Ost und West
- Journal
- Ost und West
- Volume
- 8 (1908)
- Issue
- Heft 2 (Februar 1908)
- Article
- Die Opferung Isaks in der bildenden Kunst
- Date
- 1908-02-01
- Page
- Seite 101 - 102 (sequence 7)
- Language
- German
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101 G. Kutna: Die Opferung Isaks in der bildenden Kunst. 102 Darstellung gemacht worden, um den gelösten Vaterschmerz und die Freude der Errettung auszudrücken. In einer Illustration einer Abschrift von Mischne Thora des Maimonides von einem jüdischen Schreiber in Köln aus dem Jahre 1295 (Sammlung D. Kaufmann) richtet Isak sich auf, „zum Engel die Hände faltend, der nach dem bereitstehenden Widder weist". Auf dem Bilde des Jan Lievens in Braunschweig halten Vater und Sohn sich eng umschlungen und blicken aufhorchend nach oben. Es ist sehr geschickt in der Bildwirkung, doch verstimmt die geflissentliche Betonung der Gefühlswallungen und die Flut von Sentimentalität. David Teniers d. J. (Wien) lässt Abraham das Kind zum Altar führen, wo es mit gefalteten Händen kniet und für seine Errettung dankt. Eine ähnliche Szene hat ein Blatt von C. W. E. Dietrich. Die Opferung des Bockes erscheint auchinchristologischer Bedeutung, etwa unterhalb der Passionsszene (Fenster von Ste. Clotilde, Paris). Den zweiten Zuruf des Engels hat die Wiener G-enesis in Form einer Mkegestalt, die aus einem blauen Kreis segnend zu Abraham spricht; Gott, Abraham nach dem Opfer segnend, hat der Elf enbeinvorsatz aus Salerno. In epischen Darstellungen wird die Folge der Bilder mit dem Heimweg abgeschlossen, auf dem sie im Zwiegespräch den Berg hinabgehen (Aelfrics Paraphrase u. a.) Die Begegnung mit der Mutter nach der Rückkehr ist eine der Szenen auf den Mosaiken Triquetis in Albert Memorial Chapel in Windsor. Abraham steht mit ergebener Geste in der Mitte, Isak umarmt jubelnd die Mutter, die ihre Spindel fallen lässt, ein dekorativer Engel steht rechts mit der Ueberschrift: „Nun weiss ich, dass du gottesfürchtig bist, denn du hast mir deinen EEMBRANDT PETERSBURG (Eremitage), einzigen Sohn nicht verweigert.'4 Opferung Isaks. IN DER VERBANN UNO. Von Adam Szymanski. — (Aus dem Polnischen.) Nachdruck verboten. Es war im Jahre .... Doch was geht uns das Jahr an? Es genügt, daß es war, und zwar in Jakutsk, am Anfang des Monats November, einige Monate nach meiner Ankunft in der Hauptresidenz der Fröste. Das Alkoholthermometer zeigte fünfunddreissig Grad unter dem Gefrierpunkt. Mit Entsetzen dachte ich an das künftige Schicksal meiner Nase und Ohren, die ich erst vor kurzem aus dem Westen hierher gebracht hatte und die schon oftmals leise, aber eindringlich gegen die zwangsweise Akklimatisation protestiert hatten und heute eben einer harten Probe ausgesetzt werden sollten. Diese Probe stand ihnen bevor, da einige Tage zuvor in dem Ortsspitale ein Mitglied unserer kleinen Kolonie, Piotr Baldyga, gestorben war, und wir ihm am heutigen Morgen den letzten Dienst erweisen sollten, indem wir seine müden Gebeine in die hartgefrorene Erde betteten. Ich erwartete nur noch einen meiner Bekannton, der mir die Stunde des Begräbnisses kundtun sollte. Das dauerte nicht lange. Ich packte so sorgsam als möglich Nase und Ohren ein und begab mich mit den anderen nach dem Spital. Das Spital befand sich außerhalb der Stadt. Im Hofe, etwas abseits von den anderen Gebäuden, stand eine mittelgroße Scheune; das war die Leichenkammer. Hier lagen die Überreste des Baldyga. Man öffnete die Türe, wir traten ein, und das Innere machte auf unsere kleine Schar einen unsagbar quälenden Eindruck. Wir waren unser etwa zehn oder etwas mehr, und wir alle blickten einander unwillkürlich an. Wir befanden uns der kalten und nackten Wirklichkeit gegenüber, die kein einziger Fetzen trügerischen Scheines verhüllte..... In der Scheune, wo es keinen Tisch, keinen Sessel gab, wo nur die mit weißem Reif über-