Ost und West
- Journal
- Ost und West
- Volume
- 8 (1908)
- Issue
- Heft 2 (Februar 1908)
- Article
- Die Opferung Isaks in der bildenden Kunst
- Date
- 1908-02-01
- Page
- Seite 99 - 100 (sequence 6)
- Language
- German
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99 G. Kutna: Die Opferung Isaks in der bildenden Kunst. 100 stüm unterbrochen von der jähen Macht des Himmelssohnes. Die Perspektive entrückt alles ins Wunderbare, jenseits unserer Höhengrade spielt sich ungeahntes Leben ab, mit gewaltigem Zuruf in unsere Menschlichkeit hinein. Auf einer dem Bild im Louvre ähnlichen Skizze im Rudolfinum in Prag, das Rubens zugeschrieben wird, zerrt ein Gerippe Abraham am linken Arm, wie zur Tat drängend, und zieht Isak an seinem langen Haar. Die Behandlung, welche die Opferung in der graphischen Kleinkunst und allen Zweigen der dekorativen Künste gefunden hat, entkleidet sie meist ihrer spezifischen Bedeutung und macht sie zu einer indifferenten, ornamental-szenischen Gruppe. Dieser Art ist das Relief aus dem Schlosse Ecouen von Jean Goujon in der Schlosskapelle von Chantilly, wo Abraham sich in bauschiger Geziertheit statuarisch in die Höhe reckt; bei den Arbeiten des französischen Kunsthandwerks — Emails aus Limoges (Louvre) Tafeln, Geweben und sogar Gussplatten (Musee Carnavalet) — zeigt sich die ganze spielerische Freiheit reiner Geschmackskunst*). "*) Bemerkenswert dafür, wie ein ursprünglich stark innerlicher Vorgang durch lange Kunstbehandliingr sieh zum Ornamentalen umwandeln kann, ist es, dass man in den Nicht zahlreich sind die Darstellungen, in'denen die schweigsame Wehmut, der heimliche TränenscMmmer, der die Erzählung der Bibel leis durchzittert, anschaubar gemacht wären. Die Holländer schlagen diese Wege ein, und in Rembrandt ist der congeniale Geist erstanden. Dieser Seelenergründer, Seelenahner steigt hellseherisch ins Tiefe, Abgründige, Unverlautbare, gibt dem Unaussprechlichen Sprache und hebt dunkle Wallung ans Licht. Dieser Wahrsager der Wirklichkeiten, den Gott durch alle Tiefen der Seele geführt, dem Gott alLe Schätze gezeigt hat. Wie zur Einleitung, die die Tragik der Opferung tiefer, weher, menschlicher macht, hat er auf einer Radierung den greisen Vater dargestellt, zärtlich an den Kopf des Kindes fassend, das sich mutwillig heiter an seine Kniee schmiegt. Und diese Liebe soll im Opfertode enden. Isak liegt (Petersburg, Eremitage) am Boden, Abrahams Paust bedeckt sein Gesicht und presst den Kopf nach unten, dass der Hals blossgelegt ist. In diesem brutalen Zufassen ist viel Zartheit, man sieht, wie er alle Gefühle niederringt, um hart zu sein und stumm gehorsam. Da fasst der Engel seine Hand, und nun blickt er aufwärts. Dieser Blick ist nicht zu vergessen. Viel viel liegt darin von Gram und Kot des Geschöpfs, von Fügsamkeit und Geschick des Sterblichen und viel von jenen Geborgenheiten, für die die Sprache noch keine Worte hat. Und noch eins ist darin, das ist das ergreifendste: ein todmüdes Fragen, eine letzte Unbegreiflichkeit, als frage er nun, da er gegen alle Gefühle gerungen, in wirrem Vorwurf: was denn noch, o Gott! Doch da das Messer seiner Hand entfällt, leuchtet ihm des Engels Milde. Auf einer Radierung aus seiner späteren Zeit hat er das anders gefasst. Nicht minder schön. Abraham hat den Kopf des Kindes an sich gelehnt, bedeckt mit der Hand dessen Augen und zückt das Messer. Und alles ist Zittern, die Hand, der Schmerz, die entsagende Energie. Und da ihn der Engel fasst, in brüderlicher, überraschender Umarmung, wendet er sich hin, zu wirr, um erstaunt zu sein, zu seelenmatt, um zu begreifen. In düsterer Gefühlsnot kommt unfasslich ein Eingriff von aussen, der Schmerz wird aufgescheucht, da er sich auf's tiefste eingekrallt hat. Noch ist er nicht gelöst, noch ist das Antlitz verzerrt, das Auge tränenlos; aber im nächsten Augenblick muss sich alles wandeln. Ferdinand Bol, der Schüler Rembrandts, hat nach dessen Bild Darstellungen der Opferung gegeben. Züge von Innigkeit hat das Bild von Reynier van Gherwen (München), wenngleich die Haltung Isaks, der bereits einen Bart hat, ins Rührselige geht und ganz der Dornenkrönung entnommen ist; der abwartende Engel wirkt dazu störend durch die statistische Ruhe. Den Einfl. uss von Rembrandt's Eremitagebild hat wohl G. P. Reutern (Petersburg) erfahren, nur dass er alles durch akademischen Hannonismus und überklare Transparenz oberflächlicher macht. Die Vorgänge nach der Erscheinung des Engels sind auch zum Gegenstand der W. SCHIRMEN BERLIN" (Nationalgallerie). Opferung Isaks Judenvierteln von Westeuropa auf billigen Buntschmuck aus Papier stösst, der in architektonif eher Umrahmung die Opferung Isaks einfasst