Ost und West
- Journal
- Ost und West
- Volume
- 8 (1908)
- Issue
- Heft 4 (April 1908)
- Article
- Der Patriarch Isak in der bildenden Kunst
- Date
- 1908-04-01
- Page
- Seite 223 - 224 (sequence 2)
- Language
- German
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223 (}. Kutna: Der Patriarch lsak in der bildenden Kunst. 224 kelle ist um .sie gebreitet und gibt ihrer Körperlichkeit eine bestrickende, nahe Wirklichkeit, eine lei*e Schwüle geht von ihnen aus; wie Blumen im Mittagslicht erscheinen sie, und mit dem Hauch der Weiblichkeit betören sie. Reizend ist die "Wendung Rebekkas, köstlich das Yorneisren der schalkhaften Schönen in der Mitte, ganz exzellent die Gestalten E.ieser wie des Mädchens am Bildrand, sowohl in der Kontrastwirkung wie an malerischer PI istik. Murillo erscheint natürlich, und seine Spanierinnen sind glaubhaft auch für Mesopotamien, weil sie einem heimatlichen Boden entstammen, N icolas Po ussin (Louvre) wirkt bühnenmässig und gehaltlos, weil er nach der Ferne und der Vergangenheit ausschaut, das Land d<r Griechen ohne Seele suchend. Alles Dasein dient dem Faltenwurf, die statuarische Haltung ist ihm wichtiger als das Leben, und wenn nur die Reliefwirkung arrangiert ist, erscheint ihm die leere Modellpose als Wahrheit. Schöne Niobidenmädchen sind aus der Stadt herausgekommen und gruppieren sich bereitwillig iu den gewünschten Distanzen, sie halten und bewegen sich mit der beharrenden Würde, die ihrer plastischen Herkunft gemäss ist, und tun keinen Atemzug ohne Metrum. Und zu der edelsten, anmutigsten, athenischsten unter ihnen tritt ein antikisch orientalischer Herr und reicht ihr edles Geschmeide. Die blonde Athenerin legt ihre Hand auf die Brust und zögert erstaunt, wie's sich ziemt. Doch der galante Herr ist redekundig und wohlgeübt in dezenter Rede, er ist vertraut in der Landschaft und unter den Gestalten. Es gibt weder Begleiter noch Kamele, mit denen er aus der Fremde gekommen ist, er und die arkadisch posierenden Mädchen W. SCHIRMER. ELIESER UND REBEKKA AM BRENNEN. um ihn sind gleicher Herkunft, entstammen dem Atelier eines Klassizisten, sind Komposita der ilorentinischrömischen Schule. Der Zeitgenosse Poussins Bern. Strozzi (Dresden), wie auch Luca Giordano (Dresden) und G. B. Tiepolo (Bordeaux) haben nach dem Bildmotiv der Anbetung der Könisre in Halbfigurenbildern eine Szene neutialer Galante gemalt. Ein indifferenter Teil der landschaftlichen Staffage sind die beiden Gestalten auch auf dem Bilde von Jordaens in Brüssel, das im Vordergrund von Hirten, Kraftmenschen, Pferden, Hunden belebt ist. Dasselbe ist bei einem Blatte von Claes Moeyaert der Fall. Das Idyllenhafte der Begegnung hatRembrandt in einer zum Teil nur flüchtig ausgeführten Zeichnung in der Albertina in Wien mit feinem Reiz wiedergegeben. Rebekka steht da, mit einem riesigen Sonnenhut auf dem Kopfe, vor dem sitzenden Elieser, der den Krug auf dem Schosse hält. Eine Mischung von Behaglichkeit und Ernst liegt über der Zwiesprache der beiden Personen. Die Tränke, die Hirten und das Vieh in den übrigen Teilen sind nur leichthin angedeutet, die Komposition Lat eine lose breite Passung ohne rechte Konzentriertheit; aber das in zarter Strichführung gezeichnete Blatt hat eine fühlbare Sonnigkeit und etwas Zierlich - Trauliches ganz eigener Art. Gerbrand van den Eeckhout hat auf einem Bilde im Rudolfinum in Prag das erwartungsvolle Zwiegespräch der beiden in belebter Staffage betont, ein anderes Bild in Leipzig zeigt die niedlich geputzte Rebekka zu Elieser aufschauend, der ihr zwei grosse Ringe hinhält. Nur wenige Darstellungen betonen bei der Begegnung das Erlebnis und das Moment der wunderbaren Fügung, und diese wenigen verlieren durch Stilisierung an Eindrncksfähigkeit. Horace Vernet und Schnorr von Carolsfeld stellen die beiden Gestalten absichtsvoll in den Vordergrund, sind aber nüchtern und flach; die Gruppe Schnorrs hat J. VV. Schirmer in den Mitteigrund einer Landschaft gesetzt, wo sie günstiger wirkt. Durch hellenistische Romantik abgefärbt, aber nicht ohne Stimmung ist Gust. Pore. Elieser sieht der schlanken, schön gebauten Rebekka fragend ins Antlitz, sie hält den antiken Krug in der Hand und blickt sinnend zu ihm hinab. Andere griechische Orientalinnen von schlankem Wuchs kommen von hinten, Knechte und Kamele lagern auf der Anhöhe. Ein Missirriff ist die Fassung von A. CabaneL Er gibt den Augenblick, da Eliser „staunend schaut und schwtigt, oh Gott seinen Weg gelingen Hess", dieses seelische Motiv wird aber ausser Wirkung gesetzt durch die stark akzentuierte Gestalt Rebekkas, durch die Tätigkeit des Wassergiessens und die in voller Breire sich vorneigenden Leiber der Kamele; der gespannt lauschende Eliser sitzt als zufälliges Beiweik an der Seite. Der Engländer Frederick Goodall dagegen gerät durch ein Uebermass von seelischer Spannung zu sehr ins Dramatische und Heroische: ein Kniender legt in behutsamer Scheu das Armband um das Gelenk der Hand des Weibes, und die in Weiss gekleidete, priesteiiiche Jungfrau blickt bang ergriffen ins Weite. Bei einzelnen der erwähnten Werke macht sich eine Tendenz zur Repräsentation geltend, und das Bild ländlichen Daseins bekommt den Charakter einer repräsentativen Idylle. Andere eibt es, bei denen die Repräsentation und der Glanz der Erscheinung das eigentliche Bildthema ausmachen. So ist es bei einem Bilde von Hendrick Heerschop in Amsterdam: Rebekka in Seide gekleidet, sitzt in einer prächtig geschmückten Halle, Elieser kniet vor ihr, entnimmt einem Kästchen