Ost und West
- Journal
- Ost und West
- Volume
- 8 (1908)
- Issue
- Heft 6 (Juni 1908)
- Article
- Die Alliance-Expedition zur Erforschung des Falascha-Stammes
- Date
- 1908-06-01
- Page
- Seite 401 - 402 (sequence 4)
- Language
- German
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401 Mitteilungen der Alliance Israelite Universelle: Die Alliance-Expedition zur Erforschung des Falascha-Stammes. 402 Alliance ^Mädchenschule in Schiras. Mission von dem A^ertreter Frankreichs in Addis-Ababa erhalten hat. Folgendes ist der Bericht, den Herr Brice über den der Mission vom Negus bereiteten Empfang dem Ministerium erstattet hat: „Addis-Abeba, den 10. März 1908. Ich habe die Ehre, zur Kenntnis Eurer Exzellenz zu bringen, dass auf mein Gesuch Seine Majestät Menelik am 6. ds. Monats die Herren Nahoum . und Eberlin empfangen hat. Nach der Verlesung und Überreichung der Adresse der Alliance Israelite Universelle hat Herr Nahoum sehr geschickt den Zweck der philologischen und ethnographischen Forschung auseinandergesetzt, die er in diesem Lande anstellen will Indem er Äthiopien mit einer lange Zeit der Sonne beraubten Blume verglich, die zum Aufblühen nur einen Lichtstrahl erwartete — hat er Menelik zu diesem Lichtstrahl gemacht, dank dem die Blume sich geöffnet hat und das bis zu seiner Thronbesteigung in Finsternis getauchte Land aus der Isolierung hervorgetreten ist, um mit der übrigen "Welt in Beziehungen zu sein .... Sehr eingenommen durch diese blumenreiche Sprache, hat der Kaiser Herrn Nahoum zugesagt, dass er ihm alle erforderlichen Ermächtigungen geben werde, in seinem Reich sich zu bewegen und in aller Freiheit seinen Studien nachzugehen. Er bezeichnete ihm selbst gewisse Inschriften in der Umgegend von Addis-Abeba, deren Sinn er gern kennen lernen möchte. Anderen Tags Hess Kaiserin Taitu Herrn Nahoum sagen, dass sie seinen Arbeiten mit Aufmerksamkeit folgen werde, und dass sie ihn wie seine Gefährtin im Thronsaal zum Frühstück einlade. Gestern haben diese Herren hier im Namen der Alliance Israelite Universelle für den freundlichen Empfang gedankt, den ihnen auf Empfehlung der Gesandtschaft der Republik Seine Majestät Menelik bereitet hat." DIE BLUTVERLAEUMDUNG. Nachdruck mit Quellenangabe gestattet. Die Osterzeit geht selten vorüber, ohne dass man hier und da das Wiederauftauchen des Märchens vom Ritualmord zu verzeichnen hätte. Das Central-Comite hat hierüber aus Castoria, aus Yarna und aus Egypten nachstehende Berichte erhalten: „Castoria, 15. April 1908. Der Kaufmann und Synagogenvorsteher von Castoria Joseph Levy war unter folgenden Umständen des Ritualmords beschuldigt worden: Am Samstag, den 4. April morgens liefen zwei griechische Knaben von 12 und 13 Jahren durch das Judenviertel von Castoria mit dem Rufe: „Wer braucht Feuer? wir machen Feuer!" Der Sohn des Kaufmanns Bension Levy Hess einen der Knaben bei sich eintreten, Hess ihn Feuer machen, bezahlte ihn, und der Knabe ging fort. Sein Gefährte, der draussen wartete, hatte ihn nicht aus dem Haus kommen sehen. Sofort kam ihm der Gedanke, die Mutter seines Kameraden zu benachrichtigen, dass die Juden diesen versteckt hätten, mit der Absicht, sich seiner