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Ost und West · 1908-07-01 · Heft 7 (Juli 1908) · p. Seite 433 - 434

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Journal
Ost und West
Volume
8 (1908)
Issue
Heft 7 (Juli 1908)
Article
Der Patriarch Jakob in der bildenden Kunst
Date
1908-07-01
Page
Seite 433 - 434 (sequence 3)
Language
German
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433 G. Kutna: Der Patriarch Jakob in der bildenden Kunst. 434 B. E.MUR1LLO. blickt der mit Beute heimkehrende Esau. Dem Ribera an Derbheit und Realistik verwandt, doch steifer in der Formgebung und trivial in der Motivfassung ist auf vlämischem Boden Jan Sanders gen. van Herne ssen (München, Budapest). In dem verkürzt knienden Knaben wie bei der hässlich und unmotiviert hingelagerten, ein Hündchen abwehrenden Rebekka interessieren ihn Experimente der Verkürzung, durch die die Bild Wirkung zerstückt wird; dass Isaks welker Oberkörper nackt ist und Jakobs Hände und Hals nicht mit dem Pelle bedeckt sind, geschieht gleichfalls in der Absicht, in den Fleischtönen die handwerkliche Leistung zu zeigen. Auch hier ist Esau auf der Jagd einherschreitend seitlich sichtbar. Eine oberflächliche Anekdote mit: klassizistischer Patlietik gibt Schnorr von Carolsfeld, bei dem die dem Judithbilde der Sixtina-Decke entlehnte Rebekka nach dem herankommenden Esau hinausblickt. Das gleiche tut die lyrisch heroische Rebekka bei G. Dore. Bei den Holländern ist die Szene intimer, inniger, und trotz der Betonung der Intrigue liegt ein Hauch der Familienliebe darüber. Der Anreger ist Remb rand t. Auf einer Zeichnung im Britischen Museum neigt sich Jakob stille zu dem Vater, in der halbgeöffneten Tür steht Rebekka und lauscht, Das Bild der Segnung Esaus des Earl of Brownlow (Beiton House) hat innerhalb des Realismus der dreissiger Jahre Züge tiefer Innigkeit, wenn es auch nicht die Andachtsweihe des Kasseler Jakobsegens aus den späteren Jahren erreicht. Isak liegt matt in die aufgetürmten Kissen hineingebettet, seine Hände und seine blinden Augen deuten auf ein unruhiges Tasten und Sinnen, man fühlt, wie sein Geist sich müht, dem Sohne einen Ersatz zu finden für die Segensgüter, die ihm der jüngere Bruder genommen. Esau kniet, schaut mit gepressten Händen in dringlicher Erwartung auf den Vater, an den Portieren im Halbdunkel des Hintergrundes blickt Rebekka aufhorchend ins Zimmer. Der Raum hat Stille und Verschwiegenheit, aus der das Lager Isaks in starker Helligkeit hervortritt. Die Schüler Rembrandts variiren das Bildthema des Meisters, verflachen aber den Ein- JAKOBS TRAUM. Galerie Allerlei in Wien „Esau von Stilleben, druck durch ablenkende Einzelzüge. Govaert Flink lässt Jakob jungenhaft schlau zum A'ater aufsehen, während die Mutter — eine Gestalt ganz in der Art von Rembrandts alten Müttern — betulich und stillfreudig den Kopf vorneigt, um die Segensworte zu hören. Bei Gerrit Willemsz Horst (Berlin) winkt der feierlich ernst, für holländische Verhältnisse fast pathetisch segnende Isak Rebekka ab, da sie — recht deplaziert — sich mit einem Breiteller vorneigt. Einheitlicher ist die ähnliche Komposition von Jan Victoors im Louvre (nicht aber die in der Galerie von Dalwich, wo Esau eilig ins Zimmer tritt) und die des Gerbrand van den Eeckhout in München, wenn auch das Rembrandtsche Kolorit bei ihnen matt wirkt. Das Bild des letzteren in der Liechtensteinvor Isak" wirkt mit seinem farbigen Kleidern und geflügelten Engelknaben wie eine koloristische Skizze und erinnert an Teniers trockene Phantastik. Pieter van Mol vereinigt in Rubensscher Formgebung drei athletische Gestalten zu einer schwellenden äusserlichen Fülle: einen entblössten Greis, einen knienden Riesenjüngling und eine Heldenmutter des Barock. Eine schöne Lösung hat Murillo für den Gegenstand gefunden, sein Bild in der Eremitage zu Petersburg vereinigt die Intimität eines Holländers mit einer prachtvollen Raumwirkung. Im breit geöffneten Wohnraum geht die Szene vor sich: der blinde Greis hebt, tief in Gedanken versenkt, die Hand zum Segen, der bärtige Jakob hört gerührt zu, Rebekka fasst ihn wie ermutigend und macht mit der Rechten eine leise Geste des beschwichtigenden Zuspruchs. Links öffnet sich die Landschaft, in die die Haus wand den Blick führt; um die Ecke geht eine Magd mit einem Kruge, vom Hintergrund kommt Esau mit seinen Hunden. Die freien Silhouetten des Landschaftlichen und die kondensierte Raumstimmung des Interieurs bilden einen wirkungsvollen Gegensatz. Die bedeutendste und den Inhalt am machtvollsten ausprägende Darstellung ist wohl die der Schule Cimabues (Giottos?) in der Oberkirche von San Francesco in Assisi. Das mittelalterlich Visionäre und das tiefgründig Menschliche sind darin vereinigt. Isak (sehr zerstört) fasst mit der Linken die mit Fell bekleidete Hand Jakobs, der eine Schüssel mit einem Tierchen hält. Er blickt jugendlich ernst, herb und glutvoll nach dem Vater hin und harrt schweigend in bedeutsamer, ergriffener Zuständlichkeit. Neben ihm (stark zerstört) Rebekka auf Isak blickend. Dann streckt Isak (besser erhalten) tastend und bangend die Hand aus, da Esau mit einer Schüssel anrufend zu ihm tritt und Rebekka in starrer Erwartung dem nächsten Augenblick entgegenlauscht. Die Typik ist von starker, seelischer Macht, der Aufbau grosszügig, klar und edel, die Bildlichkeit von zentraler Gegenwart und bezwingender "Wahrheit.

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