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Ost und West · 1908-05-01 · Heft 5 (Mai 1908) · p. Seite 287 - 288

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Journal
Ost und West
Volume
8 (1908)
Issue
Heft 5 (Mai 1908)
Article
Die Totenfeier für Charles Hallgarten
Date
1908-05-01
Page
Seite 287 - 288 (sequence 2)
Language
German
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287 Die Totenfeier für Charles Hallgarten. 288 ..Er hat für sich nichts zu erstreben, Wo's irgend fehle, späht sein Blick Und seine reine Lust zum Geben Ist größer als Besitz und Glück." Aber nicht nur darin, daß man selber gebe, sah er das rechte Wohltun, sondern man müsse auch bewirken, daß andere geben. Wird sein Beispiel erfüllt werden, mit gleicher Geisteskraft und gleichem Vermögen? Wir wissen nur. daß seine Taten bleiben. Dem Mann der guten Tat gilt unser dankbares dauerndes Erinnern. Prof. Dr. P h i 1 i p p S t e i n: Wäre er noch bei uns, so würde er uns jetzt zur Arbeit gewiesen haben, anstatt daß wir ihn rühmen. Die soziale Arbeit war ihm nicht eine Beschäftigung für müßige oder ehrgeizige Stunden, sie war ihm Pflicht und Beruf. Die freiwillige soziale Arbeit ist für Volk und Staat st) wertvoll wie das Wirken des Staatsmannes und Beamten. Volk und Staat verarmen und verkümmern sonst. So hat Kallgarten als großer Organisator fest gegründete Berufsstätten mit gesicherter finanzieller Grundlage für diese freiwillige Wohlfahrtspflege geschaffen. Wir können das von ihm Geschaffene ohne Überhebung neben die andern großen Wohltätigkeitssysteme stellen. Mensehen zu verstehen und zu behandeln wußte er. In ihm paarte sich schöpferische Phantasie und die klare Erwägung des Möglichen, der Unabhängigkeitssinn des freien Mannes und die Herzensgüte des wahren innerlichen Menschen. Er wurde nie enttäuscht und nie entmutigt, weil er nicht um Dank und Anerkennung, sondern um der Sache willen arbeitete. Ein väterlicher Freund ist er obendrein uns Jüngeren gewesen, dieser Menschenkenner aus Güte, der nicht über- und nicht unterschätzte. Wie oft. wenn wir drängten und stürmten, hat er uns das Rechte ruhig gezeigt, und wenn wir zagten, das Feld der Arbeit gewiesen. So war er unser, — so b 1 e i b t er unser. Im Auftrage der Vereinigungen für Volksvorlesungen und für Volksbildung, des Sozialen Museums und der ihm verbundenen Wohlfahrtsanstalten gilt dieser Kranz. Reichstagsabgeordneter Dr. J ä a e r - Speyer, der bekannte Sozialpolitiker der Zentrumspartei, sprach als zweiter Vorsitzender des V e r e i n s f ü r W ohnungsr ef o r m den Dank und die hohe Wertschätzung aus, nicht nur für die offene Hand, die Hallgarten dieser Vereinigung gegenüber betätigte, sondern auch für den Rat und die Leitung, die er gegeben hat, für die Klarheit und Lauterkeit und den weiten Blick, mit denen er an den Aufgaben der Wohnungsreform mitwirkte. Er ruhe in Frieden. Der Vorsitzende des F r a n k f u r t e r A r m e n - v e r eins, Seh ö n . spendete für diese Korporation den letzten dankbaren Blumengruß. Vorstandsmitglied Met z g e r vom Israelitischen Hilfs verein pries den vornehmen, gütigen, weisen, liebenswürdigen Mann, das Beispiel der Pflichterfüllung. Auch der Almosenkasten, der Vorstand der weiblichen Fürsorge, der Mädchenklub, das Heim des jüdischen Frauenbundes, die Säuglingsmilehküche sehließen sich dem Dank des Hilfsvereins und dem Gelübde treuer Erinnerung an. 0 berkonsist o r i a 1 r a t Pfarrer D. Ehlers: Der Verein für die Idiotenanstalt in I d s t e i n mochte durch mich ein inniges Wort herzlicher Dankbarkeit für die treue Mitarbeit sagen lassen, die Charles Hallgarten unserem Werke geleistet hat. Ich bin stolz und glücklich, daß ich diesen Auftrag habe. Einer der besten Bürger Frankfurts, ein Wohltäter großen Stils, der vielen i n d e r S t i 11 e und in der Verborgenheit geholfen hat, wo die Linke nicht wußte, was die Rechte tut, wo auf Dank nicht gezählt wurde und nicht auf äußere Anerkennung, — ein Mann ist von uns gegangen, der nur um der wachsenden Menschenliebe willen sein Leben lebte. Auch den Ärmsten der Armen, den Insassen unserer Anstalt, hat er ein Heim bereitet, wo sie leibliche Pflege und geistige Bildung fanden und den Schutz der Menschenfreundlichkeit. Mit Geldspenden nicht nur, sondern mit dem Einsatz seiner ganzen Persönlichkeit, mit der Klarheit seines Verstandes, mit seiner Güte und Geduld und Erfahrung, mit seiner Treue und Beharrlichkeit hat er in dem Dienst der Ärmsten gestanden. Unsere Dankbarkeit ist einig mit dem heiligen Entschluß, sein Werk im Geiste herzlicher Liebe fortzusetzen. Im Geist der Liebe, die aus Gott geboren ist, und nicht aufs Äußere sieht, sondern das Elend zu überwinden oder zu lindem sucht, wo sie es findet. Im Dienen sind wir alle noch nicht Meister, aber wir wollen diese Liebe immer besser üben lernen. Tausend Dank für alles, was du uns und den Ärmsten unter uns und den niedrigsten Pfleglingen unserer Anstalt so viel Gutes getan hast! Rechtsanwalt Dr. M e r z b a c h: Die Loge Frankf u r t, deren Mitgründer und Leiter Charles Hallgarten gewesen ist, dankt ihm an dieser Stelle. Unsere Organisation, die Loge B n e B r i t h , hat in ihm einen begeisterten Anhänger und Förderer gefunden. Welchem ethischen und sozialen Werk hätte er sich je entzogen? Hier fand er bereitwillige Schüler und Mitarbeiter. So ist er uns vorbildlich als Organisator, und sein Denkmal steht in unseren Herzen. Seine Wirkungsfülle kann der Einzelne kaum überschauen. Stets war er es. der, wo es not tat. am ehesten und am schönsten gab und andere zum Geben bewegte. Es klafft eine Lücke mit seinem Tode in Frankfurt, in unserer Glaubensgemeinschaft und in der Welt. Dem Edelsten der Menschen sagen -wir den Absehiedsgruß! J o s e f W i s 1 o c h: An hohen Festtagen ist es sonst nicht unser Brauch, lange Worte zu machen. Auch heute müssen wir uns darauf beschränken, kurz diesem Entschlafenen zu danken. Unser Frankfurter Hilfscomite für die notleidenden osteuropäischen Juden verliert in ihm seinen Führer. In Hochherzigkeit. Güte und Weisheit erkannte er die Notwendigkeit, alle Hilfskräfte heranzuziehen, um das Schicksal seiner Glaubensgenossen im Osten zu bessern, in Rumänien und Rußland und Galizien. Auch bei der schwierigen Verteilung der Beträge nach der rechten Würdigkeit ging er voran. Die Mithilfe einzelner einflußreicher Persönlichkeiten gewann er, und auch die Regierungen rief er auf. Die Speisung der Hungernden besorgte er durch die Gründung der Volksküchen, für die Unterbringung der Waisen schaffte er Raum, und er bereitete Arbeitsgelegenheit und die Möglichkeit zur Auswanderung in duldsamere Länder. Nun sind wir beraubt und verwaist. Wir sagen in Dank und Treue: Deine edlen Werke sichern dir die Unsterblichkeit! E d u a r d 0 oben: Für die Laemekchule in Jerusalem und für die Anstalt zur LTnterbringung jüdischer Waisen in Palästina, desgleichen für die Anstalt Ahlem bei Hannover sowie im persönlichen Auftrage des Vorsitzenden des Hilfsvereins der deutschen Juden in Berlin soll ich innigsten und wärmsten Dank an dieser Stätte bekunden. Das Andenken dieses edlen hochgesinnten Mannes ist und bleibt unauslöschlich. Direktor F r a u e n b e r g e r vom Kunstgewerbemuseum Düsseldorf: Erloschen ist die Hoffnung derer, die seine Teilnahme besaßen, der Schützlinge, die seine Hilfe suchten. Die edle Seele, einer der besten Männer der Welt, ein Beispiel für alle Zeiten, selig im Geben und persönlich anspruchslos! In wenigen Tagen wollten wir ihm durch unsere Ausstellung zeigen, welche Werke auf diesem Gebiet eine einzige Minute seines Entschlusses geschaffen hat. Nun ist er zu früh von uns gegangen, wieder ohne Dank zu verlangen. So bleibt uns nichts übrig, als an dieser Stelle, jeder in seiner Weise, zu sagen: Tausend Dank! Professor Dr. Klumke r widmete einen Kranz vom Rekonvaleszentenverein dem treuen Freund aller Leiden. Oberlandesgerichtsrat K a y s e r brachte einen Kranz des Asylvereins für Obdachlose mit warmen Worten des Dankes. Stadtschulinspektor Dr. Linker im Namen des Vereins für Kinderhorte erklärte, daß Hallgartens Andenken dem Verein Ansporn sein werde, das Werk zu fördern. Konsul Hoff überreichte eine Kranzspende im Namen des Vorstandes des Frankfurter Frauenbildungsvereins. Lehrer Georg Bolck, der einen Kranz des Rhein- Mainischen Verbandes für Volksbildung überbrachte, erinnerte daran, daß auch auf diesem Gebiete der große Gönner Hallgarten richtunggebend für die Arbeit des Verbandes gewesen sei.

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