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Ost und West · 1908-06-01 · Heft 6 (Juni 1908) · p. Seite 371 - 372

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Journal
Ost und West
Volume
8 (1908)
Issue
Heft 6 (Juni 1908)
Article
Mendeles "Klaer"-Stunden
Date
1908-06-01
Page
Seite 371 - 372 (sequence 2)
Language
German
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371 Dr. Max Steif: Mcndeles „Klär"-Stunden. 372 HEGIXA MFXDLAK. Und weiter, war vielleicht Sara so ganz einwandfrei? „Alles, was dir Sara sagt, gehorche ihrer Stimme," heisst es. Also auch sie führte jederzeit das grosse Wort, und wenn sie schon nicht mit ihrem Manne zanken will, streitet sie sich wenigstens mit ihrer Magd Hagar herum, bis diese endlich, um allen weiteren Auftritten kurzer Hand ein Ende zu machen, von Abraham auf die Gasse gesetzt wird. — Und nicht minder Rebekka; was hatte sie an der Türe ihres Mannes zu lauschen, was hatte sie den Jacob zu einer Unwahrheit zu verleiten, die ihm nur Esaus Hass eintrug, ihn die schönste Zeit seines Lebens in niedriger Knechtesstellung zu verbringen zwang? Hätte sie doch nur ruhig Esau den Segen des Vaters einstecken lassen! Was wäre geschehen? Jacob hätte etwa nicht die Lea"und Rachel zu Frauen bekommen? Nun der Laban hätte sie ihm vielleicht sogar etwas billiger hergegeben, als nur durch 14jährige harte, anstrengende Arbeit. — Aber worauf er sich etwas besonders zugute tat, war, ganz allein darauf gekommen zu sein, dass, wie ihm schien, sogar ein Mosche rabenu von den Chikanen seiner Fi au zu leiden gehabt hatte. Zwar erfährt man von ihr nicht viel, aber auch aus dem wenigen, das man von ihr hört, konnte er einen ausdrücklichen Beleg dafür anführen, dass es mit ihrem Zusammenleben nicht am besten bestellt gewesen sein muss. — Ja, das wollre und musste er dem "Rabbiner demnächst mitteilen. Der hatte schon so manches „gute Wort" von ihm, wenn er gelegentlich zu ihm heraufging, gehört. — Nur war es so schwer, sich mit dem Rabbiner einmal gründlich auszureden. Da heisst es einmal, er habe Besuch, das anderemal: Unterricht, ein drittesmal: er sei eben ausgegangen. — Merkwürdig, wie wenig Zeit die heutigen Rabbiner haben! — Er erinnerte sich, in seiner Jugend noch Reb Michoel Wronik gesehen zu haben. Der „lernte" Tag und Nacht sein Blatt Gemore und hatte dabei noch Zeit, hunderte von Schales (Anfragen) zu beantworten. Und mit solchen Dingen werden doch die heutigen Rabbiner wenig geplagt! Was verstehen sie auch davon? — Da hatte er vor einigen Wochen einen bösen Cholem (Traum) gehabt und deshalb am nächsten Montag sich zu lasten vorgenommen. Muss da just sein Weib Jentel mit einem Korbe Zwetschken kommen, und er, wie der „Beim Zecno Ureno." OR1G1X A LZE I'CHNUNG. Mensch schon manchmal in Gedanken ist, eine davon kosten! Sofort eilt er zum Rabbiner herauf, und fragt ihn, was er nun tun soll. Und was sagt der? Bei einer Zwetschke, meinte er, mache es noch nichts aus, bedenklicher wäre es schon gewesen, wenn er zumindest drei gegessen hätte. — Nein, mit einer „Schale" wollte er dem Rabbiner nicht mehr kommen, neugierig aber war er, was der zu seiner Entdeckung sagen werde. — Dass er nur die Stelle nicht vergesse! Er musste sie noch einmal nachsehen. — Richtig, da war sie, die Stelle, im zweiten Buch, in der Sidra Jethro, gleich im zweiten Verse: „Und es nahm Jethro, der Schwiegervater des Moses, die Zippora, die Frau des Moses, nachdem er sie weggeschickt hatte." — Also, da soll es noch einer bezweifeln können, dass er sie aus einem anderen Grunde weggeschickt, als weil er von ihr nichts mehr wissen wollte! — Aber was geschieht? Wenn schon nicht die Schwiegermutter, so ist es wenigstens der Schwiegervater, der sie einem wieder zurückbringt! Nein, da hätte er sich schon als ein ganz anderer Mann gezeigt! Wenn sie einmal draussen war, hätte sie ihm unter keiner Bedingung mehr über die Schwelle gedurft! — „Also, während ich mir die Füsse ablaufen und mir die Lunge herausreden muss, um etwas zu verdienen, faulenzt der da herum, spekuliert über alle möglichen Dummheiten und arbeitet keinen Stich! Du Narr, du Schaute du! . . ." Jentel, sein Weib war es, die mit diesen Koseworten seine Gedankengänge in solch unharmonischer Weise unterbrach, und jetzt

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