Ost und West
- Journal
- Ost und West
- Volume
- 8 (1908)
- Issue
- Heft 6 (Juni 1908)
- Article
- Mendeles "Klaer"-Stunden
- Date
- 1908-06-01
- Page
- Seite 373 - 374 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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373 Dr. Max Steif: Mendeles „Klär"-Stunden. 374 auch wie zur Bekräftigung die mitgebrachten Hasenfelle mit einer Energie auf den Tisch hinschleuderte, dass das daraut liegende Chumesch zu Boden fiel und dessen Blätter nur so im Kreise herumflogen. — Und wer weiss, welch' Schreckliches nun gefolgt wäre, wenn nicht in diesem kritischen Moment die Stimme von Sorl Klein hörbar geworden wäre, die Jentel in einer dringenden Angelegenheit zu sprechen wünschte. So konnte denn der zu Tode erschrockene Mendele vor der Hand unbehelligt die Blätter seines Chumesch auflesen und sich wieder an seine Arbeit machen. Und plötzlich begannen seine tiefbekümmerten Mienen einen Ausdruck von Selbstzufriedenheit und Gleichmut anzunehmen. Wer wird sich auch von einem Weib sein Leben verbittern lassen! Und dann, wrar er vielleicht mehr als Mosche rabenu? Wenn es dem nicht gelungen war, sein Weib los zu werden, sollte gerade er, Mendele Schneider, seines los werden?! ZWEI FREUNDE. (Ungednic-lvte Briefe von Salomon Münk aus den Jahren 1827—1860.) JMit.o-et.eilt von Pr. Bernhard Weiss. Nachdruck verboten. Die nachfolgende Veröffentlichung braucht Berlin zu heiss (den wesentlichsten Grund hierzu keiner grossen Einleitung; ihr Inhalt spricht für mag man aus dem nachfolgenden Briefe ersehen), sich selbst. Bedeutsame Briefe eines bedeutsamen er zog nach Paris. Und hier, in Frankreichs Haupt- Mannes — für wen sollten sie kein Interesse haben? Besonders dir, schöne Leserin, seien die Briefe empfohlen. Ich weiss, du bist fürLiebesgeschichten empfänglich — da wird sich dein schnell entflammtes Herz an den Miink'schenBriefen leicht entzünden. Du wirst erfahren, dass auch Einern kalt scheinenden, trockenen Gelehrten oftmals ein heisses Herz im Leibe schlägt . . . Der Name Salomon Münk ist dir vielleicht schon geläufig. Du entsinnst dich der trefflichen Lebensbeschreibung, die A. Benesra im Dezemberheft (1906) von „Ost und Westu gab. In aller Schnelle seien dir die äusseren Daten des Munkschen Lebens zurückgerufen: Im Jahre 1803 zu Glogau geboren, lernte Münk beim Glogauer Eabbiner Oettinger in althergebrachter Weise Bibel und Talmud, folgte aber schon im Jahre 1820 seinem Lehrer Oettinger nach Berlin. Hier ward er von Ganz fürs Gymnasium vorbereitet und konnte im Jahre 1824 die Berliner Universität beziehen. Den ursprünglichen Plan Eabbiner zu werden, gab Münk auf; er widmete sich dem Studium der orientalischen Sprachen. Im Jahre 1827 ward dem Studenten der Boden in Bernhard Weiss geb. 16." Juli 1803, gest. 4. März 1879. k %z^l£ v .J^ Jjpzz^^ X^^i^ULJ-^^ Ar^< JU.40 JqJ^U isfö föv^JitzJi ttyfi Stadt, erkämpfte sich Salomon Münk nach Jahrzehnten des heissesten Mühens und des strengsten Entbehrens seine grossen wissenschaftlichen Triumphe: die Ehrenlegion ward ihm verliehen, er erhielt eine Professur am College de France (als Nachfolger Renans), wurde zum Mit - gliede des Institut de France ernannt: Soviel vom Gelehrten Münk. Der Mensch Münk wird Dir, schöne Leserin, zur Genüge aus den nachfolgenden Briefen erstehen. An den Jugendfreund hat Münk diese Brieie gerichtet, an Bernhard Weiss, dessen Namen auf mich, den Enkel, überkommen ist. — Auch Bernhard Weiss war kein alltäglicher Mensch. Zwar brachte er es in der grossen Welt nicht zu äusseren Ehren und Anerkennungen, (er sass den grössten Teil seines Lebens als Arzt in Oranienburg), doch wer dem Dr. Weiss je im persönlichen Verkehre nahe getreten (wie Leopold Zunz, wie Prinz Ludwig von Schönaich- Carolath, wie der freigeistige Fürst Pückler- Muskau, von denen allen ich noch gar manches Erinnerungsblatt in den Händen habe), der lernte gar bald die überragende, tiefgebildete und fc?' 7?/ ¥. \u nQ?