Ost und West
- Journal
- Ost und West
- Volume
- 16 (1916)
- Issue
- Heft 6-7 (Juni-Juli 1916)
- Article
- Aus dem Reiche der Mystik und Magie
- Date
- 1916-06-01
- Page
- Seite 269 - 270 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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269 Aus dem Reiche der Mystik und Magie. 270 Abb. 7. Marsamulett der Wiener Münzen* Abb. 8. Sonnenamulett der Wiener Münzen* und Medaillensammlung und Medaillensammlung Zählenquadrate (Abb. 8 und 9), wenn auch unter sich verschieden, darin überein, daß sie in 6X6 Feldern alle Zahlen von 1 bis 36 enthalten und in allen Zeilen, Spalten und Diagonalen stets dieselbe Summe 111 ergeben. Ein literales Aequivalent dieser Zahl 111 ist das Wort hsP2* .(Nakiel), das daher die „Intelligenz der Sonne" bedeutet und das wir deshalb auf Abb. 9 finden: Zunächst auf der Bildseite in der Form „Nachiel", und sodann soll das schlecht geschriebene hebräische Wort am rechten Rande der Zahlenseite offenbar auch nichts anderes als „Nakiel" bedeuten. Wie 4, 16, 34, 136 die 4 Jupiterzahlen waren, so sind die 4 Sonnenzahlen offenbar 6, 36, 111, 666, und, während die Zahl III auf Abb. 9 bereits durch das hebräische „Nakiel" dargestellt ist, werden die Zahlten 6 und 36 durch die hebräischen Zeichen des linken Randes repräsentiert, die nämlich in 3 Abschnitten so zu lesen sind: nStf «n V (ein lamed ist auf dem Amulett überzählig), wovon die beiden ersten Teile, der Buchstabe l und das Wort „he", die von Agrippa für diesen Zweck angegebenen Repräsentanten der Sonnenzahl 6 sind, während das letzte Wort, ,,Eloh", gleichfalls nach Agrippas Vorschrift, die Zahl 36 darstellt. Die Bildseite der Abb. 9 stellt den Sonnengott auf einem von 4 Pferden — Anspielung auf die 4 Jahreszeiten! — gezogenen Wagen, und zwar im Zusammentreffen mit Jupiter dar, der durch den Thron und den freilich nicht übermäßig „königlich" aussehenden Adler angedeutet ist. Offenbar soll hierdurch zum Ausdruck gebracht werden, daß das Sonnenamulett verfertigt wurde zur Zeit einer Konjunktion der Sonne mit dem Jupiter und daß es diesem Umstände ganz besonders wirksame Kräfte verdankte, wie ja die Astrologen solchen Konjunktionen von zwei oder mehreren „Planeten" stets besondere Bedeutung im guten wie im bösen Sinne beilegten. Hatten sie doch, Um «in berühmtes und krasses Beispiel zu erwähnen, für den 20.Februar 1524, dafür diesen Tag eine Konjunktion der 3 oberen Planeten Saturn, Jupiter und Mars im Sternbilde der „Fische" bevorstand, eine Sintflut prophezeit, mit der Wirkung, daß eine allgemeine Panik entstand und in Toulouse z. B. eine Arche gebaut wur- Abb. 10. Venusamulett der Wiener Münzens und' Medaillensammlung de, während viele Menschen auf die Berge flüchteten und dem Kaiser Karl V. geraten wurde, seine Armeen rechtzeitig in Gebirgsgegenden zu verlegen und dort Magazine zu errichten. — Wenn unsere Abb. 9 auch nur die Reproduktion eines Kircherschen Bildes ist, so hat doch Kircher seinerzeit das Amulett selbst, das heute wohl schwerlich noch existiert, in Händen gehabt; ein Fürst hatte es ihm zur Interpretation zugesandt. Es war aus Gold. Natürlich; denn für jeden Planeten gehörte sich das ihm geweihte Metall. Sonne, Gold und gelbe Farbe gehörten aber unbedingt zusammen, und in gelbes Seidenzeug mußte daher denn auch ein solches Sonnenamulett, das sein Besitzer bei sich tragen wollte, eingewickelt sein, wozu' ein ungläubiger Autor des 18. Jahrhunderts die boshafte Bemerkung macht, daß man das Amulett gewiß auch nur mit gelben Handschuhen anfassen und nur durch gelbe Brillengläser betrachten dürfe. Athanasius Kircher nimmt nun, offenbar veranlaßt durch die hebräischen Worte und Zahlen, als selbstverständlich an, daß unser Amulett jüdischen Ursprungs ist, und doch ist diese Annahme, wie wir bereits wissen, recht voreilig und leichtfertig, wie. ja Kircher überhaupt bekanntlich nichts weniger als kritisch und gründlich war. Unser Stück ist ein kunstgerechtes Sonnenamulett und entspricht durchaus den Vorschriften Agrippas, bei dem alle diese hebräis'chen Bestandteile zu finden sind. Wohl mögen die Juden älterer Zeiten verwandte Amulette verfertigt und gebraucht haben, doch schwerlich entsprachen diese, wie schon gesagt wurde, den strengen Vorschriften Agrippas. Der einzige mir bekannt gewordene Fall, der hier in Betracht käme' und dessen wir übrigens schon oben Erwähnung taten, ist der folgende: Wilhelm Raimund Moncada, ein getaufter sizilianischer Jude, der nach Moritz Steinschneider um 1480 lebte, fand ein Amulett seines Vaters, des Rabbi Nissim Abu'l Faradsch, des Spaniers, und spricht hiervon in der Vorrede seines Buches Ali al Haytin. Der Vater, so sagt er, sei der magischen und kabbalistischen Kunst ergeben gewesen und habe von eigener Hand eine goldene Platte hergestellt, in die er auf der einen Seite ein