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Ost und West · 1916-04-01 · Heft 4-5 (April-Mai 1916) · p. Seite 167 - 168

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Journal
Ost und West
Volume
16 (1916)
Issue
Heft 4-5 (April-Mai 1916)
Article
Die Ostjudenfrage II. Teil
Date
1916-04-01
Page
Seite 167 - 168 (sequence 12)
Language
German
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167 Welches ist das wahre Interesse Deutschlands an dem Schicksal der Ostjuden? 168 tigkeit und der Nächstenliebe — ihre Interessen hingebungsvoll und redlich, ohne jeden Hintergedanken, vertritt. Den Ostjuden aber wäre es beschieden, in solchen Fällen offen oder heimlich die Interessen des Gegners zu vertreten. Thiers setzte auf den Kopf der Herzogin von Berry, die er für staatsgefährlich hielt, einen Preis von 100 000 Franken aus. Als sich der Patriot, der das Versteck der Staatsfeindin mitgeteilt, bei ihm meldete, überreichte er ihm den Lohn eigenhändig, aber — mittels einer Zange. Es hieße die Deutschen beleidigen, wenn man annähme, daß sie die Ostjuden, auch wenn sie ihre Dienste, in berechtigter Wahrnehmung ihrer eigenen Interessen, sich gefallen ließen, anders behandeln würden. Die Zukunft der Ostjuden würde also der eines ausgetrockneten Erdklümpchens gleichen, welches zwischen zwei bewegliche Felswände geraten ist. Bei der geringsten Bewegung der einen oder der anderen muß es zu Staub zerrieben werden, und der leiseste Windhauch verweht es nach allen Weltrichtungen. Das Schicksal der Ostjuden wäre besiegelt. Was bliebe also ihren Freunden in Deutschland —: jüdischen wie nichtjüdischen, insofern sie es aufrichtig gut mit ihnen meinen und ehrlich um ihr Schicksal besorgt sind —, was anderes bliebe ihnen übrig, als sich beim Deutschen Reich und den Führern des deutschen Volkes zu verwenden, daß sie ihre Ansprüche auf die Ostjuden zurückziehen und ihnen erlauben möchten, sich selbst zu leben und ihre Zukunft so zu gestalten, wie es ihre eigenen Interessen und die gebieterischen Notwendigkeiten ihres Daseins erfordern? Im Grunde wäre das für das Deutsche Reich und die deutsche Nation nicht mit dem kleinsten Opfer verbunden. Denn im Kampfe für die deutschen Interessen und die germanische Idee gegen die 169 Millionen Slawen, oder als Schutz - wall der 100 Millionen Deutschen gegen die slawische Flut haben diese paar Millionen Ostjuden nicht die geringste Bedeutung; beim leisesten Zusammenstoß dieser beiden Welten würden sie lautlos zermalmt werden. Sollte aber die patriotische Pflicht den besagten Ost judenfreunden in Deutschland es nicht erlauben, ihre Schützlinge auf die gedachte Weise vor dem unvermeidlichen Verderben zu bewahren, so bliebe ihnen, um dem tragischen Konflikt zu entgehen, nichts übrig, als weinend das Haupt zu verhüllen, ihre Hände von den Ostjuden gänzlich zurückzuziehen und sie ihrem Schicksal zu überlassen. Zum Glück ist die ganze Geschichte nichts als ein leerer Traum.... Was sind denn die wahren Interessen Deutschlands im Osten, und welche Rolle haben die Juden dabei zu spielen? Zunächst: daß seine Bedeutung als Kulturmacht ersten Hanges anerkannt und gewürdigt werde und zur vollen Geltung komme; sodann: daß die wirtschaftlichen Beziehungen zwischen ihm und dem Osten Fritz Lederer, Opoka duza

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