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Ost und West · 1916-10-01 · Heft 10-11 (Oktober-November 1916) · p. Seite 371 - 372

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Journal
Ost und West
Volume
16 (1916)
Issue
Heft 10-11 (Oktober-November 1916)
Article
Rumänien und seine Juden
Date
1916-10-01
Page
Seite 371 - 372 (sequence 3)
Language
German
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371 Rumänien und seine Juden. 372 Ethik, in Wirtschaft und Umgangsformen, sowie in der persönlichen Charakterbildung des Einzelmenschen. Interessant sind die Entdeckungen, die seit der Kriegserklärung an dem äußeren Aussehen des Landes und seiner Bewohner gemacht werden, obgleich sich dieses in der kurzen Zeit schwerlich verändert haben kann. Das rumänische Stadtbild bietet den Anblick eines Abgrundes zwischen verkommender Armut und protzender Ueppigkeit; aufdringlich koketter Prunk der Paläste und daneben verschrumpfte, zerfallende Hütten. In den Palästen aber eine Zerfahrenheit und eine Wirrnis des Stils, ein richtiger Architekt urjargon, nirgends ein Maß, nirgends ein Blick für Nuance. Alles Französische wird nachgeahmt, aber die Farben ins Knallige vergröbert, die Formen ins Dummdreiste ausgeartet. Die Gesichter der Damen sind grob mit Schminke verpatzt, die Frauen machen den Eindruck, überreich an Parfüm auszugeben, was sie an Seife sparen. Nicht besser ist es um die Wohnungen bestellt. An den lackierten Paradeeingang und an pompöse Empfangszimmer schließen sich oft schmutz starrende, mit Gerümpel ausgestattete Wirtschaftsräume und der hoffnungslos verdreckte hintere Ausgang an. In Gasthäusern findet man Spiegelscheiben und französische Küche — rückwärts aber bezeugt das Fehlen der primitivsten Hygiene, daß noch ganz hinterwäldlerische oder vielmehr asiatische Bedürfnislosigkeit herrscht. Was die politische und soziale Struktur Rumäniens anbetrifft, so steckt es halb im Mittelalter infolge der tatsächlichen Grundhörigkeit der Volksmassen, während eine in haltlose Dekadenz umgebogene Ueberfeinerung die oberen Stände mit allen Uebeln verstiegener Modernität durchseucht und eine demokratische Verfassung dem kapitalistisch verbildeten Feudalwesen ein Mäntelchen nach neuestem Zuschnitt umhängt. Die Rumänen bekamen Gesetze, mit denen sie nichts anzufangen wußten, eine Verfassung, für die sie heute noch nicht reif sind. Das Bauernvolk blieb stumpf und unwissend und politisch gleichgültig. Bojarenkliquen haben sich zum Spielzeug einen Pseudoparlamentarismus hergerichtet. Eine dünne Oberschicht von Bojaren, Advokaten, Literaten, das sind die politischen Machthaber Rumäniens, wie zur Zeit Cusas, so auch in' der Gegenwart. Ein mit besonderem Fleiß bearbeitetes, ausgiebiges Kapitel bildet die Bestechlichkeit und Verkäuflichkeit aller Klassen de? rumänischen Bevölkerung. Ein seit Jahren in Deutschland im Ruhestand lebender ehemaliger Gymnasialprofessor, der lange in Rumänien wirkte, erzählt, daß dort die Väter für ihre Sprößlinge sogar günstige Schulzeugnisse zu erkaufen pflegen. Es wird ferner auf einmal bekannt, daß der gegenwärtige Kriegsminister Bratianu, der Finanzminister Costinescu, ferner der berühmte Take Jonescu Millionen und Millionen an Provisionen bei der Vergebung öffentlicher Bauten und dgl. „verdient" haben. Von den kleineren Politikern und sonstigen Vorkämpfern ganz zu schweigen. Von den Bestechungsgeldern, die die Würdenträger, Beamten und Politiker in den letzten zwei Jahren bekommen haben, wird man erst in einem späteren Zeitpunkt erfahren. Ein berühmter Geschichtsschreiber und Politiker kommt in Anbetracht der reichen Naturschätze und Verkehrsadern dieses Landes zu dem Schluß: „Rumänien wäre ein wunderschönes Land, wenn nur die Rumänen nicht wären/* Ist es nicht erstaunlich, daß man das alles' vor der Kriegserklärung gar nicht merkte? Daß man gerade das Gegenteil von alledem hörte, so oft Rumänien in den letzten dreißig Jahren Anleihen in Deutschland aufnahm, die schließlich die Gesamthphe von drei Milliarden erreicht haben? Will man wissen, wie die Urteile gelautet haben würden, wenn die Erben Kaiser Trajans und König Carols sich auf unsere Seite gestellt hätten, so braucht man nur die Stimmen der italienischen Presse zu hören. Es seien hier die Urteile einiger führender Blätter (Popolo Romano, Giornale d'Italia, Corriere della Sera, Resto del Carlino) vor und nach der Kriegserklärung angeführt. Vor der Kriegserklärung (Mitte Juli) hieß es: Wenn die Rumänen wirklich, wie sie sich rühmen, vom rumänischen Stamme wären, müßten wir uns tausendmal schämen, solche Gaukler und käufliche Lumpe zu Vettern zu haben. Diese Bastarde und Getreideschacherer an der Mündung der Donau haben vom Römischen nur den Namen und die Sprache. Den Namen könnte man ihnen wieder nehmen und sie so benennen, wie dies bis vor wenigen Jahrzehnten der Fall war: „Moldauer und Walachen". Ihre Sprache ist eine so unglückselige, lächerliche Entstellung der lateinischen Wurzeln, daß selbst das Portugiesische im Vergleiche damit ein wohltönendes, reines Idiom ist. Von den paar tausend Kolonisten, die um die Wende des 2. Jahrhunderts n. Chr. aus Italien nach Dazien kamen, ist dort hoffentlich nichts mehr übrig. Das rumänische Volk ist ein Mischmasch von barbarischen Daziern, die unter römischer Herrschaft Lateinisch zu lernen gezwungen waren, von Slawen und Zigeunern. Nimmt man noch ihre griechisch-schismatisch-russischorthodoxe Religion und die teutonische Dynastie hinzu, so kann uns Rumänien gestohlen werden. Auf ein Bündnis mit diesem Volk, dessen Politiker käufliche Strolche sind, können wir getrost verzichten. Der einzige Verbündete, den die Rumänen, dieses Zigeunervolk, kennen, ist das Geld, und das muß gelb sein. Rumänien ist weder unsere ältere noch unsere jüngere Schwester, höchstens eine illegitime Halbschwester, die ein ferner Ahnherr einst im Kriegslager fern von der Heimat mit einer Barbarensklavin zeugte." „Man höre doch endlich1 auf, die Rumänen unsere Halbschwester zu nennen. Sie sind keine Romanen, wenngleich sie sich diesen edlen Namen anmaßen. Sie sind ein Gemisch von barbarischen Urvölkern, die von den Römern unterjocht wurden, mit Slaven, Petschenegen, Chasaren, Avaren, Tataren, Mongolen, Hunnen, Türken Umd Griechen. Und da kann man sich leicht ausdenken, was für ein Lumpenpack dabei herauskam. Der Rumäne ist heute ein Barbar und ein minderwertiges Individuum, das nur zum allgemeinen Gespött der Franzosen die Pariser nachahmt, und gern im Trüben fischt, wo keine IGefahr ist. Dieser geht er möglichst aus dem iWege. Das hat sich im Jahre 1913 gezeigt.'1' Es ist kein Wunder, dass die Rumänen durch alle diese Liebenswürdigkeiten sich .bewogen fühlten, endlich der Entente Heeresfolge \zu leisten. Der Lohn ließ nicht lange auf sidi warten. Der „Popolo d'Italia" brachte am Tage nach der Kriegserklärung folgende Charakteristik Rumäniens: „Die

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