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Ost und West · 1916-10-01 · Heft 10-11 (Oktober-November 1916) · p. Seite 417 - 418

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Journal
Ost und West
Volume
16 (1916)
Issue
Heft 10-11 (Oktober-November 1916)
Article
Die jüdischen Farmer Argentiniens während des Krieges
Date
1916-10-01
Page
Seite 417 - 418 (sequence 5)
Language
German
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417 Die jüdischen Farmer Argentiniens während des Krieges. 418 Tiefe holt und so die Farm für das Getreide wieder anbaufähig hinterläßt. Derart ist das Problem der Wechselwirtschaft hier gelöst, und man betreibt nicht mehr Raubbau. Die letzten Jahre waren allerdings in Mauricio zu naß, so daß sowohl die Luzernewie die Weizen-, Hafer- und Maisernten verregneten. Die allgemeine Lage ist daner nicht glänzend, aber immerhin viel besser als in den mesopotamischen und chacenischen Kolonien. Wir kommen jetzt zu den Siedlungen der Innen-Pampas „Pampas de pasto durotk .(^„Steppen des harten Grases"). Sie bilden einen Uebergang der guten Steppe zu der Dornwaldzone, was sich dadurch charakterisiert, daß bereits kleinere Dornwälder oder Buschpartien vorkommen und das Klima für Ackerbau schon sehr trocken ist. Ungefähr sechzig Prozent des Bodens eignen sich zum Körnerbau, hier Weizen, Hafer und seit neuester Zeit auch etwas Gerste und Roggen, besitzen aber in geringer Tiefe einen harten Kalkstein, der das Gedeihen der Luzerne unmöglich macht, das von Bäumen sehr erschwert. Dreißig Prozent des Bodens sind Salzlagunen oder unbrauchbare Salzbrüche, zehn Prozent Sanddünen. Auf letzteren wächst die Luzerne, wenn auch nicht so üppig wie in anderen Gegenden; hier hat man vieljüdischer Farmer mit jüdischen Knechten hei der Erntearbeit hier im Laufe der Zeit gerade die nötige Wassermenge. Die Saaten entwickelten 'sich gut, und wenn ein Spätfrost und ein Wirbelwind auch manche Hoffnungen knickte, so gab es doch im Durchschnitt eine gute Mittelernte, [die im Verein mit den hohen durch den Krieg verursachten Getreidepreisen für viele Farmer ein sehr befriedigendes pekuniäres Resultat ergab. Dies ..ersieht man am besten daraus, idass die ,550 Farmer von Baron Hirsch und N. Leven der Kolonisationsgesellschaft in einem Jahr ein und eine viertel Million Mark1 versprechende Versuche von Weinbau mit künst- und außerdem ihren Genossenschaften eine halbe licher Bewässerung gemacht. Dasi natürliche Futter ist sehr minderwertig (und da die Winter so kalt sind;, .daß man das Vieh teilweise künstlich ernähren muß, so ist die Viehzucht weniger nutzbringend als weiter im Norden, wenn auch, immer Million Mark Schulden zahlten. fPie an andere Gläubiger entrichteten Summen entziehen sjch der Berechnung, waren aber auch ^bedeutend. Trotzdem haben eine Anzahl Kolonisten noch Geld zum Anschaffen einiger Kühe und zur Erneuerung des noch lohnend. Der Hauptvorzug dieser Gegend, der landwirtschaftlichen Inventars behalten. Auch sind größtenteüs pthre schnelle Besiedeking im letzten Jahrzehnt erklärt, ist idie geringe Heuschreckengefahr Und die Nähe . eines guten Exporthafens namens Bahia Bianca. In diesen Innenpampas gibt es zwei geschlossene jüdische Kolonien „Baron Hirsch4' (250 Farmer) und „Narcis.se Leven" (300 Farmer), daz'u kommen, gemischt 'mit anderen Bauern, 280 jüdische Pächter oder Besitzer in M'edanos und 100 in Villa Alba. Politisch gehören als Windbrecher viele tausende von Gehölzen (hier Akazien, Tamaiisken, Cypressen) sowie Obstbäume und Wein gepflanzt worden. Die Aussaat ist unter normalen Verhältnissen vor sich gegangen, allerdings wartet man jetzt wieder sehnsüchtig auf Regen. Ziehen wir nun das Fazit unserer Ausführungen, so findet man in der Mesopotamien-Zone 1100 jüdische Farmer, in der Chaco-Zone 800, fast alle diese Bauern zum Territorium der Pampa in der Dornwaldzone 140, in den Außen-Parnpas Central, der Rest zum äußersten Westen der Provinz Buenos Aires. In den Jahren 1909 bis 1913 haben diese Farmer teils durch <;die Dürre, teils durch heiße Winde, teils durch Spätfröste fast nichts geerntet, 'und da Viehzucht wegen Kapitalmangels so gut wie gar 'nicht existierte, so war die Lage sehr ungünstig und die Kolonisten mit Schulden überladen. Allerdings hat die (argentinische Regierung zweimal, 1911 und 1914, durch große Dar- 240, in den Innen-Pampas 930. Das sind im ganzen 3210 Kolonisten, und da es in Argentinien ungefähr hunderttausend kleine landwirtschaftliche Betriebe gibt, so macht diese Zahl 3,20% aller Farmer aus. Da aber nur 20 000 von ihnen Besitzer — alle anderen Pächter — sind, so ändert sich das Bild, wenn wir die jüdischen Bauern von diesem Standpunkt aus betrachten. Nicht mehr als ihrer 400 pachteten das Land, alle übrigen haben lehen von Saatgut den;jüdischen Landwirten wie Verkaufskontrakte und zahlen sogenannte Anuiihren Nachbarn unter die Arme gegriffen. Als nun der Weltkrieg ausbrach und nicht nur dem Einzelnen, sondern auch den landwirtschaftlichen Genossenschaften jeder Kredit plötzlich abgeschnitten wurde, war die Situation besonders kritisch. Es fehlte vielfach direkt an Nahrungsmitteln, so daß die Getäten, soweit sie noch nicht ihre ganze Schuld abgetragen haben. Sie bilden also 13,5 o/o der Kleingrundbesitzer der La Plata-Republik. Alle geschlossenen Kolonien sind von der Jüdischen Kolonisationsgesellschaft gegründet, welche die Rechtsnachfolgerin des Baron Hirsch ist. Viernossenschaft Roggen mit Kleie [ zusammen verzig Farmer erhielten ihr Land von der Regierung, mahlen ließ, tim sie den Mitgliedern abzugeben. 380 von Privatpersonen oder Gesellschaften. Dem Der Verfasser kennt auch mehrere Fälle, wo Ursprung nach stammen 99°/o der Kolonisten aus jüdische Kolonisten ihre Stuten schlachteten, um Rußland; eine Anzahl von ihnen hat das argenihrer Familie etwas zti essen zu geben. Aber der tinische Bürgerrecht erworben, ihre im Lande ge- Ueberfluß des Regens in anderen Gebieten brachte borenen Kinder besitzen es eo ipso.

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