Ost und West
- Journal
- Ost und West
- Volume
- 8 (1908)
- Issue
- Heft 7 (Juli 1908)
- Article
- Der Patriarch Jakob in der bildenden Kunst
- Date
- 1908-07-01
- Page
- Seite 431 - 432 (sequence 2)
- Language
- German
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431 G. Kutna: Der Patriarch Jakob in der bildenden Kunst. 432 JOSE DE RIBERA. ISAK UND JAKOB. Vorgang die künstlerische und seelische Konzentration. Ausführlich erzählt schon in roher, verworrener Zusammenstellung der Ashburnham Pentateuch die eins zelnen Szenen der Handlung. In entzückender Weise tut dies ein französisches Manuskript aus dem 14. Jahrhundart im Britischen Museum (Eg. 1894), besonders fein sind dabei der in der Art eines Blinden lauschende Isak, Esau auf der Jagd und die letzte Szene, in der Esau hässlich weinend, wie begossen vor dem Vater steht, während Jakob in kindlicher Weise auf den weinenden Bruder zeigt und die Mutter erfreut zu ihm spricht. Sehr lebendig und gut charakterisiert sind auch der Segen Jakobs und die Heimkehr Esaus in der Hagadah von Sarajevo dargestellt.*) Aufeinanderfolgende Einzelheiten simultan vereinigt hat das auf die Segnung Jakobs bezügliche Relief der Erztüren des Lorenzo Ghiberti am Florentiner Baptisterium. Das Relief gehört zu den reizvollsten des Werkes, es ist klar in der Gliederung, einfach und edel in den Bewegungen, die Aktion stilvoll gemessen, und die Verschiedenheit .der Ereignisse schiiesst sich zu zwangloser Einheit. Besonders schön ist das Zwiegespräch zwischen Isak und Esau: antikisch edel der Greis, jugendlich lebensvoll der Sohn. Rechts kniet der schlanke Jakob auf der Palast stufe vor dem Vater, die Mutter steht daneben. Sie belebt mit ihrem zwanglos schönen Faltenwurf abschliessend den Rand des Reliefs. Links ist der Rand durchbrochen, und vier prächtig gemeisselte Frauengestalten ragen plastisch in den Vordergrund. Ohne dass sie sachlich begründet sind, stehen sie spielerisch in Unterhaltung neben einander und entfalten in ihrem zuständlichen Dasein lieblichste Anmut, Schwung der Linie und Delikatesse der Erscheinung. Die innere Beseelung ist nicht Ghibertis Stärke, aber seine geschmeidige Phantasie zaubert hier eine gleitende Formenfülle vor das Auge. Die Belebung der Fläche ist von klarer Harmonie, *) Bemerkenswert ist es. dass hier wie auf einem Rundbildchen der zweiton Hagadah des Gerinanischen Museums (k2107b) Esau einen Hasen als Beute heimbringt, die Bemerkung der hagadischen Literatur, dass die Erzväter sich an das Bitualgesetz hielten, also nicht berücksichtigt ist. das Verhältnis der Einzelheiten zum .Ganzen ist aufs beste gelungen, und die plastische Bildlichkeit kommt wohltuend zur Geltung. Eine Bildeinheit durch psychologische Zusammenhänge wollen jene Darstellungen erreichen, in denen die Spannung des Gelingens den inneren Reiz des Bildes ausmacht. Die dramatische Zuspitzung erfordert eine straffere Behandlung des Szenischen, wenn auch die Charakteristik unruhig und einseitig wird durch die über das Aktionsmotiv hinausgehende Erwartung. Nahegelegt wird diese Fassung durch die Bibel selbst, in der auf die vorsichtige Bedächtigkeit Isaks und die feierliche Sprache des Segens die plötzliche Heimkehr Esaus folgt. Sehr früh erscheint eine solche Verbildiichung in den Mosaiken von S. Maria Maggiore. Spätere Darstellungen verfahren willkürlicher, indem sie die Brüder direkt zusammentreffen lassen und die Täuschung durch die Assistenz Rebekkas hastender und spannender gemacht wird (Spanische Hagadah Or. 2884 und Add. 27210 im Brit. Mus., zweite Hagadah de« Germ. Miw.).*) Auch auf tlem Fresko der Rataelschule im Vatikan setzt Esau eilig den Fuss auf die Türschwelle, da Jakob in Gegenwart seiner Mutter und zweier kniender Gestalten den Segen empfängt. Bei dem Disput Esaus mit dem Vater steht Jakob, die Hände erschreckt erhebend, in der Tür neben der Mutter, die zu ihm spricht (danach eine Glasmalerei eines Fensters in St. John's Chapel des Tower in London). Ganz anekdotisch ist ein Bild des Bernardo Strozzi (Augsburg), auf dem der kniende Jakob sich fragend zu der Mutter umblickt, da der Vater seine Hand betastet, als wollte er sagen : wie wird's nun werden, siehst duV? Rebekka deutet ihm mit dem Finger am Munde, stille zu sein; von der Seite sieht eine Magd gespannt und belustigt zu. Bei Ribera (Madrid) steht die Mutter hinter dem ängstlich harrenden Jakob, die Hand wie ermutigend auf seinen Rücken gelegt; durch das Fenster *) Die Vorschrift des Malerbuches vom Berge Athos für die byzantinische Kunst, Esau während der Segnung Jakobs .,oben auf dem B»*rge mit dem Bogen Wild jagend" darzustellen, entspricht ebenso wenig dein Bi behext.