Ost und West
- Journal
- Ost und West
- Volume
- 8 (1908)
- Issue
- Heft 4 (April 1908)
- Article
- Der Patriarch Isak in der bildenden Kunst
- Date
- 1908-04-01
- Page
- Seite 221 - 222 (sequence 1)
- Language
- German
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221 DER PATRIARCH ISAK IN DER BILDENDEN KUNST. Von G. Kutna. Nachdruck verboten. \V. SCHIRMER. Gegenüber dem episch uud dramatisch reich ausgestalteten Lebensbild Abrahams erscheint das Leben Isaks farbloser und gering an Denkwürdigkeit. Als Bild der Srammesgeschiehte wie aU Persönlichkeit ist er der Sohn eines grossen Vaters: die Ereignisse wiederholen sich und erscheinen gemächlicher und minder bedeutungsvoll, als Individualität hat er etwas Passives und eiae mittel massige innere Konstitution. Er ist nicht Träger der Handlung, erscheint im Hintergrund, nicht im Mittelgrund des Geschehens, und die nachbildende Phantasie gleitet an seiner Erscheinung leicht vorbei. Wie in der Bibel selbst so fehlt seiner Person auch in der Darstellung der bildenden Kunst das markante Einzeldasein; der Vater, der ihn opfern will, der Knecht, der für ihn die Frau wirbt, und der Sohn, der sich seinen Segen erlistet, sind die dominierenden Faktoren und haben das zentrale Interesse für sich. Die am häufigsten, mit besonderer Vorliehe dargestellte Szene aus der Geschichte Isaks ist die Werbung Eliesers um Rebekka, und die anregende Ur>ache liegt hier in der reizvoll idyllischen Schilderung der Bibel. Nicht nur die Kunst der neueren Zeit, aus der die meisten Darstellungen stammen, sondern auch die Kunst des Mittelalters verbildlicht mehr die Poesie der Erzählung von Elieser und Rebekka als irgend eine Beziehung der kirchlichen Lehre. Die in lyrischem Geiste geschaffene Wiener Genesis hat die Vorgänge zu lieblichen Idyllen ausgemalt. Zuerst neigt sich der vulgäre Knecht vor dem edlen Abraham zum Schwur. Dann sieht man ihn an der amphorenartigen Brunnenöffnung mit den Kamelen angelangt, aus dem Kruge Rebekkas trinkend, ihr die Geschenke reichend und sie über ihre Herkunft befragend. Charakteristisch für die Nachwirkung der Antike in der frühchristlichen Kunst ist die Quellnymph«», an der ABRAHAM UND ISAKS KLAGE UM SARA. W. SCHIRMER. Rebekka vorbeigeht und die beim Ueberreichen der Geschenke am Boden lagert. Der Ashburnham Pentateuch schildert neben der Begegnung der reichgekleideten Rebekka mit dem Knechte Abrahams auch seinen Eintritt ins Haus und seine Erzählung im Kreise der Gastgeber; im Bestreben nach Sachlichkeit sind einzelne der begleitenden Knechte in den Gesichtern als Schwarze gekennzeichnet. Der sittenbildliche Erzählerton macht sich auch bemerkbar,, wo die Szene in der. Art des späteren Mittelalters nur auf die christologische Bedeutung einer Parallele zur Verkündigung Mariae gefasst wird, wie es etwa in dem zu typoloffischen Zwecken angelegten Heilsspiegel der Fall i.st. Am Beginne der Neuzeit hat Benozzo Gozzoli (Camposanto. Pisa) ein gefügiges Thema für seine illustrative Novellistik in dem Gegenstand gefunden. Da sitzt Abraham mit dem Glorienschein ums Haupt und lässt den knienden Diener den Schwur tun, neben ihnen stehen junkerlich gekleidete Männer, andere bewegen sich im Obergescho>s und auf dem Dache der Halle; die spielenden Hündchen fehlen nicht. Daneben sieht man die zierlichen, schlanken Töchter Harans mit Krügen auf dem Kopfe am Brunnen, Elieser trinkt und überreicht Rebekka den Schmuck. Eins der bestrickendsten Bilder einer ländlichen Idylle ist die Begegnung Eliesers und Rebekkas von M u r i 11 o (Madrid). Fraulicher Reiz. edleNatürlichkeit und lebensvolle Bild Wirkung vereinigen sich darin; prachtvoll sind die Gestalten in den Raum gesetzt, der sachliche und der malerische Inhalt sind zu einer unlösbaren Einheit geworden. Dunkeläugige Krauei, umstehen den Brunnen, einehalbverträumte Reife liegt auf ihnen,Neugier und Schalkhaftigkeit umspielt die lieblichen Köpfchen BEfrRAFBXTS ABRAHAMS. dieser Naturkinder. Licht-