Ost und West
- Journal
- Ost und West
- Volume
- 8 (1908)
- Issue
- Heft 4 (April 1908)
- Article
- Der Patriarch Isak in der bildenden Kunst
- Date
- 1908-04-01
- Page
- Seite 225 - 226 (sequence 3)
- Language
- German
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225 G. Kutna: Der Patriarch Isak in der bildenden Kunst. 226 Schnmckgegenstände und überreicht sie ihr in der Haltung eines Hofmannes. Mägde und Knechte sehen zu und bringen Geräte nach vorn. A. GL Decamps (Chamilly) hat die Begegnung als einen feierlichen Aufzug gemalt: der Raum ist horizontal gegliedert, hieratisch wandeln die Wasserträgerinnen hinter dem ummauerten Bassin des Vordergrundes, und Elieser neigt sich ehrfurchtsvoll vor der lichten Gestalt Rebekkas. In phantastisch dekorativer Form hat Hans Bol die reich gekleidete Rebekka neben einem mit Grotesken geschmückten Brunnen, dem Fremdling den Krug reichend, graphisch ausgeführt. Recht oft wurde die Szene in rein ornamentaler Form auf Email arbeiten (British Museum, SouthKensington)und auch auf Bronzeplatten verwendet. Als dekorative Einzelfigur. mit dem Kruge neben sich erscheint Rebekka nicht selten bei Malern (Ch. Landelle, William Hilton u. a.), die für ein interessantes Modell mit dunklen Augen einen Namen suchten. So heisst sie denn Rebekka, wenn sie nicht gerade „Hagar" heisst; wie sie auch „Mirjam" oder „Deborah" heissen könnte, wenn sie statt des Kruges ein Instrument in der Hand hielte. Von der Abreise Rebekkas aus ihrem Vaterhause eibt es nur einzelne Darstellungen (H. Schopin, E. Berger), in denen sentimentale Pathetik vorherrscht; zahlreichere dagegen von der Ankunft im Hause Abrahams. Im Ashburnham Pentat euch wird sie zuerst von Isak vor dem Hause erblickt, dann von Abraham und (der in der Bibel bereits als verstorben erwähnten) Sarah begrrüsst. In Aelfrics Paraphrase des Pentateuchs begegnet Isak dem Zuge und führt darauf Rebekka ins Zelt; der Schleier fehlt hier. In der Hasradah von Sarajevo fasst sie an ihren Hut, um den Schleier herabzulassen, da sie von dem schlanken, in Mönchsgewand gekleideten Isak erblickt w7ird. Benozzo Gozzoli zeigt sie vom Pferde steigend von Abraham, mit Nimbus ums Haupt, begrüsst, der Junker Isak steht verlegen daneben. H. Schopin lässt Isak galant entzückt niederknien, um ihr vorn Kamel zu helfen; dasselbe tut auch Gust. Dore: Isak fasst ihr Füsschen, damit sie zu Boden steigen kann, auf einem ruinenhaften Treppenaufsatz stehen Abraham und die Hausgenossen und erheben erfreut die Hände beim Anblick des Zuges. Benozzo Gozzoli hat auch die Hochzeit in seiner Weise ausgemalt: iii, einer Halle sitzt Rebekka neben Abraham, und Isak trinkt ihr zu, Diener tragen Schüsseln herbei, Posaunenbläser und Zuschauer stehen zur Seite. Als „Hochzeit des Isak und der Rebekka11 hat Claude Lorrain (London) die in der Landschaft sich vergnügende Gesell>chaft in einer Inschrift auf einem Baumstumpf bezeichnet. Von den anderen Ereignissen im Leben Isaks finden sich nur spärliche Darstellungen in der bildenden Kunst. Die Wiener Genesis schildert die Erlebnisse im Lande Abimelechs, das Französische Manuskript Eg. 1894 im Britischen Museum den Streit um den Brunnen uud den Friedensbund. Unter den Fresken der Rafaelschule im Vatikan behandeln zwei die Verheissung Gottes und die von Abimelcch belauschte eheliche Liebesszene. In Illustrationswerken, wie auch in den biblischen E. BERGER. REBEKKAS ABSCHIED. Landschaften J. W. Schirmers erscheint Isak. den Tod der Mutter beklagend und beim Begräbnis Abrahams. Die Geburt Jakobs und Esaus findet sich in Illustrationen von derber und spasshafter Realistik dargestellt. In Aelfrics Paraphrase liegt Rebekka auf dem Lager, eine Frau hält Jacob, der Esau an der Ferse fasst; eine sitzende Frau nimmt diesen in ihre Arme. Der Ashburnh am Pentateuch hat mehrere nicht ganz verständliche Szenen: Rebekka kniet vor einem Tisch, auf dem fünf Brote liegen (Gebet um Kindersegen?), hinter ihr sind Dienerinnen, liuks sitzt eiu Mann (Isak?), den ein Diener auf die kniende Frau aufmerksam macht; darunter sitzt sie in ihien Wehen, und Frauen fassen sie. Die Hagadah von Sarajevo zeigt Kebekka matronenhaft auf dem Bette sitzend, die Füsse auf den Boden gestellt, sie faltet erstaunt die Hände beim Anblick der beiden Kinder, die eine Hebearame unterhalb ihres aufgedeckten Kleides an den Köpfen hervorzieht.*) Hinter dem Bette steht vor dem gemusterten Grund ein *) Die Schilderung dieser gallisierenden Miniaturkunst lässt denselben naiv altväterlichen Geist erkennen, den die französischen Kirchenspi le bei diesem Anlass bekunden. Isak, der eine Vision von der Geburt seiner Kinder gehabt hat, sagt dort zu Rebekka: Dame, mais que vous enfant^r, Souvienne vous de regarder Qui preniier viendra aborder Sus terre. Rebekka erzählt ihm dann von der Geburt der Knaben und sagt: Jamais ne fu si estonnec Comme quant ilz ont este nez.