Mannheim
Compact Memory

Ost und West · 1908-01-01 · Heft 1 (Januar 1908) · p. Seite 31 - 32

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Ost und West
Volume
8 (1908)
Issue
Heft 1 (Januar 1908)
Article
Jüdische Bücher-Sammlungen in alter und neuer Zeit
Date
1908-01-01
Page
Seite 31 - 32 (sequence 2)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
94% known words query
IRI
…/2583875-2583967-2583969-2597651--07939-2597718
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

31 A. Benesra: Jüdische Büchersammlungen in alter und neuer Z<*it. 32 in Kisten und et areae) aufzu- Der Talmud ent- M. CIOTTLTEB. Sklavenmarkt. Nach Beendigung der Freiheitskriege wider die Graecosyrer fing* langsam das Volksschulwesen an, sich in Palästina zu entwickeln. Das trug viel zur Verbreitung der Kenntnis des Lesens und Schreibens bei und steigerte bedeutend das Bedürfiiis nach Büchern. Doch konnten diese nur von verhältnismässig Wohlhabenden angeschafft werden. Daher betrachtet es der Talmud als ein grosses Verdienst, Bücher zu verbreiten. „Wer Bücher sammelt uud sie andern ausleiht, auf den bezieht sich das Psalmwort: Schätze und Reichtümer sind in seinem Hause aufgehäuft und die Wohltaten (die er durch sie verbreitet) währen ewig." (Kethuboth 50a, Numeri Rabbah 14). So manche Judenstadt besass eine öffentliche Bibliothek. ]n der Mischna Nedarira V, 5 lesen wir: „Was ist Eigemum der Stadt? Der Marktplatz, das Bethaus (Versammluugshaus), das Badehaus und die Büchersammluug " Es ist also hier von richtigen Gemeindebibliotheken die Rede, und sie sind Gegenstand von zahlreichen zivil- und strafrechtlichen Bestimmungen. Nach dem Muster der Juden legten auch die jungen Christengemeinden Büchersammlungen an, und jener Pamphilus, von dem der Kirchenvater Hieronymus erzählt, dass er durch Schreiber die Bibel kopieren Hess und die Rollen unter die Gläubigen verteilte, ahmte nur das schöne jüdische Vorbild nach. Die Bücher wurden immer zahlreicher unter der in Babylonien stets zunehmenden jüdischen Bevölkerung, ebenso wie in Palästina, obgleich hier die jüdische Bevölkerung infolge der sich häufenden Unruhen und grausamen Verfolgungen im Verfall begriffen war. In beiden Talmuden begegnen uns zahlreiche Erwähnungen von Bücherschränken, die in jüdischen Häusern anzutreffen waren, von verlorenen und unterwegs gefundenen Büchern usw. Hieronymus, welcher in der zweiten Haltte des vierten Jahrhunderts in Palästina lebte und viel mit Juden verkehrte, erwähnt in seinem Bibelkommentar einigemale die archiva Judaeorum, denen er Bücher entnahm, und dass die Juden ihre Büchersammlungen Schränken (armaria bewahren pflegten. hält auch eine Reihe wert voller Fingerzeige über Auf bewahrung und Schonun g von Büchern. Ven>l. Baba Mezia 29 b, Thosefta ibid. II, 21 Aus dem Mittelalter besitzen wir einige wertvolle Dokumente, die uns über Bücherliebhaberei und Büchersammlungen bei den Juden belehren. Doch darf man das Wort Bücherliebhaberei nicht etwa in dem Sinne von heutzutage nehmen, da den Bibliophilen ihre Bücher nur Zier- und Prunkstücke zur Befriedigung ihrer Eitelkeit sind, wobei es weniger auf den Inhalt, als auf das Äussere des typographischen Erzeugnisses ankommt Damals liebte man die Bücher nur ihres Inhaltes wegen. Rabbi Jehuda b. Samuel Hachassid aus Speier, Rabbiner in Regensburg (gest. 1217) gibt in seinem auch heute noch bei den Juden sehr populären und beliebten Buche „Sefer chassidim" eine Reihe von Regeln und Ratschlägen, wie man mit Büchern umzugehen habe. Einmal traf es sich — erzählt er im Paragraph 869 seines Werkes —, dass nach dem Ableben eines frommen Mannes die Erben seine Bibliothek unter den Hammer brachten. Das Aergernis war gross, dass man so mit der Hinterlassenschaft eines würdigen Mannes umging. Ein Weiser aber sagte zu den Leuten: „Seid nur ruhig, ich will euch erklären, ob welcher Sünde des Vaters dessen Büchersammlung nicht in dem Besitz der Familie sich erhalten kann. Der Alte wollte seine Bücher niemandem entleihen, da er sagte, ich bin alt, von dem vielen Gebrauch aber werden die Bücher abgenützt und ich kann sie dann selber nicht gebrauchen. So aber darf man nicht denken, sondern umgekehrt, ich ziehe es vor, dass meine OELGEMAELDE

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.