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Ost und West · 1916-12-01 · Heft 12 (Dezember 1916) · p. Seite 447 - 448

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Journal
Ost und West
Volume
16 (1916)
Issue
Heft 12 (Dezember 1916)
Article
Von der Wohltätigkeit und den Wohltätern, von der Förderung und den Mäzenen
Date
1916-12-01
Page
Seite 447 - 448 (sequence 8)
Language
German
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447 Von der Wohltätigkeit und den Wohltätern, von der Förderung und den Mäzenen. 44S oder Maler sein künstlerisches Problem an einem Stoft aus dem jüdischen Leben oder der jüdischen Geschichte zu lösen versuchen wird. Hier müßte aber das Interesse des jüdischen Mäzens erst recht beginnen. Leider aber hat dieser weder am jüdischen Künstler, noch am jüdischen jStoff ein Interesse. Es gibt eine ganze Anzahl großer jüdischer Sammler, die bedeutende Galerien neuer und namentlich alter Kunst besitzen, aber man findet darunter weder einen jüdischen Künstlernamen, noch ein jüdisches Bild, es sei denn ein alttestamentliches von einem christlichen Maler. Solche jüdischen Sammler betrachten es als ihren höchsten und einzigen Lohn, daß einmal ein hoher Herr yhre Galerien mit seinem Besuch beehrt.- Ein hoher, sogar sehr hoher Herr, dessen Spezialität die Kunstförderung war, wurde infolge solcher Besuche ein warmer Freund der Juden, die er für äußerst nützliche Geschöpfe hielt: ,,Sie haben viel Geld ujd können es sich leisten, die Künstler in Nahrung zu setzen, sie nehmen den Christen die Last ab, wertvolle und große Galerien anzulegen, dabei sind sie uneigennützig, denn die Kunstwerke bleiben doch nicht bei den Juden; die Kinder der Sammler heiraten in adelige christliche Familien hinein, die Galerien kommen also in die richtigen Hände, oder aber sie gehen testamentarisch in den Besitz des Staates über." Als einmal in hohen und höchsten Kreisen ein besonders scharfer Wind gegen die Juden wehte, beschloß dieser hohe Herr, auf seinem eigensten Gebiet der Strömung entgegenzuwirken und beauftragte einen berühmten Kunsthistoriker mit der Abfassung einer Schrift über die Verdienste der Juden um die bildende Kunst. Der Gelehrte meldet sich zur Audienz und fing an, dem hohen Herrn seine Ansichten über einige hervorragende, jüdische Künstler vorzutragen. Der hohe Herr fiel aus den Wolken. „Ich hatte keine Ahnung, daß es Juden gibt, welche Bilder und Plastiken machen können. Ich wußte, daß die Juden solche Dinge gern kaufen, ich kenne;die bedeutendsten!Galerien, welche in ihrem Besitze sind, nie habe ich dort das Werk eines jüdischen Künstlers gesehen./' Die geplante Schrift ist denn auch nicht zustande gekommen—vermutlich, weil der Sinn des Fürsten nicht danach war. Man braucht sich nicht zu wundern, daß in den „hohen Regionen" die Ueberzeugung herrscht, die Juden seien geistig steril und minderwertig, und taugen höchstens dazu, mit ihrem Gelde die niedersten, gröbsten Funktionen der Kultur zu verrichten. Von allen jüdischen Künstlern hat der einzige Antokolski am Beginn seiner Laufbahn sich der Förderung seitens des Baron Josef Günzburg zu erfreuen gehabt. Und da ein großer Künstler selten so glücklich in der Wahl seiner Eltern war, wie Max Liebermann, so ist auch der Weg der weitaus meisten jüdischen Künstler sehr dornenvoll gewesen. Unter furchtbaren Opfern und Entbehrungen haben sie ihre Individualität durchgesetzt. Aber auch als sie schon auf der Höhe des Ruhmes standen, fanden sie in den Augen jüdischer Mäzene keinen Gefallen. Es gibt unter den Sammlern Böcklin-, Menzel-, Lenbach-, sogar Gabriel Max- und Deffreger- Spezialisten, aber keinem der jüdischen Kunstfreunde ist der Ehrgeiz gekommen, das Samjneln von Werken jüdischer Künstler zu seiner Spezialität zu machen, um der Welt eine zusammenhängende Anschauung von den Leistungen und dem Können der Juden aut diesem Gebiete zu ermöglichen. Dagegen befinden sich im Besitze jüdischer Sammler kostbare Schätze christlicher Kunst. Obgleich dadurch die Kunstwerke nur vor der Vernichtung oder der Auswanderung nach Amerika geschützt und somit dem Vaterlande erhalten worden sind, hat das schon oft den Verdruß hochstehender Christen geweckt, die darin merkwürdigerweise eine Art Profanation erblidken. Im Jahre 1904 schrieb der österreichische Thronfolger Erzherzog Franz Ferdinand d'Este an einen Pfarrer, der seiner Kirche eine schöne alte Altardecke zu erhalten gewußt, einen Dankbrief, in welchem er mit besonderem Nachdruck das Verdienst des Pfarrers hervorhob, das Kunstwerk davor gerettet zu haben, daß es in jüdische "Hände falle. Das Wort ließ er durch die Zeitungen bekanntmachen, denn es sollte wirken, es hatte eine Spitze gegen den Baron Rothschild in Wien, der eine Vorliebe für Werke altchristlicher Kunst hegt, und davon große Sammlungen besitzt. * * * Vor etwa 12 oder 13 Jahren waren in Wien einige Bilder jüdischer Maler ausgestellt, die mit zu den bedeutendsten Schöpfungen der jetzigen Malerei gehören, u. a. Lesser Urys Jeremias, ein Werk von erschütternder Macht und Größe, über das Kunstkritiker ganze Abhandlungen geschrieben, und da£ Dichter in Hymnen besungen haben, dann Hirszenbergs Ewiger Jude und Golus. Sie erweckten große Bewunderung, das Publikum kam in Strömen herbei, sie zu besehen., Aber sie blieben unverkauft. Um dieselbe Zeit las man in den Zeitungen, daß der Baron Guttmann 304 000 Mark für einen neu entdeckten „echten'' Van Dyck gezahlt, und der Baron Rothschild einen neu entdeckten (ebenso echten) Remforandt für eine halbe Million Mark erstanden hatte. Diese Vorliebe der jüdischen Mäzene für die alten Niederländer, aber auch für die großen Italiener des 15. und 16. Jahrhunderts ist bemerkenswert. Sie existierte natürlich von jeher und bei allen Sammlern, aber zu einer wahren Leidenschaft wurde sie erst in den neuesten Jahrzehnten durch die amerikanischen Milliardäre angefacht. Diese haben mit ihrem glühenden Atemhauch die großen alten Meister zu neuem Leben erweckt — im wahren Sinne des Wortes. Nie hat einer dieser genialen und so erstaunlich fruchtbaren Künstler bei Lebzeiten soviel produziert wie im dritten oder vierten Jahrhundert nach seinem Tode. Und wenn sie einmal von den Toten auferstehen und durch die amerikanischen und europäischen Galerien wandein werden, deren Stolz und Zierde ihre posthumen Werke bilden, werden sie verwunderte Augen machen. Das Entdecken von neuen Tizians, Tintorettos, Rembrandts, Van Dycks usw. hat sich zu einem besonderen Beruf herausgebildet. Eine spätere Zeit wird mit all dem abrechnen und über die Sammler und deren Berater strenges Gericht halten. Was sie aber unbegreiflich finden wird, ist, daß so viele dieser angeblichen Meisterwerke aus der Vergangenheit von einer erschreckenden Banalität oder gar Häßlichkeit sind. Und das wirft nicht nur auf den Geschmack, sondern auch auf die Triebfedern der Sammler ein seltsames Licht. Wäre es ihnen in Wahrheit um die Förderung echter Kunst und Mehrung des> menschheitlichen Besitzes an Schönheit zu tun, so würden sie die Werke der alten Meister — die echten wie die unechten, die schönen wie die banalen — liegen und hängen lassen, wo sie sind und

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