Ost und West
- Journal
- Ost und West
- Volume
- 16 (1916)
- Issue
- Heft 12 (Dezember 1916)
- Article
- Von der Wohltätigkeit und den Wohltätern, von der Förderung und den Mäzenen
- Date
- 1916-12-01
- Page
- Seite 441 - 442 (sequence 5)
- Language
- German
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441 Von der Wohltätigkeit und den Wohltätern, von dei Förderung und den Mäzenen. 442 jene innere Ruhe gewährt, die kontemplative Naturen so nötig haben, um alles, was in ihnen wogt und gährt zur Ausgeglichenheit und Reife zu bringen. Der Jude sieht sich sofort genötigt, den Kampf ums Dasein autzunehmen, zu dem Schule und Universität ihn so wenig als möglich vorbereitet haben. Er ist gezwungen, sich in einer Tätigkeit, die seiner innersten Natur und seiner tiefsten Sehnsucht zuwiderläuft, aufzureiben. Viele versinken in den Journalismus, der ihnen eine gewisse geistige Unabhängigkeit und eine befriedigende Wirksamkeit vortäuscht. Das betrachten sie als Provisorium, um sich nur über Wasser zu halten, bis die große Stunde geschlagen hat, da sie alles, was heimlich in ihnen schlummert, aus sich würden herausholen können. Aber die große Stunde rückt immer ferner, inzwischen welken ihre besten Kräfte in einem öden Beruf dahin, zuweilen kommen Krankheit und Not und vollenden das Werk der Zerstörung, bis schließlich die Opfer ganz zermürbt sind und endgültig versumpfen. Je reicher und feiner eine Begabung ist, desto rascher und gründlicher geht sie zugrunde. Das gilt von künstlerischen, wie von philosophischen und wissenschaftlichen Begabungen in gleichem Maße. Man kann ruhig sagen, daß in keiner Gesellschaft Europas so viel echtes und edles Talent aus Mangel an Pflege verkümmert und zugrunde geht, wie unter den Juden. Das ist der Grund, weswegen die Knaben, die im Gymnasium einen so schönen Anlauf genommen haben, im späteren Leben „Durchschnittsintelligenzen" geworden sind oder aber als Trümmer am Wegrande liegen blieben. Treitschke oder Lagarde hat es dann leicht, den Nachweis zu führen, daß die Juden nur Dutezndbegabungen, aber keine Talente ersten Ranges hervorzubringen vermögen, oder daß es ihnen an sittlicher Kraft gebreche, ein ganzes, harmonisch vollendetes Werk zu schaffen, ,was das Kennzeichen edler Rasse sei. Häufig hört man sagen: ein echtes Talent wird sich schon allein, ohne fremde Hilfe, im Kampfe durchsetzen und sich seinen Weg bahnen. Allein das gilt nur vom. geistigen Kampf gegen intellektuelle und psychische Hindernisse. Wenn aber ein zum großen Künstler Geborener gezwungen ist, seine besten Werdejahre hindurch als Hungerkünstler zu wirken, wenn ein großes wissenschaftliches Talent sich jahrelang mit Abschreiberarbeit oder Stundengeben den ganzen Tag abrackern muß, um ein noch dazu unsicheres Stück trockenen Brotes zu erwerben, so werden sie nie dazu gelangen, ihr großes Werk hervorzubringen, das man von ihnen erwarten durfte. Hier hätte der Privatmann als Mäzen Gelegenheit, einzugreifen, häufig würde ein lächerlich geringer Betrag von einigen tausend Mark hinreichen, umi ein herrliches Talent vor dem Untergang zu bewahren, dessen Wert sich in keiner Geldsumme ausdrücken läßt. Es kommt nicht darauf an, daß titelgeschmückte Juden als Professoren oder Geheimräte in der Welt herumlaufen, sondern darauf kommt es an, daß die echten, schöpferischen Kräfte, die im jüdischen Volke schlurn'mern, nicht ungenützt veröden, sondern aus der Tiefe hervorgeholt werden und zur vollen Entfaltung gedeihen; und darauf kommt es lan, daß wir Juden allenthalben an dem Kulturfortschritt der Menschheit in Kunst und Wissenschaft auf allen Gebieten nach dem