Ost und West
- Journal
- Ost und West
- Volume
- 8 (1908)
- Issue
- Heft 2 (Februar 1908)
- Article
- Die Opferung Isaks in der bildenden Kunst
- Date
- 1908-02-01
- Page
- Seite 97 - 98 (sequence 5)
- Language
- German
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97 G. Kutna: Die Opferung Isaks in der bildenden Kirnst. «)8 sich duckende Knabe, über den der Vater in gewaltiger Erregung das Schlachtmesser schwingt, auf dem Relief des Portals von San Petronio in Bologna von Jacopo della Quercia. Stürmischer, gewaltsamer hat Filippo Brunellesco auf seinem Konkurrenzrelief für die Tür des florentiner Baptisteriums (Florenz, Museo Nazionale) die Ueberwältigung des sich sträubenden Knaben ausgedrückt. Das Relief des Lorenzo Ghiberti, das wegen seiner dekorativen Vorzüge mit Recht den Sieg davontrug, ist nach dieser Seite minder befriedigend, die Haltung von Vater und Sohn ist zu gemessen, zu elegant und schauspielerisch in der Pose; überzeugender ist die Opferung im Hintergrunde eines Reliefs seiner „Paradiesestüren" am Baptisterium. Die Pose ist auch in den Darstellungen der Malerei nicht vermieden. Eine der frühesten, die der Schule des Cimabue in der Oberkirche von S. Francesco in Assisi, hat noch ganz die herbe Innerlichkeit und Glaubenskraft der freiwerdenden Kirchenkunst. In dem Aufblicken Isaks zu der im flammenden Himmelskreis erscheinenden Gotteshand ist die Schwierigkeit der seelischen Schilderung glaubhaft gelöst, wenngleich dies hier noch mehr durch theologische Vorstellungen als aus psychologischen, wie in der späteren Zeit, bedingt ist. Das Bild des Giovanni Bazzi, genannt Sodoma (Dom zu Pisa) verlegt die innere Bewegung Abrahams in ein schwulstiges, äusserliches Heldengebaren; die Venushaltung Isaks ist weichliche Modellpose, der Engel von erotischer Zierlichkeit. Die Komposition Sodomas, die nicht ohne einen grossen malerischen Zug ist, wurde von Domenico Beccafumi im Bodenmosaik des sieneser Doms grotesk verzerrt und durch sinnlose allegorische Gestalten verballhornt. In dem gross - artigen Bilde des Andrea del Sarto (Dresden) ist der schmerzvoll hinaus - blickende Isak als Akt wie kompositionell und koloristisch von excellenter Wirkung, doch zu standbildlich in der Haltung; sie ist eine Variation des einen Knaben der kurz vorher (1506) aufgefundenen Laocoongruppe. Diese Haltung entlehnen dann der süss schmärmerische Jsak des Domenico Zampieri, gen. Domenichino (Madrid), in widerlicher Manier Christof an o Allori (Florenz, Pittipalast), trocken klassizistisch Schnorr von Carolsfeld und — von Schnorr her übergenommen — J. W. Schirmer in den biblischen Landschaften in Berlin. Bei der Mehrzahl dieser Darstellungen handelt es sich um Kunstreize von dekorativer Wirkung. Abiaham ist der schöne ungebeugte Greis, der, von einem idealen Impuls beseelt, des Schwunges voll, die Hand ausstreckt zu eines jungen Kindes Opfertod. Und mitten im eifernden Drang blickt er aufwärts zur Höh, des Gottesboten Ruf staunend zu vernehmen. Dies Brausende, Heldische, Weitgespannte hat er bei Sodoma, Andrea del Sarto, Domenichino. Noch mehr ist dies bei Deckenbildern der Fall, wo die spezifischen Bedingungen die weit ausgreifende Entfaltung der Form verlangen. Dass dadurch leicht eine gewisse Hohlheit in die Darstellung kommt, beweist Tit|iajns G. P. REUTERN Opferung Isaks. PETERSBURG. grandioses Gemälde für S. Spirito in S. Maria della Salute in Venedig; in höherem Masse leer erscheint Tintoretto, ganz ins Irre gehen darin moderne jSTachahmer, wofür der Dom von Salzburg ein Beispiel bietet in dem danatartig auf dem Holzstoss lagernden Tsak, dem drapierten Engel und dem pathetischen Faltenwurf Abrahams. Das geklärte Stilgefühl, das die Italiener dabei meist bekunden, ist dem Norden weniger eigen, und so lässt gerade das Formale unbefriedigt, wo es die eigentliche Absicht ausmacht. Lucas Cranach (Augsburg, Liechtenstein — Galerie, Wien) ist eckig, ausdruckslos, ungeschlacht, Pieter Lastman (Amsterdam) athletisch, draufgängerisch, von heroisierter Muskulatur; ein Bild in der Art des Rubens (Cannstatt, Sammlung Unger), sowie ein Stich derselben Compositum von Andreas Stock nach Rubens wirkt hohlräumig, bauschig und locker. Dagegen ist Rubens1 Bild im Louvre trotz des kleinen Formats von weitgreifender Kraft und Kühnheit. Windesbrausen geht durch die Räume, sausenden Wellenschlags stürmt ein Wille durch die Höhe. Der rote Mantel Abrahams loht darin, seine Bewegung ist beschwörend, grenzenlos ins Freie langend und unge-