Ost und West
- Journal
- Ost und West
- Volume
- 16 (1916)
- Issue
- Heft 6-7 (Juni-Juli 1916)
- Article
- Der Plan des Panslavismus zur Lösung der Judenfrage
- Date
- 1916-06-01
- Page
- Seite 239 - 240 (sequence 6)
- Language
- German
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239 Der Plan des Panslavismus zur Lösung der Juden frage. 240 eine tiefe und treue Anhänglichkeit an ihr Vaterland. Das hat sich im letzten polnischen Freiheitskriege gezeigt. „Infolge ihrer schweren historischen Schicksale haben die Polen eine größere politische Geschicklichkeit erlangt, als alle anderen Slaven, daher haben sie durch die Freundlichkeit, welche sie den Juden seit 1831 erwiesen, es dahin gebracht, daß diese mit Herz und Seele bei dem Freiheitskampf von 1863 gewesen sind. Ohne den Beistand der Juden auf dem Schlachtfeld und nicht minder durch Beisteuerung von Geld und Waffen hätte der Widerstand der Polen nicht halb so lange danern können. Die Polen haben hier Rußland eine lehrreiche Lektion in der Judenfrage gegeben, welche die Regierung sich merken sollte/' Sehr scharf weist der Verfasser den Vorwurf zurück, daß die Juden die Bauernbevölkerung durch Wucher ruinieren. Auf Grund eines reichhaltigen offiziellen Materials erbringt er den Beweis, daß die christlichen Wucherer, die sog. ,,Kulaki", es sind, die die Bauern aussaugen, indem sie einzeln oder auch durch ihre Bankiers manchmal sogar das Unglaubliche vollbringen, zweitausendfünfhundert Prozent zu nehmen! Es ist, führt er aus, für die Bauern ein Segen, wenn jüdische Geldverleiher in eine Gegend hinkommen und den rechtgläubigen Russen Konkurrenz machen können, da sinkt sogleich der Zinsfuß und die Prozeduren werden „milder. Ebenso unsinnig sei es, die jüdischen Kaufleute in Bezug auf Solidität niedriger zu stellen, als die russischen. Eine von dem führenden antisemitischen Organ „Nowoje Wremja" veranstaltete Untersuchung habe ergeben, daß sich die russischen Kaufleute in dieser Beziehung an i hren jüdischen Kollegen ein Beispiel nehmen könnten. Keinem fällt es ein, den rechtgläubigen russischen Kaufmannsstand der Unehrlichkeit zu zeihen und bebesondere Schutz-. maßregeln^ gegen ihn zu verlangen, und doch stelldas genannte Ort gan fest, daß bei diesem Stand die -Maxime gilt, »Nje' nadujesch, nje prodasch!" (Betrügst du nicht, so verkaufst du nicht) Hervorragende Dienste haben die jüdischen Kommissionäre und Handelsagenten der zentralrussischen Industrie geleistet, und die Moskauer sowie die anderweitigen Industriellen haben darum allemal gegen die Austreibungen der Juden protestiert. Das jüdische Volk ist in vieler Beziehung den Russen überlegen, und darum fürchten die Antisemiten die Konkurrenz der Juden, allein dieser Umstand sollte nur eher ein Ansporn sein, sie um so eher und um so gründlicher in den Großrussen aufgehen zu lassen. Außer den bereits angeführten Mitteln (Schulwesen und Vernichtung der jüdischen Gemeinden), sollen noch folgende zur Anwendung. kommen: Zugeständnis des uneingeschränkten Wohnrechtes an alle orthodox getauften Juden, Befreiung von Steuern, sogar vom Militärdienst, ferner Eröffnung aller Karrieren für sie: gewisse Vorteile sollen auch allen Juden eingeräumt werden, die sich verpflichten, ihre Neugeborenen taufen zu lassen und sie nachher an orthodoxe Priester zur Erziehung im wahren Glauben zu übergeben. Diese Maßregeln werden nach und nach eine derartige Entspannung und Verständigung zwischen Juden und Russen herbeiführen, daß über kurz oder lang der Tag kommen wird, an dem ein Ukas erlassen - werden kann, der $M0&f*. die Taufe aller SP;^:^ p mmfät' SPÄS^:^ E^wMV/ »SSk^v;. . Jpn7** 1?^:V^ ^^C'-*' :- ~' ^u:^-'.^' V^'r;;^ «, . . V f » ^Gustav Schneider, Lugano (Nach einer Lithographie) stand zu stoßen. „Wohlgemerkt: ein solcher Ukas darf nicht sofort in Kraft treten, sondern muß einen bestimmten Zeitraum offen lassen, binnen welchen es den Eltern, die sich ihm nicht fügen wollen, frei steht, auszuwandern." //Nachdem Aufhören der Verfolgungen, nach dem Aufheben der Schranken, welche die Juden in den westlichen Gouvernements einengen, würde diese Maßregel die Krönung und Vollendung, des gesetzgeberischen Baues werden, dessen Umrisse hier gezeichnet worden sind. Man wende aber nicht ein, daß dieses Gesetz intolerant wäre., Neugeborene Kinder haben noch kein