Ost und West
- Journal
- Ost und West
- Volume
- 16 (1916)
- Issue
- Heft 6-7 (Juni-Juli 1916)
- Article
- Aus dem Reiche der Mystik und Magie
- Date
- 1916-06-01
- Page
- Seite 263 - 264 (sequence 3)
- Language
- German
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263 Aus dem Reiche der Mystik und Magie. 264 wird dies magische Quadrat daher wohl genannt. Daß dies Zahlengebilde, das in 8 verschiedenen Reihen — 3 Zeilen, 3 Spalten, 2 Diagonalen — immer nur dieselbe Summe 15 ergibt, gerade auf abergläubische Juden einen besonderen Zauber ausüben mußte, liegt auf der Hand; ist doch diese sich stets erneuernde Zahl 15 zugleich der Zahlenwert der Buchstaben ,T, also des abgekürzten Tetragramms, und zu solcher exegetischen Zahlenmystik lud doch das Hebräische mit seinen zugleich Buchstaben und Zahlen bedeutenden Zeichen geradezu ein, so daß dergleichen Zahlenspielerei schon frühzeitig aufgetreten ist, lange bevor die spätere Kabbala diese Spielerei zu einem förmlichen Prinzip erhob. Kein Wunder also, daß das magische Quadrat der 9 Felder bei den Juden für heilig galt und es von vielen als Amulett getragen wurde, wobei es zur Vertreibung aller Uebel, vornehmlich der bösen Einflüsse des Saturn, dienen sollte. Wenn auch das Vorkommen in Salomos Siegelring ins Reich der Legende gehört, so läßt sich doch aus einer, wenn auch um 2000 Jahre späteren, aber immerhin noch recht frühen Zeit ein magisches Quadrat bei den Juden nachweisen: Abraham ibn Esra (gest. 1167) gibt in seinem Buche ha-Schem, dem Buche vom Gottesnamen, unser magisches Quadrat der 9 Felder, sogar in 2 Formen, an. Es hat daher auch nicht das geringste Bedenken, unser Amulett Abb. 1 für ein jüdisches zu halten; jedenfalls kann es ein solches sehr wohl sein. Ein astrologisches Amulett im Sinne Agrippas und seiner Nachfolger, ein eigentliches Saturnamulett also — denn diese planetarische Kategorie allein käme ja bei dem Quadrat der 3><3 Zellen in Frage — ist es schwerlich. Es fehlt dem Amulett jeder Hinweis auf Saturn, den es gewiß erhalten hätte, wenn es als ein Saturnamulett im Sinne Agrippas gedacht wäre. Ein ausgeprägtes Saturnamulett mit hebräischem Zahlenquadrat in der Art, wie wir sogleich Amulette der übrigen Planetengötter kennen lernen werden, ist mir überhaupt weder bei einer auf alle größeren Münzkabinette Europas erstreckten Enquete noch in der Literatur vorgekommen, wobei die Bemerkung gestattet sei, daß Saturnamulette überhaupt recht selten sind, eine Erscheinung, die wohl mit der ganzen Stellung zusammenhängt, die der Saturn, dieser kalte, verderbenbringende, gefürchtete Planet, in der Astrologie einnahm. Wenn nun auch das Amulett Abb. 1 recht wohl ein jüdisches sein mag, so wäre es doch sehr voreilig, schlechtweg jedes hebräische Amulett für ein jüdisches erklären zu wollen. Gewiß mögen die Juden schon in alten Zeiten Amulette der verschiedensten Arten und unter ihnen, wie schon gesagt wurde, auch solche mit einfachen magischen Quadraten, wenigstens mit dem 9-Felder-Quadrat, angefertigt und gebraucht haben. Gewiß auch haben in späterer Zeit die Juden als Gemmenschneider und Amulettverfertiger großen Ruf genossen und gewiß mögen daher manche hebräische und andere Amulette aus ihren Händen hervorgegangen sein. Aber ebenso gewiß ist auch, daß die hebräische Sprache allgemein von den Adepten und Priestern der okkulten Wissenschaften sehr geschätzt wurde. War sie doch eine heilige Sprache und galt sie doch deshalb den Magiern als besonders geeignet, um in ihr zu den überirdischen Gewalten zu sprechen Die Nebenwirkung, daß die unbekannte Sprache beim großen Haufen das magische Ansehen dieser Geheimmittel nur noch erhöhen konnte, war gleichfalls nicht zu verachten. Schließlich auch waren die Priester des Aberglaubens in der Ausübung ihrer geheimen Künste beständig von Verboten und Strafen der kirchlichen und weltlichen Obrigkeiten bedroht, und um diesen solche Amulette genehmer zu machen und sich selbst gegen den Vorwurf heidnischen Aberglaubens zu schützen, gaben sie dem Ganzen mit Vorliebe einen kirchlich-theologischen Firniß durch Hinzufügung von allerlei Gottesnamen (Elohim, Adonai, Jehovausw.) oder von Namen von Engeln (Michael, Raphael usw.) und gebrauchten für diese Dinge dann gern die hebräische Sprache. So zeigt denn auch Agrippa von Nettesheim eine besondere Vorliebe für das Hebräische und gibt an vielen Stellen seines Werkes seine Vorschriften auch in hebräischen Zeichen. — Daß die Juden in der voragrippinischen Zeit, im 15. Jahrhundert also, das System der Planetensiegel, wie wir es bei Agrippa finden, noch nicht besaßen und überhaupt mit den größeren magischen Quadraten wohl noch unbekannt waren, erfährt eine gewisse Bestätigung durch eine Stelle aus einem Werke des Raimund Wilhelm Moncada, auf die wir wreiter unten, am geeigneten Platze, genauer eingehen werden. Während ich ein Saturnamulett mit hebräischem magischem Quadrat, wie gesagt, nicht beizubringen vermag, werden wir jetzt ausgeprägte Jupiter-, Mars-, Sonnen-, Venus-, Merkur- und Mondamulette mit hebräischen Zahlenquadraten oder doch mit einzelnen hebräischen Namen kennen lernen. Die Amulette der Abb. 2—5 zunächst enthalten sämtlich ausdrückliche und mehrfache Hinweise auf Jupiter als den Gott, in dessen Dienst sie stehen, mit dessen Kräften sie begabt sein sollten. Das nicht mehr gut lesbare hebräische Wort auf Abb. 2 heißt ,,Johphiel", ein Name, der den Kabbaiisten aus einem sogleich zu erkennenden Grunde die „Intelligenz Jupiters" bedeutete, während der unter dem Worte stehende Schnörkel oder Linienzug, bei Agrippa genau ebenso angegeben, ,,das Zeichen der Intelligenz Jupiters" ist. Auf den Abbildungen 3—5 ferner sehen wir den Planetengott Jupiter selbst vor uns, auf Abb. 3 mit dem Jupiterstern zu seinen Häupten, der Gott selbst in beliebter Manier als Gelehrter mit dem Buch in der Hand dargestellt; das hebräische Wort daneben soll offenbar wieder unser ,,Johphiel" sein. Abb. 4 zeigt den Jupiter mit einem Bündel Blitzen in der Rechten und einem Szepter in der Linken; neben seinem Thron ein Adler. Der Blitz, die gewaltigste Naturkraft, und der Adler, der königliche Vogel, waren nach antiker Anschauung Attribute des Obersten der Götter. Das Zeichen % (rechts) ist sozusagen die Namenskarte Jupiters; es ist das alte Zeichen des Jupiter, das in der Astronomie auch heute noch als Zeichen des Planeten Jupiter allgemein in Gebrauch ist. k Satquiel (links) oder Zadkiel, auch Sachiel, ist der Engel des Jupiter oder des Jupitertages, d. h. des Donnerstags (jeudi — Jovis dies; Donner, Donar ist der germanische Jupiter, daher ,,Donnerstag"). Die Figur zu Häupten des Jupiter endlich soll das Sternbild,des Bogenschützen vorstellen; nach einer seltsamen Doktrin, die schon die alte Astrologie ausgebildet hatte, besaßen nämlich die Planeten resp. die Planetengötter im Tierkreise ihre' be-