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Ost und West · 1916-12-01 · Heft 12 (Dezember 1916) · p. Seite 449 - 450

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Journal
Ost und West
Volume
16 (1916)
Issue
Heft 12 (Dezember 1916)
Article
Von der Wohltätigkeit und den Wohltätern, von der Förderung und den Mäzenen
Date
1916-12-01
Page
Seite 449 - 450 (sequence 9)
Language
German
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449 Von der Wohltätigkeit und den Wohltätern, von der Förderung und den Mäzenen. 450 dafür die zeitgenössischen Künstler durch Ankäufe und Bestellungen zu immer neuen Aufgaben anspornen. Die alten Meister bedürfen keiner Hilfe und keines Spornes mehr. Ihre Werke sind da, und es ist für die Welt gleichgültig, wo sie sieb befinden. Das einzige, was man für sie tun könnte, wäre, sie durch gediegene aber billige Reproduktionen den weitesten Kreisen zugänglich zu machen, damit sie im Volke Freude an der Schönheit verbreiten und erzieherisch wirken. Allein die Sammler lassen sich beim Ankauf eines Kunstwerks von denselben Motiven leiten, wie bei der Wahl eines Schwiegersohnes. Sie werden verzehrt von der plebejischen Sehnsucht, sich mit der Aristokratie zu verschwägern. Sie suchen nach dem Sproß eines alten Geschlechtes, das im Gotha steht, mag er degeneriert, körperlich und geistig minderwertig sein, wenn nur sein Titel hochtrabend und sein Stammbaum alt ist. Vernünftiger und natürlicher wäre es freilich, einengutgewachsenen und wohlgeratenen Plebejer zu wählen, der das Zeug in sich hat, selber der Stammvater eines großen Geschlechtes zn werden, und eine neueAristokratie zu begründen. Manches junge Kunstwerk sagt, daß sein Schöpfer zu denen gehört, die den Adel von morgen ausmachen werden. Aber die alten Meister bilden die anerkannte, unangefochtene Aristokratie, ihre Namen stehen in den Handbüchern der Kunstgeschichte, sie prangen an den Wänden der weltberühmten Museen und der prunkvollsten Adelspaläste der Welt. Der Hermann Struck, Fischhändler Parvenü ist ein Demokrat, knicktaberinnerlichzusammen und erstirbt in Demut, wenn ein echter oder nachgemachter Aristokrat ihn mit einem Händedruck zu beehren geruht. Er fühlt sich erst vollwertig, wrenn er sich unter den Adel mischen darf. In Wiener Kreisen erzählt man sich folgendes Geschichtchen: Im Salon der Baronin Guttmann sprach einmal ein Graf von dem an einer Frau durch Köpfen vollzogenen Todesurteil. Die Baronin wurde blaß und unterbrach den Erzähler mit den Worten: „Um Gotteswillen, Graf, hören Sie auf! Im Hause eines Gehenkten darf man den Galgen nicht erwähnen/' Der Graf war ganz unglücklich und stammelte eine Entschuldigung, er verstehe nicht, was es bedeuten solle, er hätte keine Ahnung . . . „In unserer Familie ist es auch schon vorgekommen, daß eine Frau auf dem Schaffet ihr Leben aushauchte. Haben Sie nie von unserer Mizzi gehört?" belehrt ihn die Baronin. „Mizzi?" antwortet der Graf erstaunt. „Ich habe nie von ihr gehört!« „Na, von Mizzi Stuart werden Sie doch etwas gehört haben." Die Baronin hat nämlich einen! Schwieger-! söhn aus einem englischen Adelsgeschlecht, dessen Ahnherr der uneheliche (fitz) Sohn eines der Könige aus dem Hause Stuart war. Die Baronin darf also „unsere Mizzi" sagen und ist selig darüber. Wenn sie Bilder mitgroßen alten Namen an die Wände ihres Palastes hängt, glaubt sie, mein Lionardo da Vinci, mein Tizian, mein Van der Meer sagen zu können, mögen die Bilder nachgeahmt und häßlich sein. Die Besitzerin fühlt

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