Mannheim
Compact Memory

Ost und West · 1916-04-01 · Heft 4-5 (April-Mai 1916) · p. Seite 169 - 170

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Ost und West
Volume
16 (1916)
Issue
Heft 4-5 (April-Mai 1916)
Article
Die Ostjudenfrage II. Teil
Date
1916-04-01
Page
Seite 169 - 170 (sequence 13)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
95% known words query
IRI
…/2583875-2584060-2584064-2597243--16137-2597285
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

Fritz Lederer, Gehöft bei Wadow sich so lebhaft als möglich gestalten, daß der Warenaustausch herüber, hinjüber ungestört vor sich gehe, sich vervielfältige und zunehme. Selbstverständlich wird beides "bedingt und gefördert von einer entsprechenden Gestaltung der politischen Beziehungen. Der russische Fürst Kotschubey, Adjuvant des Zaren, veröffentlichte im Pariser „Correspondent" vom 26. Juni 1914 einen lange vor Kriegsausbruch geschriebenen Artikel „Das Problem der Triple- Entente", in welchem der .Einfluß Deutschlands a*uf die russische Volkswirtschaft behandelt wird. Darin findet sich folgender Satz (nach der Uebersetzung Delbrücks in seiner Broschüre „Motive und Ziele der russischen Politik'4}: „Es ist interessant, die Aufmerksamkeit auf die Israeliten zu lenken, Wie die Rolle des geschichtlichen Vorspannes spielten, was die wirtschaftliche und geistige Eroberung Rußlands durch die Deutschen anbetrifft. Diese Rolle mußte ihnen unausbleiblich zufallen, wenn auch nicht von Rechts wegen, so doch durch ihre Vorfahren. Die Russischen Juden,, die aus Deutschland ausgewandert waren, erst in Polen, dann heimlich (?) sich in Rußland ausbreiteten, bewahrten ihrem alten deutschen Vaterlande viel Anhänglichkeit, wovon noch heute ider charakteristische Beweis der deutsche Dialekt ist, dessen sie sich bedienen." iMan hört den antisemitsch-denunziatorischen Unterton heraus bei dieser Feststellung einer altbekannten Tatsache, der sich auch in der unsinnigen Behauptung äußert, daß die Juden sich „heimlich" in Rußland ausgebreitet hätten. Gewiß haben die Juden sehr viel zur „wirtschaftlichen und geistigen Eroberung Rußlands durch die Deutschen'4 beigetragen, allein wenn der Fürst Kotschubey ihnen unterstellt, dadurch gewissermaßen einen Vaterlandsverrat begangen zu 'haben, so kennt er die neuere Geschichte Rußlands schlecht. War etwa Peter der Große ein Vaterlandsverräter, weil er vorwiegend Deutsche ins Land berief, um dort Wissenschaft, Technik, Handwerke und Handel zu verbreiten? Die ersten Mitglieder der russischen Akademie, die ersten Professoren an den Universitäten und Gymnasien, waren Deutsche, die von Peters Nachfolgern und Fortsetzern, darunter Lomonosow, berufen wurden. An die ersten Universitäten Petersburg und Moskau, wurden nicht nur Dozenten, sondern häufig auch — Studenten aus Deutschland berufen, weil die Russen sich anfangs fernhielten. Auch als der Einfluß der französischen Sprache und Sitte am Hofe Elisabeths und Katharinas und in den oberen Schichten der Gesellschaft herrschend wurde, hieß es, „die Russen reden französisch und denken deutsch'4. Aus Frankreich kamen Gouvernanten, Schauspieler, Schneider, Tanzmeister, Theaterdirektoren, aus Deutschland Aerzte, Gelehrte, Lehrer, Ingenieure;, Fabrik- und Bankdirektoren, Kaufleute, Handwerker. Nach Frankreich reiste man, um sich zu amüsieren und vornehme Manieren kennen zu lernen; nach Deutschland, um Naturwissenschaft, Agrikultur, Jurisprudenz

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.