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Ost und West · 1908-04-01 · Heft 4 (April 1908) · p. Seite 227 - 228

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Journal
Ost und West
Volume
8 (1908)
Issue
Heft 4 (April 1908)
Article
Der Patriarch Isak in der bildenden Kunst
Date
1908-04-01
Page
Seite 227 - 228 (sequence 4)
Language
German
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227 G. Kutna: Der Patriarch Isak in der bildenden Kunst. 228 Baum, auf dem Vögel sitzen. Auf diese legt links (der Jäger) Esau die Armbrust an, der fromme Jakob sitzt im Mönchsgewand, die Kapuze auf dem Kopfe in einem Stuhlgehäuse und liest eifrig in einem Buche. In der volkstümlicheren zweiten Hagadah des G-ermanischen Museums in Nürnberg aus dem 15. Jahrhundert sind neben der Entbindung der Rebekka auch die hagadischen Erzählungen dargestellt, wie die schwangere Mutter in das Lehrhaus von Sem und Eber geht („den Herren zu befragen": Gen. 25,22) und dann die beiden Knäblein zu dem vor einem Lesepult sitzenden Sem in die Schule bringt. Derb realistisch ist die Schilderung von Benozzo Gozzoli. Es ist die in der toskanischen Frührenaissance übliche Form der Wochenstuben-Darstt-llung, nur lebhafter und witziger im Erzählungston. Die Wöchnerin liegt in der Halle ,• eine Dienerin giesst ihr Wasser auf die Hände, Frauen und Kinder stehen daneben, andere kommen. Vorn sitzen Frauen mit der Wartung der Kinder beschäftigt, eine Besucheriu macht eine Geste des Staunens, eine andere zeigt den Ausdruck einer verächtlichen, degoutierten Verwunderung. In Darstellungen solcher Dinge hat der florentiuer Freske nmaler seiner novellistischen Begabung freien Lauf gelassen. DIE JARGONLITERATUR. Von Dr. J. Eliaschoff. Nachdruck verboten. Ich möchte auf den Wert hinweisen, den die Jargonliteratur für jeden modern denkenden Juden besitzt. Es liegt mir aber fern, diese Literatur bis zu ihren Anfängen zu verfolgen. Freilich ist es fesselnd, der Jargonliteratur bis zum Mittelalter nachzuspüren, bis zur Zeit, da jüdische Minnesänger ihre Lieder in jüdischen Lettern aufzeichneten. Von nicht minderem Reiz sind die alten Purimspiele, wie das „Mchiras-Joseph-Spiel", die sich unter dem Einflüsse germanischer Volksschaustücke bei den deutschen Ghettojuden seit Jahrhunderten einbürgerten. Zahlreiche Anregungen zum Studium des Jaigon gaben die rabbinischen Responsen, deren Verfasser sich oft ganzer Jargonausdrücke bedienten. Jedoch liegt es weder im Rahmen meiner Aufgabe noch im Bereiche meiner Kompetenz, mich ausführlicher darüber auszusprechen. Es soll nur betont werden, dass die Jargonliteratur kein Kunstprodukt neuester Zeit ist, sondern dass sie, wenn auch in bescheidenen Grenzen, auf eine längere, viele Jahrhunderte umfassende Geschichte zurückblicken kann. Seit dem 16. Jahrhundert besitzt die jüdische Familie ihr Zeno Ur'eno. Seit mehr als zwei T, GTORDAXO. REBEKKA UND ELTE SEIL Jahrhunderten bedachte Elias Bachur, ein vorzüglicher Talmudgelehrter, das jüdische Weib wie die jüdische unwissende Masse mit einem gross angelegten Erbauungsbuche. Und noch ehe die ersten Spuren einer aufklärenden oder schöngeistigen Jargonliteratur zu sehen waren, besass schon die jüdische Volksmasse eine beträchtliche Sammlung aller möglichen Andachtsbücher, am bekanntesten darunter ist das heute noch viel gelesene, erwähnte „Z'eno U'reno", die beliebteste Sabbatlektüre unserer frommen Mütter und Grossmütter. Viel Gemüt und frommer Sinn wurden seit altersher auf die Abfassung der sogenannten „Tchines*' verwendet. Dns sind dem Hauptgotiesdienste vorangehende Gebete, auf elendem Papier mit zahlreichen Sprach- und Druckfehlern gedruckt, welche die Aufgabe haben, die des Hebräischen unkundige Frau in .die. richtige Andachtsstimmun^ zu versetzen. Es sind meistens kleine Monologe, genau der Seelenpein und Lebensqual der jüdischen Frau angepasst, Selbstgespräche, die unter Tränen und Seufzern vor ihrem Gotte abgehalten werden. In den Tchines finden wir ein Prachtstück jüdischer Frauenseele, und wenn man nicht an alles mit dem Massstabe eines Klügelnden herantritt, so kann man sich noch heute beim Lesen einer echten Tchine des Zaubers einer naiven Frömmigkeit nicht erwehren. Ich sprach absichtlich von echten Tchines, denn nicht alle sind eben echt. Auch dem Tchines-Schöpfer folgte ein Epigonengesehl ech1. Noch heute werden neue qualenreiche Tch neslamentationen der Sarah Bath Towim zugeschrieben. Wer die Sarah gewesen ist, das lässt sich nicht so leicht sagen. Vielleicht erfahren wir es einmal von E. Schulmann, dem bekanntesten Jargon-Forscher neuerer Zeit. Allerdings ist ihre Marke für die Tchine noch heute von erstem Wert und will man das jüdische Weib aus dem Volke für eine jüngst verfasste Tchino gewinnen, so ist der Autor gezwungen, unter falschem Namen, unter den legendären der Sarah Bath Towim aufzutreten. Auch für die Unterhaltungsliteratur wurde schon frühzeitig gesorgt. Frommtendenziös gefärbt, voll von phantastischen Ausschweifungen offenbart sie sich dem Leser in mannigfaltiger Weise. Aehnlich den katholischen vitae virorum gibt es eine ganze Anzahl

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