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Ost und West · 1916-06-01 · Heft 6-7 (Juni-Juli 1916) · p. Seite 233 - 234

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Journal
Ost und West
Volume
16 (1916)
Issue
Heft 6-7 (Juni-Juli 1916)
Article
Der Plan des Panslavismus zur Lösung der Judenfrage
Date
1916-06-01
Page
Seite 233 - 234 (sequence 3)
Language
German
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233 Der Plan des Panslavismus zur Lösung der Judenfrage, 234 1; $ >r } ^M'^ \ ■ % y "r yv 1 ' *■ s*r * " Katkow hatte natürlich ein Programm ausgearbeitet, die Judenfrage auf unblutigem Wege zu lösen, das mit seinem System des Panslavismus in Uebereinstimmungwar. Dieses Programm ist erst einige Jahre nach seinemTodepubliziert worden, und zwarinfranzösischerSprache von seinem Bewunderer, Schüler und Meister, Elie de Cyon. Dieser Mr. de Cyon war eine merkwürdige Persönlichkeit, bei der man länger verweilen muß. Wie schon sein Name besagt, war er jüdischer Abstammung, es konnte nicht festgestellt werden, ob er selber, oder schon sein Vater zur Orthodoxie übergetreten war. Er war ein eifriger zelotischer Bekenner des byzantinisch-orthodoxen Christentums, hatte aber, im Gegensatz zu den meisten Ueberläufern, keinen" Haß zum Judentum, betonte, im Gegenteil, seine jüdische Herkunft, verteidigte die Juden und nahm auch die jüdische Religion in Schutz. Katkows Jünger war er als Anhänger des Panslavismus, der absoluten Autokratie und des reaktionären Regierungssystems, in seiner Mischung von Demokratie und Selbstherrschertum. Sein Meister dagegen war er auf allen Gebieten des Wissens. Dieser Herr de Cyon (woher sein Adelsprädikat stammt, ist unbekannt geblieben) stand geistig turmhoch über seinem Meister in politicis, der im Grunde ein oberflächlicher Dilettant war und auf keinem Gebiete was Rechtes konnte. Elie de Cyon hatte sich als Physiologe sogar in deutschen Fachkreisen einen bedeutenden Namen gemacht, von seinen tiefen philosophischen Kenntnissen zeigt seine ,,Philosophie des sciences", er war ein bedeutender Nationalökonom und ein genauer Kenner des europäischen Finanzwesens. Es unterliegt keinem Zweifel, daß er es war, der dem Publizisten und Politiker Katkow die positiven wissenschaftlichen Kenntnisse und Ideen lieferte, die zum Ausbau und zur Begründung seiner Politik und Soziologie nötig waren. Mit diesen philosophischen und naturwissenschaftlichen Kenntnissen vereinigte Cyon die politische Ueberzeugung des schwärzesten Reaktionärs. Gegen das Ende der Regierungszeit Alexanders II. wurde er auf Verlangen der Studentenschaft zum Professor an der Petersburger Universität berufen, da sein Ruf als Naturforscher und Denker von Berlin und Paris aus, wo er seine Arbeiten publizierte, sich verbreitet hatte. Aber vom Katheder - 1 7> Gustav Schneider, Nervi (Nach einem Pastell) herab verkündete er Ideen von einem so schroff reaktionären Charakter, daß die Studentenschaft sich empörte und heftige Demonstrationen gegen ihn veranstaltete, denen er weichen mußte. Er lebte fortab in Paris, betrachtete sich als Opfer der revolutionären Strömungen in seinem Vaterlande und widmete seine ganze Kraft der Begründung und Verteidigung der russischen Autokratie vor der französischen Gesellschaft. Er war einer der stärksten und erfolgreichsten Mitarbeiter an dem Zustandekommen des französisch-russischen Bündnisses. Im Jahre 1892 gab er ein Buch heraus unter dem Titel „La Russie contemporaine", das „ä la memoire veneree de Michel Katkof" gewidmet ist. Dort findet sich eine ausführliche Darlegung der Prinzipien der russischen Autokratie, dann eine umfangreiche und sehr eingehende Auseinandersetzung über das französich-russische Bündnis, welches bekanntlich seit 1886 von Katkow mit. aller Energie gepredigt wurde. Daneben eine sehr interessante Studie „La question des juifs", die heute besonderes Interesse verdient. Katkows Ideen haben in Rußland vollkommen triumphiert. Das von ihm im Gegensatz zur ganzen, besonders liberalen Presse gepredigte Bündnis mit Frankreich ist gereift und hat bereits seine blutigen Früchte getragen. Der Panslavismus hat, wenn auch in der maskierten, den neuesten Forderungen angepaßten Form des Neoslavismus, die ganze russische Gesellschaft, sogar alte, eingefleischte Revolutionäre wie Krapotkin und Burzew, ergriffen; es ist der Panslavismus, der jetzt den Krieg führt. Es verlohnt sich darum, zu sehen, wie sich der Panslavismus, in der Lehre von Cyon-Katkow, die Lösung der Judenfrage denkt. Die besagte Studie ist unmittelbar unter dem Eindruck der furchtbar grausamen Judenaus-

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