oder von rabbinischen Autoritäten dekretiert worden zu sein, im Volke von selbst sich herausgebildet und um alle freudigen und traurigen Anlässe des jüdischen Lebens einen ganzen Kranz von hunderterlei Bräuchen gelegt, so dass sie in eigenen Kompendien fixiert und registriert werden mussten. (Hainanhig, Führer durch die Bräuche von Abr. b. Nathan Jarchi verfasst um 1204, Sefer Haminhagim von R. Jacob Möllin Halevi u. v. a.) Aber wogegen man ankämpfte, waren nicht jene Bräuche, die sich eines besonders hohen Alters rühmen konnten und schon hierdurch religiöse Weihe erhielten, hinsichtlich deren es sich zu einem festen Grundsatz herausgebildet, dass der Väter Brauch Thora sei, an dem nicht gerüttelt werden durfte, und den zu ISAK SEGNET JAKOB.

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