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Ost und West · 1908-02-01 · Heft 2 (Februar 1908) · p. Seite 93 - 94

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Journal
Ost und West
Volume
8 (1908)
Issue
Heft 2 (Februar 1908)
Article
Die Opferung Isaks in der bildenden Kunst
Date
1908-02-01
Page
Seite 93 - 94 (sequence 3)
Language
German
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93 G. Kutna: Die Opferung Isaks in der bildenden Kunst. 1)4 fasst ein vogelartiger Engel die gezückte Waffe. Eine dramatische Spannung ist in dem Bildchen des Opferganges der Hagadah von Sarajewo: Isak steigt mit dem Bündel den stufig gezackten Berg hinauf, Abraham, mit Messer und Feuergefäss, sieht mit lebhafter Aufmerksamkeit auf den sich etwas rückwendenden Sohn, die zurückbleibenden Diener machen Gesten interessierter Erwartung. Von lebendiger Charakteristik ist auch die Opferung selbst, besonders in der Plötzlichkeit des göttlichen Eingriffs. Eine steife Gruppe der beiden, zu Berge reitend, hat die ziemlich roh gezeichnete Hagadah (Or. 2737) des Britischen Museum aus derselben Zeit; roh auch dem Gefühle nach ist es, dass Abraham bei der Opferung im Begriff ist, dem Sohn den Leib aufzuschneiden. In einem heiter novellistischen Ton schildert Benozzo Gozzoli in den Camposanto- Fresken zu Pisa den Gang. Diener sind mit dem Satteln des Tieres beschäftigt, Abraham spricht in milder Bewegung zu Isak, der zum Beschauer ausblickt; auf dem Wege spricht Abraham wieder väterlich zu Isak, der hier den Yater anblickt. Sie sitzen darauf alle vier bei der Mahlzeit, darüber in der Höhe sieht man die Opferung. Dazwischen laufen Hündchen einher, und in der pittoresk behandelten Landschaft regt sichs von allerlei Leben und Spiel. *) Im Norden *) Dieser Ton entspricht dem, der auch bei den Kirchenfestspielen vorkommt. Da hält Abraham erst ein Selbstgespräch, wie wohl die Mutter den Schmerz tragen wird. Dem fragenden Kinde gibt er zuerst eine ausweichende Antwort, auf die Frage nach dem Opfertier erklärt er ihm schliesslich: „Ja, mein Kind, das ist die Not; bitte Gott, dass er dir Gnade schenke. Meinen Schmerz muss ich dir künden, Gottes Engel hat gesprochen: Du sollst sterben als Opfer nun/' Isak ist darauf empört über diese Grausamkeit, verlangt, dass ein H\ R. VAN GHERVEN Opferung Isaks. MUENCHEN*. finden sich, besonders in der graphischen Kunst, häufiger solch ausführliche sittenbildliche Schilderungen. Auf dem Bilde eines Holländers des 16. Jahrhunderts im Louvre, das an des älteren Breughels Art erinnert, schnürt Abraham dem fast erwachsenen Sohn das Bündel auf den Rücken, zwei tölpisch devote Diener stehen mit dem Tier und den Geräten abwartend daneben. Unter der schweren Last gebeugt, geht Isak den Berg hinan, oben will der Vater eben loshauen, als der Engel das Schwert fasst. Ringsum sind Landschaft, Weide, Häuser treuherzig plump ausgeführt. Grobkörnig aber lebendig charakterisiert sind die Gestalten auf dem Holzschnitt des Lucas van Leyden. Im Vordergrunde einer Gebirgslandschaft führt Abraham das Maultier, er wendet sich bedächtig ernst zu dem derben Jungen, der mit seinen kräftigen Armen Holz und einen Krug mit Feuer trägt. Trotz der Derbheit der Personen ist die Stimmung des Zwiegesprächs von tiefem, feierlichem Ernst. Die Opferung befindet sich auch hier in kleinem Massstabe auf der Berghöhe des Hintergrundes. Blätter äbnlichen Geistes gibt es von den Deutschen Georg Pencz und H. L. Schäufelein. Rembrandts Radierung, auf der Abraham dringlich und schmerzensvoll auf seinen Sohn einredet, hat auch einen derben Zug, doch ist sie regsamen Lebens voll,bildhaft in Form nnd Sprache und in jedem Eckchen geistig I. LIEVENSZ BRAUNSCHWEIG. Opferung Isaks. anderer, nicht der Vater ihn opfere, spricht vom Schmerz der Mutter, sendet ihr den Abschiedsgruss, bittet, dass ihm die Augen verbunden werden, und senkt dann kniend das Haupt.

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