Mannheim
Compact Memory

Ost und West · 1908-01-01 · Heft 1 (Januar 1908) · p. Seite 17 - 18

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Ost und West
Volume
8 (1908)
Issue
Heft 1 (Januar 1908)
Article
Zur Ausstellung jüdischer Künstler
Date
1908-01-01
Page
Seite 17 - 18 (sequence 1)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
95% known words query
IRI
…/2583875-2583967-2583969-2597643--07917-2597711
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

4 entity mentions

17 1.8 ZUR AUSSTELLUNG JUEDISCHER KUENSTLER.*) Von G. Klltlia. Nachdruck verboten. Mit geflissentlichem Eifer ist in den letzten Jahren die Frasre bespiochen worden, ob und in welchem Sinn und Mass es eine .nationale Kunst gebe. Auf der einen Seite wird es schlechtweg geleugnet, auf der anderen mit beharrlichem Nachdruck betont. Viel Persönliches und mancherlei Berechnung ist in die Diskussion eingedrungen, und die Erörterung bekam einen erregten, feindlichen Ton. Denen, die eine spezifisch nationale Kunst leugnen, wurde der Vorwurf gemacht, sie seien in ihrer Kunst oder ihrem Kunstideal von einer ausländischen Kultur abhängig oder haben zum mindesten nicht den Sinn für nationalen Geist, ihre Anschauung sei daher nur eine Rechtfertigung ihrer künstlerischen Erlebnisse. Den Verfechtern der nationalen Kunst wurde wieder entgegengehalten, sie haben nictt minder ein Interesse an ihrer Theorie und seien im übrigen keineswegs frei von fremden Einflüssen. Ein interessantes Beispiel ist hierfür Hans Thoma. Es wird der Welt mit Tiefsinn und Trompeten gekündet, er sei das Muster des Deutschtums in der Kunst. Und doch hat dieser kluge und bewusst schaffende Künstler neben seinen als naiv deutsch gerühmten Landschaften Werke hervorgebracht, die in solchem Masse von Franzosen beeinflusst sind, dass man von Entlehnung sprechen durfte. Auf jüdischer Seite geschahen ähnliche Dinge. Es wurden Leute, die fabrik massig ihre' akademische Geschicklichkeit verwerteten, als Meister jüdischer Kunst ausgerufen, nur weil sie jüdische Typen darstellten; und ein junger Zeichner von sehr massigem Talent, der *) Siehe Heft XII, 1907: „Ausstellung jüdischer Künstler" mit 28 Illustrationen nach den ausgestellten Kunstwerken von: Lesser Üry, Jozef Israels, Henry Levy, S. Hirszenberg, L. Pilichowski, L. Conrad, L. Pasternak, Sandor Jaray, 1\L Antokolski, C. Pissaro, Benno Becker, M. Minkowski, L. Krestin, Solomon J. Solomon, J. Kaufmann, S. Wagner, Jules Adler, Simeon Solomon, J.B. Le vy, M.G-o ttlieb, M Koschell Emanuel L. Frank, N. Sichel, Eugen Spiro. JOZEF ISRAELS. OELGEMAELDK. Mutter und Kind. JOZEF ISRAELS. Nach Haus. OELGEMAELDE. bei aller Welt Anleihen ganz bedenklicher Art macht, wurde auf dem Verein* wege zu einem Schöpfer dieser jüdischen Kunst gemacht. Der Wunsch war hier der Vater des Gedankens. Seit dem Erstehen des Zionismus entstand mit der Sehnsucht nach Neusrründung des jüdischen Volkstums die Sehnsucht nach einer jüdischen Kunst Bei der starken Betonung des Nationalen und dem gesteigerten Interesse für Kunst in unserer Zeit war dies eine natürliche Erscheinung. Dann kam die Skepsis. Es fand sich, dass die Kunst der bedeutenden Meister nicht ohne Einschränkung als jüdisch zu kennzeichnen war, dass man nur von einzelnen Noten und Einschlägen sprechen konnte; was sich aber direkt als jüdische Kunst offerierte, war

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.