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Ost und West · 1908-01-01 · Heft 1 (Januar 1908) · p. Seite 19 - 20

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Ost und West
Volume
8 (1908)
Issue
Heft 1 (Januar 1908)
Article
Zur Ausstellung jüdischer Künstler
Date
1908-01-01
Page
Seite 19 - 20 (sequence 2)
Language
German
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19 G. Kutna: Zur Ausstellung jüdischer Künstler. 20 vielfach von geringer Bedeutung und verstimmte durch die hastende Absichtliehkeit. Die jungen Leute, die sich so rasch mit unverdientem Ruhm versorgt hatten, sind nun zugrunde gerichtet. Zwar gelten sie dem Publikum der behaglichen Begeisterung noch immer als Sterne, aber ihr bischen Fähigkeit ist längst verdorrt, und in den Kreisen der Künstler und Kenner spricht man nicht einmal mit Empörung von ihnen. Die „Ausstellung jüdischer Künstler'1 will nun Klarheit in diese Verwirrung bringen, will einer einseitigen "Voreingenommenheit aus dem Wege gehen und zu soliden Urteilen leiten. Schon indem sie nicht eine jüdische Kunst proklmiiert, sondern nur die Werke jüdischer Künstler zur Schau vereinigt, gibt sie einen objektiven Einblick in den Kunstgeist der jüdischen Künstlerschaft. Das Ausstellungskomitee erklärte in der Einleitung des Katalogs wie durch die Eröffnungsrede Sehildkrauts, dass „den Initiatoren der Idee die Tendenz einer konfessionellen Separation völlig fremd war" und dass nur das ethnologische und kulturhistorische Moment in Fräse komme. Aus diesem Grunde wurde das Unternehmen auch von Männern unterstüzt, deren Denken und öffentliches Wirken im Gegensatz zum Zionismus steht, wie ja auch die Berliner Jüdische Gemeinde Gegenstände des synagosalen Kultgebrauchs für die kunstgewerbliche Abteilung der Ausstellung zur Verfügung stellte. TroUdem wurde versucht, die Ausstellung zu verhindern, und insbesondere war dabei jener gutsituierte Idealismus tätig, der da lehrt, dem Judentum tue nichts so not wie Sekretierung und der Judenheit sei am besten gedient, wenn man möglichst wenig von ihr be¬ Josef Israels füllt Eine tastend schöne Weisheit, eine wehmerkt. Doch gelang es. vornehmlich durch die hingebungsvolle Tätigkeit der Herren Dr. Altred Nossig und Maier L. Pilichowski — die Ausstellung in einer Weise zu veranstalten, dass sie eine reichhaltige und interessante Auslese der Kunsttätigkeit der Juden gibt. Unter rein künstlerischen Gesichtspunkten betrachtet, wie irgend eine andere Ausstellung auf die Qualität der Kunstleistung angesehen, ist die Ausstellung jüdischer Künstler von starker, nachhaltiger Wirkung. Schwache Leistungen sind nur wenig vertreten, und neben den Werken gesunder Talente erscheinen Meister von hohem Range. Dass diese nicht quantitativ dominieren und in einzelnen Fällen sogar den Wun>ch nach einer reicheren Vertretung erwecken, ist bei dem eigen- Charakter Ausstellung Welauch ■i &\. M&^k wie Israels, Pissaro,*; Antukolski in grossen Kollektionen zu gemessen, wie interessant es, für ein deutsches Publikum zumal, auch wäre, Männer wie Henry Levy, Solomon, J. Solomon, Jules Adler, Monies, Horovitz durch eine grössere Zahl ihrer Werke kennen zu lernen, dies würde doch den spezifischen Zweck und Charakter der Ausstellung beeinträchtigen. Ihr Hauptzweck ist ja nicht, die hohe Bedeutung der Produktionen ins Licht zu setzen, als vielmehr in nachdrucksloser Objektivität die etwaige Eigenart der Kunstschöpfungen der Juden zur Anschauung zu bringen. Indes auch die Grossen und Berühmten sind mit wenigen Ausnahmen zur Stelle, einen Raum mit seinen Werken. Kunst, eine andächtig versonnene uiuts;oll gütige Welt und Hauch und Atem der grossen Schöpfung tut sich darin'kund. Ein Greis geht durctfs Gefiid, ein Reiter an der düsteren See, ein Fischerweib in der Stube nnd Mutter und Heim und Armut — von jener Schönheit, die uns wieder Glauben gibt und unseren Herzen Trost. Israels benachbart ist Lesser Ury ein Raum gewidmet. Ein Moses den Sinai hinansteigend, mit der giutenden Bergspitze im Hintergrunde, aus einer orientalisch erregbaren Phantasie heraus erschaut, und daneben Landschaften von sensibler Farbenstimmung und einer suggestiven Elegie in der Mal Wirkung. Solomon und Bernstamm stellen Werke von meisterhafter Flottheit aus, durch die eigenartige Behandlung des Motivs fallen A. Nossig, M. Coschell, Jaques Hast, L. Gottlieb auf, und von Kraft und Talent zeugen die Arbeiten von Eugen Spiro, Käthe Münzer, Jules Benoit - Le vy , N. Altmann, L. Pasternak, Max Stern, Marie Henriques, Sandor Jaray, Benno Elkan, Josef Oppenheimer und noch mancher der jüngeren Kräfte. Die Ausstellung steht ja überhaupt im Zeichen der Jugend; wohl der grösste Teil der Aussteller besteht aus jungen Strebenden, und ein gut Stück der Kritik muss hier zur Prognostik werden. Kritik im üblichen Sinne ist überhaupt nicht das richtige Verfahren angesichts dieser Ausstellung, sondern unabhängig von Wertmassstäben nach dem zu torschen, was sich als gemein- » m'fc f! artigen dieser kein Nachteil, che Freude es gewährt, Künstler ALFRED XOSSIG. Ruine. ENTWURF. *) Ks sei hier bemerkt, dass man heute Gelegenheit hat,Pissaros für billiges Geld zu erstehen. Die Kunsthändler halten die Preise niedrig, um die Familie des Meisters auszuhungern und sie zu zwingen, ihnen die hinterlassenen Werke für einen Spottpreis zu überlassen. Wenn ihnen das gelingt, werden sie die Preise um das fünffache und zehnfache erhöhen.

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