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Ost und West · 1916-06-01 · Heft 6-7 (Juni-Juli 1916) · p. Seite 235 - 236

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Journal
Ost und West
Volume
16 (1916)
Issue
Heft 6-7 (Juni-Juli 1916)
Article
Der Plan des Panslavismus zur Lösung der Judenfrage
Date
1916-06-01
Page
Seite 235 - 236 (sequence 4)
Language
German
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235 Der Plan des Panslavismus zur Lösung der Judenfrage. 236 treibungen aus Moskau (1S91) entstanden und Cyon steht nicht an, die Austreibungen und Pogrome als ein Werk der Bureaukratie hinzustellen, „die sich anstrengt, jeden Tag eine neue Unterdrückungsmaßregel gegen die Juden zu ersinnen, einzig darum, weil sie von dem Streben beseelt ist, dem höchsten Herrn, dem Gebieter über alle Gnaden und Ungnaden, zu gefallen: man behauptet nämlich, daß Alexander III. wenig Sympathie für die Juden empfinde, das genügt/' „Die ganze antisemitische Campagne, die jetzt mit soviel Heftigkeit geführt wird, hat keinen andern Grund, als den Eifer von Bedienten, die sich zu sehr beeilen, und die vermuteten Intentionen des Brodherrn übertreiben, oder gar falsch interpretieren." Was die russische Intelligenz anbetrifft, so sei ihr. Judenhaß ganz frisch und durchaus künstlich. Vor Kurzem erst habe sie mit den Juden fraternisiert und sich ihnen mit einem Enthusiasmus an den Hals geworfen, der ebensowenig begründet war, wie der jetzige Haß. Diese Klasse sei jeder geistigen Unabhängigkeit bar und gehorche immer den Antrieben von oben, auch wenn sie sich in radikalster Opposition zur Regierung wähne. Der Verfasser spart denn auch nicht mit den schärfsten Tadelsworten für die regierenden Kreise Rußlands im Hinblick auf ihre Judenpolitik. Er schilt sie bestechlich, habgierig, dumm, beschränkt, kriecherisch, feig, verräterisch. Kein Revolutionär könnte wegwerfender über diese Klasse urteilen, als dieser Erzreaktionär, der nur die Ansichten des Vertrauensmannes des Selbstherrschers aller Reußen widergibt. Dagegen erfordere das wahre Interesse Rußlands eine ganz andere Lösung der Judenfrage. Natürlich dürfe man dabei lediglich vom russischen Staatsinteresse ausgehen und keine anderen Gesichtspunkte walten lassen. Dieses 'Interesse aber erfordere es, die Juden von der West- Gustav Schneider, Schifte mit dunklen Segeln grenze zu entfernen, wo sie mit den Polen und den Ukrainern zusammen eine dem großrussischen Stamm schlecht assimilierte, ihm gleichgültig gegenüberstehende Bevölkerung bilden; ferner sei den Juden alle Besonderheit in Sitte und Religion zu nehmen und sie seien zur Orthodoxie zu bekehren, mit allen Mitteln, die sich mit der wahren christlichen Liebe vereinen lassen, um sie auf diese Weise so innig wie möglich mit der echtrussischen Bevölkerung zu assimilieren. Nach einer solchen Verschmelzung wird Rußland nicht mehr an der Entwicklung eines fremden Elements zu leiden haben, die Russen werden die vorzüglichsten Eigenschaften der Juden erwerben, als da sind: Nüchternheit, Fleiß, Initiative, Ausdauer, Eignung für den Handel und die Industrie, Geschmack an abstrakten Studien (Philosophie, Mathematik). Der erste Schritt zu diesem Ziel ist eine Reform der Erziehung. Alle jüdischen konfessionellen Schulen, von welcher Art immer sie seien, sind auf der Stelle zu unterdrücken. Es genügt für ganz Rußland ein einziges Rabbinerseminar, in dem natürlich, mit Ausnahme der Theologie, alles in russischer Sprache vorgetragen werden muß. Da bei den Juden der Elementarunterricht von Religions wegen obligatorisch ist, so muß man sie dabei belassen, aber sie müssen ihre Kinder nur in russische Schulen schicken, Zuwiderhandelnde sind hart zu bestrafen. Den Religionsunterricht am Sonnabend und Sonntag soll der von der Regierung ernannte Rabbiner überwachen. Die Beschränkungen der Juden in den Mittel- und Hochschulen sind zu verwerfen. Diese sollen ja nur das Ziel verfolgen, daß die Juden nicht in die Staatskarriere eindringen und daß andererseits sich das gebildete Proletariat nicht vermehre. Ersteres läßt sich erreichen, indem deklariert wird, daß nur orthodox getaufte Juden zur Beamtenkarriere zugelassen wer- —;v den, diese aber sofort und ohne jede Restriktion und Vorbehalt: das andere läßt sich ohne Härte - und Ausnahmegesetz erreichen, indem von dem Vater oder Vormund eines jeden Gymnasialschülers der Erlag einer Bürgschaft von 200 Rubeln, für jeden Universitätshörer ein solcher von 300 Rubeln für das Jahr auf die ganze Studienzeit verlangt wird; ferner soll jedem Studenten verbotensein, Privatunterricht zu erteilen. Dadurch erhielte der Staat die (Nach einer Lithographie)

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