Ost und West
- Journal
- Ost und West
- Volume
- 16 (1916)
- Issue
- Heft 6-7 (Juni-Juli 1916)
- Article
- Aus dem Reiche der Mystik und Magie
- Date
- 1916-06-01
- Page
- Seite 261 - 262 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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261 Aus dem Reiche der Mystik und Magie. 262 Abb. 3. Jupiteramulett der Wiener Münzen« und Medaillensammlung Zeilen. Aber auch jede der drei lotrechten Reihen oder „Spalten" liefert dieselbe Summe 15, z. B. 4 + 3 + 8, und schließlich gilt dies auch für jede der beiden Diagonalen (4 + 5 + 6 und 2 + 5 + 8). Man nennt eine solche Zahlenanordnung, die in allen Zeilen, allen Spalten, wie auch den beiden Diagonalen dieselbe Zahlensumme aufweist, ein ,,magisches'1 Quadrat. — Ebenso, wie aus den Zahlen 1 bis 9, läßt sich nun ein magisches Quadrat auch aus den Zahlen 1 bis 16, angeordnet in 4+4 Feldern, bilden; Figur 2 gibt ein solches Beispiel: Das Quadrat enthält alle Zahlen von 1 bis 16, und zwar ist die Anordmxug so getroffen, daß jede der 4 Zeilen die Summe 34 ergibt (z. B. 9+7 + 6+12), ebenso aber auch jede der 4 Spalten (z. B. 15 + 6 + 10-K3), und schließlich auch jede der beiden Diagonalen (z. B. 1+6+11 + 16). Entsprechend lassen sich magische Quadrate von 5X5 Feldern mit den Zahlen 1 bis 25, von 6X6 Feldern mit den Zahlen 1 bis 36 usw. bilden. Es ist begreiflich, daß diese kunstvollen und eigen- Abb. 4. Jupiteramulett nach Athanasius Kircher (1665) 4 14 | 15 1 9 7 6 12 5 11 10 8 16 2 3 13 Fig. 2 artigen Zahlenanordnungen auf Gemüter, die zum Aberglauben und insbesondere zu dem zu allen Zeiten so verbreiteten Zahlenaberglauben neigten, einen besonderen Zauber ausübten. So kamen diese Zahlenquadrate dazu, den Zwecken der Magie dienstbar gemacht zu werden, also das zu werden, was heute der Name schon andeutet: magische Quadrate. Man verwob sie mit alten Lehren der Abb. 2. Jupiter? Astrologie, und so entstand ein amuiett des Schwe* System, dessen ver< chiedene riner Museums Wurzeln wohl schwerlich noch Abb. 5. Jupiteramulett des Berliner Münz* kabinetts auffindbar sind, das uns aber jedenfalls, im wesentlichen abgeschlossen, bei Agrippa von Nettesheim (1486—1535) entgegentritt. Dieser merkwürdige und vielseitige Mann, der praktischer Arzt und fürstlicher Leibarzt, Philosoph und Lehrer der Theologie, Doktor der Medizin und der Rechte, Stadtsyndikus und Advokat, kaiserlicher Historiograph wie auch kaiserlicher Hauptmann, Hofastrolog und ein gelehrter Kenner der kabbalistisch-astrologischen Literatur des Orients war, gab dem Abendlande in seiner „Occulta Pliilosophia" (1533) eine Bibel des Aberglaubens, uDd in diesem Werke insbesondere sind zum ersten Male die Richtlinien für die Herstellung solcher Amulette, wie sie uns hier beschäftigen sollen, aufgestellt. Ein wesentliches Moment dieses Systems bestellt darin, daß die magischen Zahlenqua.- drate in besondere Beziehungen zu den „Planeten" oder zu den mit diesen identifizierten Planetengöttern, denen die Astrologie bekanntlich die außerordentlichsten Kräfte und Wirkungen beimaß, gesetzt wurden, und zwar ordnete man dem entferntesten der Planeten, dem Saturn, das kleinstmögliche magische Quadrat, das der 3X3 Felder (Fig. 1). zu. Entsprechend erhielt der nächste Planet, Jupiter, ein magisches Quadrat von 4X4 Feldern (Fig. 2) zuerteilt, sodann Mars eins von 5X5, die Sonne von 6X6, Venus von 7x7, Merkur von 8X8, schließlich der Mond eins von 9x9 Feldern. Diese Planetensiegel" (Sigilla Planetarum), wie man die genannten 7 magischen Quadrate bezeichnete, scheinen arabischen Ursprungs zu sein, wenn auch das ganze System wohl erst im christlichen Abendlande diese feste, hinfort nicht mehr schwankende Form erhalten hat. Die magischen Quadrate an sich, wenigstens ihre einfachsten Formen, sind übrigens noch viel älter. Ihre Wiege ist jedenfalls der Orient gewesen, und das einfachste magische Quadrat, das der 9 Felder (Fig. 1), soll bereits im grauesten Altertum — vor Jahrtausenden — den Chinesen bekannt gewesen sein. Auch von Salomo berichtet die Legende, daß er das 9-feldrige Zahlenquadrat, dem man allerlei geheime Wunderkräfte beilegte, in seinem Siegelring . getragen habe, und „Siegel Salomos" ' ^rfe \ f i > . [ J,. i s Abb. 2. Jupiters amulett des Schwee riner Museums