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Ost und West · 1908-06-01 · Heft 6 (Juni 1908) · p. Seite 399 - 400

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Journal
Ost und West
Volume
8 (1908)
Issue
Heft 6 (Juni 1908)
Article
Die Alliance-Expedition zur Erforschung des Falascha-Stammes
Date
1908-06-01
Page
Seite 399 - 400 (sequence 3)
Language
German
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399 Mitteilungen der Alliance Israelite Universelle: Die Alliance-Expedition zur Erforschung des Falasclia-Stammes. 400 improvisierte eine Hymne zu Ehren des Königs der Könige von Aethiopien und zu Ehren seiner Graste. Ich habe sehr bedauert, dass ich wegen der Entfernung und wegen des Geräusches, das die 5000 kauenden Soldaten machten, nichts von dieser kehllautigen Rhapsodie habe erlauschen können. Wir nahmen nun Abschied vom Kaiser, der uns wirklich mit Liebenswürdigkeiten überhäufte. Er schüttelte mir minutenlang die Hand und dankte mir mit huldreichem Lächeln für meine kleine Ansprache. Er fragte mich — immer durch Vermittlung von Ato Haile Mariam, der uns als Dolmetsch diente —, ob wir nicht noch 20 Tage bleiben könnten, um dem Fest der grossen Bundesarche beizuwohnen. Ich erwiderte ihm, dass die Zeit dränge, und dass wir vor Beginn der Regenperiode unsere Mission beenden müssten. Er bat mich nochmals, mich nach Soddo, südlich drei Tagereisen von der Hauptstadt entfernt, zu begeben, dort die Ruinen zu besichtigen und ihm ausführlichen Bericht zu erstatten. Jch versprach das. Ato Haile Mariam führte uns bis zur Pforte des zweiten Ringes. Nachdem ich in das Hotel zurückgekehrt war, hielt ich es für meine Pflicht, dem französischen Bevollmächtigten, Herrn Brice, ein Schreiben zu übersenden, in dem ich ihm für alles, was er für uns getan, Dank sagte, namentlich für den Eifer, den er von unserer Ankunft an entwickelt hatte, um uns eine Audienz zu verschaffen, zu der uns der französische Konsul begleitete. Am anderen Morgen besuchte uns Ato Haile Mariam und teilte uns mit, dass Seine Majestät noch von meiner Ansprache bewegt sei und der Kaiserin gesagt habe, sie möchte beten, dass mein Trinkspruch in Erfüllung ginge. Heute früh erhielt ich durch Vermittlung der Gesandtschaft Schutzbriefe von Seiner Majestät dem Kaiser. Addis-Abeba, den 27. März 1908. Ich überreiche Ihnen hierin Abschrift und Übersetzung des kaiserlichen Geleitbriefes, dessen Text vom Kaiser selbst diktiert worden ist. Diese Dokumente werden sonst nur den fremden Ministern und den offiziellen Gesandtschaften gegeben. Im anderen Falle stellt die Polizei eine Art Pass aus, auf dem Namen und Zahl der Reisenden verzeichnet sind, sowie die Zahl der begleitenden Soldaten und Diener, auch die Zahl der Maulesel und das Reiseziel. Ein solches Dokument hatte man uns in Dire-Daua für unsere Reise in die Hauptstadt gegeben. Diese kaiserlichen Briefe werden gewiss in einigen Jahren verschwinden; sie sind deshalb von den Sammlern sehr gesucht. Baron Kulmer, ein österreichischer pensionierter Offizier, der sich auf der Durchreise in Addis-Abeba aufhielt und in unserem Hotel wohnt, bat mich, ihm eine Photographie von unserem Geleitbrief nehmen zu lassen. Ich habe nicht geglaubt, ihm die Ermächtigung geben zu dürfen. Ich besorgte mir weiter vier Empfehlungsbriefe, einen an den Ras Mangascha, Gouverneur von Godscham, Agumeder und von Kuara, einen an den Neffen der Kaiserin, Ras Guxa, Gouverneur von Begemender, Simen und Gondar, einen an Ras Uolie, Bruder der Kaiserin, Gouverneur von Lasta, und endlich an Dedschasamtsch Gabru Sellassi, Gouverneur von Adua. Ich glaube, dass alle diese Briefe mir von grossem Nutzen sein werden. Gegen den ersten April werden wir uns auf den Weg machen, um zu den Falaschas Beziehungen zu gewinnen. Ich brauche Ihnen nicht zu sagen, dass ich nichts vernachlässigen werde, um einen Erfolg unserer Mission zu sichern, und dass ich gleichzeitig jede Vorsicht anwenden werde. In den Provinzen, durch die wir konmen werden, gibt es zwei ungesunde Bezirke: Die Westküste des Tanasees (Kuara) und Maröb an der italienisch-abessinischen Grenze. Den erstgenannten Ort werde ich möglichst schnell durchschreiton, soweit das geschehen kann, ohne meiner Aufgabe zuwiderzuhandeln. An dem anderen Platz werde ich mich nicht aufhalten und zu dem Zweck einen sechzehnstündigen Gewaltmarsch machen. Ich glaube, dass unsere Falascha-Reise drei Monate dauern wird, während deren Sie keine Nachricht von uns haben werden. In ganz Amhara gibt es weder Posten noch Telegraphen. Sollten wir aber unterwegs einen Reisenden kreuzen, so werden wir ihm Briefe mitgeben. Auf diese Weise können Sie vielleicht erfahren, wo wir sind und wie es uns geht. Wahrscheinlichkeit spricht dafür, dass unsere nächsten Briefe mit uns zugleich in Europa ankommen werden. Übersetzung des Geleitbriefes für die Alliance-Mission. (Siegel.) ,,Der Löwe des Stammes Juda, der Sieger Menelik IL, von Gottes Gnaden König der Könige von Äthiopien. Die Träger dieses Briefes, die Herren Nahoum und Eberlin, sind nach Äthiopien gekommen, um die Falaschas zu sehen. Sie mögen überall hingehen, in alle Lande — hindert sie nicht daran. Ihr, Oberhäupter der Provinzen, bringt ihnen alles, was sie zu kaufen nötig haben, geleitet sie in guter Sicherheit, damit sie das Land in ungestörter Gesundheit durchschreiten. Ich befehle, dass es also sei. Geschrieben und gegeben in der Stadt Addis-Abeba am 9. Maggabit im Jahr der Gnade 1908." Addis-Abeba, den 3. April 1908. Ich habe die Ehie, mein Telegramm von heute früh zu bestätigen, das folgenden Wortlaut hatte: „Warme Abschiedsaudienz, wir brechen nach Godscham auf." Letzten Samstag, gegen 4Va Uhr Nachmittag, als wir uns eben zum Äusgehen bereiteten, um einige Abschiedsbesuche zu machen, kam Ato Haile Mariam eilends zu uns, um uns zu sagen, dass der Kaiser die Gnade gehabt habe, uns eine Abschiedsaudienz um 5 Uhr zu bewilligen. Wir begaben uns auf der Stelle nach dem in dem vorigen Schreiben geschilderten Saal, wo man uns zur bestimmten Stunde zu Seiner Majestät führte. Dieser Empfang war überaus herzlich. Zunächst Hess der Kaiser mich wissen, dass er mir Titel und Insignien eines Kommandeurs des Ordens vom Siegel Salomos verliehen habe. In einer kleinen Ansprache dankte ich dem Kaiser im Namen der Alliance für alle Ehrungen, die uns bereitet worden seien, und sprach Gebete aus für das Gedeihen seiner Regierung. Kaiser Menelik erwiderte: „Bringen Sie meine Kaiserlichen Grüsse allen Mitgliedern der Alliance Israelite Universelle und sagen Sie ihnen, dass ich ihnen für die Gebete danke, die sie für mich sprechen. In der Tat, das Gebet ist die Kraft der Könige. Besuchen Sie die Falaschas und die archäologischen Denkmäler, und schicken Sie mir durch den französischen Herrn Minister ausführliche Berichte. Ich wünsche Ihnen gute Reise und bitte Sie, mir telegraphisch von Ihrer gesunden Ankunft daheim Kenntnis zu geben." Morgen früh reisen wir ab, und vor unserer Heimkehr haben Sie keine Briefe mehr von uns. * # * Der französische Minister der Auswärtigen Angelegenheiten, Herr Pichon, hat der Alliance in Paris verschiedene Depeschen mitgeteilt, die er über die

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