Ost und West
- Journal
- Ost und West
- Volume
- 8 (1908)
- Issue
- Heft 2 (Februar 1908)
- Article
- Die Opferung Isaks in der bildenden Kunst
- Date
- 1908-02-01
- Page
- Seite 95 - 96 (sequence 4)
- Language
- German
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Cr. Kutn.i: Die Opferung Isaks in der bildenden Kunst. 96 durchtränkt. Ziemlich wenig bieten Blätter von Moses van Uytenbroeck und Peter van der Borcht. Nach der Seite der schönen Bewegung und des dekorativen Stils is»t das bezügliche Relief der Holzschnitzereien aus Arras in Ste. Elisabeth in Paris von bester Wirkung. Leer artistisch in einer bombastischen Komposition sind die beiden Gestalten bei Simon Vouet als Vorlage für einen Gobelin des Musee des Gobelins in Paris. In der Behandlung als Landschaftsstatf'age bringt Gaspard (Dughet) Poussin in seinem Bilde in der National Gallery in London eine schöne malerische Gesamtwirkung hervor, recht stimmungsvoll und fein morgenstill ist auch die Landschaft J.W. Schirmers in der Berliner National- Galerie, durch die Vater und Sohn in traulichem Zwiegespräch dahin wandeln. Die Opferungsszene hat die neuere Kunst menschlich zu fassen gesucht und darin Tragik, Schicksal, Rührung ausgedrückt, oder sie Hess die innerlichen Momente ausser acht und gab ihr eine neutral künstlerische, dekorative Fassung. In der Charakteristik wird der Ausdruck des Vaterschmerzes leicht durch die Betonung der Aktion neutralisiert, Bewegungsmotiv und Zweckhandlung lenken das künstlerische Interesse von der Charakteristik des Gemütszustandes ab. Die innere Haltung Isaks bot der Phantasie freien Spielraum, doch zugleich Schwierigkeiten, die nicht immer glücklich gelöst wurden. Die Bibel sagt ja darüber nichts, umso mehr hatte die kirchliche Exegese Hr^ ' Jy'y'4 $ $n ' -* fflf I -;:r wm « &>i iSf/'j. ' > DOMENIOHIXO Opferung Isaks. die Freiwilligkeit des vorbildlichen Opfertodes betont. In dem Dialog der Mysterien — wohl von der hagadischen Literatur beeinflusst — heisst es ebenfalls, Gott wolle trotz Abrahams Bereitwilligkeit dennoch die Opferung, damit auch Isak seinen gehorsamen Willen gegenüber der göttlichen Versuchung bekunde. Diese Gedanken wirken auf die Kunst ein, und Isak neigt sich in kindlicher, oft süsslicher Hingebung, doch nicht seltener mit einer unwahren Teilnahmslosigkeit bei dem Todesstreich des Vaters. Mit gefalteten Händen, betend auf den Knien illustriert er in Bibelhandschriften des 15. Jahrhunderts (Franz. Bibelübers. Britisches Museum, 15248, Pariser Nationalbibl. 6829; Flämische Bibelübersetzung nach der Scholastica Historia des Petrus Comestor, 16951 undLa Bible moralisee, 15248 im Britischen Museum) den willig frommen Opfertod. Auch das Lämmchen („le vray aigneau") steht in solchen Darstellungen abwartend zur Seite. Auf den Knien betend haben ihn auch Georg Pencz, H. L. Schäufelein, Veit Stoss auf seiner Rosenkranztafel im German iachen Museum und ein Bild in der Art des Meisters desTodesMariae im Museum zu Cöln dargestellt. Das an sich rohe Bild wirkt darin unerfreulich, dass der etwa zwanzigjährige. Isak dabei nach der anderen Seite in die Landschaft hinausblickt. Ornamental gefällig ist der kniende Isak mit auf der Brust gekreuzten Händen und Nimbus um das Haupt, von Blumen umgeben, auf einem modernen Mosaik in Keble College Chapel zu Oxford. Mehr Zartgefühl, aber eine beeinträchtigende Wirkung in künstlerischer Hinsicht, lassen jene Darstellungen erkennen, bei denen die Augen Isaks verbunden oder von der Hand des Vaters bedeckt sind. So ist es bei den Holzschnitzereien in Ste. Elisabeth in Paris, in der manierierten Darstellung des G.B. Piazetta (Dresden), auf einem Bilde des Guillaume Courtois in Dresden, auf einer armenischenLeinw an dmalerei im South Kensington Museum in London. Psychologisch am einleuchtendsten ist der weinende Isak auf einem Reliefteller von B. Palissy im Musee Cluny in Paris, feinsinnig die Bildidee einer Zeichnung von Gustav M o r e a u (Gustave Moreau- Museum in Paris), wo Isak sich erschreckt nach dem Vater herumwendet, angstvoll nach dem Grunde dieser ungewohnten harten Berührung forschend. Die italienische Kunst hat als vornehmstes Ziel die künstlerische Wirkung im Auge. Die Plastik der Frührenaissance gestaltet das Motiv zu stürm voller Dramatik, und obgleich die stilistische Absicht vorwiegt, wirkt die Bewegung, wie von innerem Drang getrieben, als überzeugende Charakteristik. Er- MAÜRID (Prado). ^eifend ist der schwermütig?% '■*2m