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Ost und West · 1908-07-01 · Heft 7 (Juli 1908) · p. Seite 429 - 430

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Journal
Ost und West
Volume
8 (1908)
Issue
Heft 7 (Juli 1908)
Article
Der Patriarch Jakob in der bildenden Kunst
Date
1908-07-01
Page
Seite 429 - 430 (sequence 1)
Language
German
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429 430 DER PATRIARCH JAKOB IN DER BILDENDEN KUNST Von G. Kutna. V/echselreieh ist das Leben Jakobs in der Bibel ins Weite und Tiefe ausgesponnen, und die epischen und lyrischen Elemente dieser Erzählung bilden einen starken Anreiz zu künstlerischer Darstellung. Anregung und Ausführung sind hier selbständiger als bei dem dogmatisch interpretierten Leben Abrahams. Wohl ist der Segen, den Jakob von seinem Vater empfängt, wie der, den er Manasse und Ephraim und seinen Söhnen erteilt, für die exegetische Grundlage der Kirchenlehre von höher Bedeutung, doch übt das Menschliche und Landschaftliche auch auf die kirchlich beeinrlusste Kunst eine starke Anziehung aus. Die neuere Kunst vollends? waltet frei und in selbstschauender Künstlerphantasie Landschaftsidyllen und lyrisch gestimmte Sittenbilder sind die künstlerische Verbildlichung von Jakobs Lebenslang. Der Verkauf der Erstgeburt, dieses Meisterstück an Prägnanz der Schilderung, erscheint in der Kunst meist in Form anekdotischer Kleinmalerei, in drtn zeichnenden Künsten zumal, in denen sich zuweilen eine köstliche Naivität ausdrückt. Entzückende Svenen von poetischer Lieblichkeit hat die frühchristliche Wiener Genesis, in der dem Leben Jakobs eine Reihe der schönsten Blätter gewidmet sind. Esau kommt eilig mit Beute heim, von seinen lebhaft zu ihm aufblickenden Hunden begleitet. Jakob steht mit Topf und Löffel vor dem Herd und blickt aufmerkend zu Esau hin, der mit einem Napf, die Rechte zum Schwüre erhoben, zu ihm herantritt. Dann sitztEsau vor dem Napf am Tische, und Jakob steht in ängstlicher Haltung gestikulierend vor ihm. Im Ashburnham Pentateuch unterhandeln die Brüder vordem Hause, drin setzt Jakob dem Bruder das Gericht vor. Die typologische mittelalterliche Auffassung gibt die Biblia; .vire l^jt^jtf ^» j; 'J^k> . i*^^,**$&&^f> Kl^T*» n \i 4 WJä pauperum in der Gegenüberstellung (neben dem Sündenfall) zur V ersuchung in der Wüste. v^y^X \. W4v m LOREXZO Gl HEEKTL Nachdruck verboten. Benozzo Gozzoli (Camposanto, Pisa) erzählt recht heiter und behaglich. Unter einem Triumphbogen, inmitten von Prachtbauten, sitzt Jakob an einem Tische, Esau hebt die Hand zum Schwüre. Diener und Begleiter stehen als Z aschauer daneben. Von den Holländern hat Reinbrandt die Szene auf einer Zeichnung in Amsterdam (frühe Kopie im Britischen Museum) skizziert. Trotz der flüchtigen Andeutung ist der Charakter der beiden Brüder sehr gut ausgedrückt: Jakob ist der stille Kluge, Esau der wilde Waidmann. Dieser Gegensatz der Charaktere ist auf einem liebenswürdigen Bilde von Murillo recht fein getroffen. In grotesker Weise übertrieben ist die Schilderung auf einer Radierung von M. Rodermont („Rembrandt f." bezeichnet). Während die Bibel in treffender Charakteristik Esau durch die Worte: „Lass mich etwas herunterschlingen von dem Roten, dem Roten da", als den ungestümen Naturmenschen kennzeichnet (auch in den Kirchenfestspielen wird der grosse Hunger des ermüdeten Jägers betont), sitzt hier der geckenhafte Esau als närrisch geputzter Stutzer vor dem schlanken, feinen Bruder. Er hört in profunder Beschränktheit auf die Worte Jakobs, der ihn mit seinen klugen Augen ansieht. Von der Decke hängen ein Hase und ein Huhn herab, auf dem Hofe streut eine Frau — wohl Rebekka — den Hübnern Futter, und damit ja nichts fehlt, kommt ein Mann in orientalischer Kleidung — womit wohl Isak gemeint ist, — durch das Hoftor. Eine ebenfalls zeitgenössisch charakterisierte, aber nicht so verballhornte Fassung liegt in einerZeichnung von Gerrit Jacob s z im Museum von Rotterdam vor. Unter den vielen Darstellungen der Segnung Jakobs werden die Vorgänge in erzählerischer Epik vorgetragen, oder das Spannungsinomen t in dem listigen Anschlag wird betont; nur wenige DIE SEGNUNG JAKOBS. geben dem mmm^': •Oer l£ .f*. ■ ■ ß^->? ■ ^^dk--?V4 M- - a M 7- ■ A. ■ A. 4#^>«v, #v y v liw^sssä*^

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