Ost und West
- Journal
- Ost und West
- Volume
- 16 (1916)
- Issue
- Heft 2-3 (Februar-März 1916)
- Article
- Jüdische Kriegshelden
- Date
- 1916-02-01
- Page
- Seite 119 - 120 (sequence 3)
- Language
- German
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119 Jüdische_ Kriegshelden. 120 er war unvermeidlich, da der notwendige friedliche Durchzug verweigert worden war. Aber die Siege waren leicht, sie werden in der Chronik mit einigen Worten abgetan, und der Name Moses wird dabei kaum erwähnt. Erst mit J o s u a fängt die eigentliche Kriegsgeschichte Israels an. Josua, der Schüler Moses, erbt die Führung und die Würde von seinem Meister; aber er stellt einen ganz anderen Typus dar. Er ist nur Staatsmann und Stratege, und lebt ganz diesem Berufe. Sein Gesichtskreis ist enger und begrenzter, die überwältigende Genialität fehlt ihm zwar, aber in diesem begrenzten Kreise ist er Meister. Sein Leben ist ausgefüllt von Kriegen. Sein erster Kampf galt der stark befestigten Stadt Jericho. Von da ab zieht sich eine Kette langer Kämpfe, und in allen erweist sich Josua als mutig und zielbewußt. Wir sehen ihn häufig mit geradezu moderner Strategie kämpfen. Er weiß die Bewegung seiner Truppen durch Kriegslist zu verschleiern, er versteht es vorzüglich, seine Truppen zu formieren, richtig zu verteilen und alle Momente auszunutzen. Er erweist sich auch als Meister in der Einschließung und Umzingelung, er versteht es, den Feind dahin zu locken, wo er ihn haben will. Die Völker vereinigen sich — genau wie heute gegen Deutschland — gegen Israel, aber trotz der Uebermacht siegt der Mut und die Klugheit des jüdischen Feldmarschalls. So gelingt es ihm, sein Werk fast bis zu Ende durchzuführen und seinem Volke das verheißene Land zu erobern. Es ist ihm vergönnt, auf seinen Lorbeeren auszuruhen und in Frieden zu sterben. Aber auch damit hören die Kriege in Israel nicht auf. Die Bibel spricht es deutlich aus (Richter 111,2); man ließ dem Volke noch viel zu erobern übrig, um den kriegerischen Geist nicht zu verlieren und den Mut immer von neuem zu stählen. Der galt also im alten Israel als Mittel, das Volk zur Tapferkeit und Kriegstüchtigkeit zu erziehen. Einen würdigen Nachfolger Josuas finden wir in Gideon. Ihn ruft die Not des Volkes auf den Plan. Denn schwer ruht die Hand Midians auf Israel schon seit sieben Jahren. Dazu gesellen sich der ewige Feind Israels, Amalek, und noch andere Stämme des Ostens. Sie verderben die Saat, vernichten das Vieh, und das Volk verarmt ganz. Als die sieben Jahre vorüber waren, vollführt Gideon den göttlichen Befehl, sein Volk nach tapferem Kam'pf zu befreien. Ihm reiht sich würdig Jephta an. Aus ganz niedriger Herkunft, von seinen Brüdern verachtet und verhaßt, flüchtet er in die Ferne und treibt da ein abenteuerliches Leben in Gesellschaft verwilderter Jünglinge. Da wird Israel von 'Ämon bedroht. Man erinnert sich im Volke des Heldenjünglings Jephta und kürt ihn zum Führer. Die Wahl erweist sich als eine glückliche, der Jüngling wird zu einem besonnenen, weitsichtigen und kühnen Führer. Er beginnt erst mit diplomatischen Verhandlungen, da er 'kein überflüssiges Blut vergießen möchte. Als aber alle Verhandlungen an der Raubgier des Feindes scheitern, und als alle Nachbarvölker den Vernichtungskampf gegen Israel planen, da greift er zum Schwert, und in kurzem Kampfe besiegt er alle Feinde seines Volkes. Einen eigenartigen, romantischen Heldentypus stellt S i m s o n dar. Er ist, körperlich gedacht, der einzige Riese in der jüdischen Geschichte. Schon von Kindheit auf ist er zum göttlichen Helden bestimmt, und als Jüngling zeigt er seltenen Heldenmut und übermenschliche Kraft. Und mit dieser unvergleichlichen Kühnheit verbindet sich eine schlichte, gläubige Natur, eine kindliche Naivität. Er ist sich eigentlich seines Heldentums kaum bewußt, er trägt seine Riesenkraft wie etwas, was ihm nicht gehört, was ihm nur für eine höhere Aufgabe verliehen wurde. Noch ahnt er den großen Zweck seines Lebens1 kaum. Erst später verübt er die großen Taten im Dienste seines bedrängten Volkes. Er wird zum Schrecken der sonst unbesiegbaren Philister, aber eine Philistertochter wird ihm zum Verhängnis. Wie groß und gewaltig er als Kämpfer ist, so schwach und naiv ist er seinem Weibe gegenüber; so endet sein Leben furchtbar tragisch, wenn auch mit heroischem, versöhnenden Abschluß. Saul ist der erste König in Israel. Er ist eine tragische Gestalt. Nach den ersten Siegen verfällt er immer mehr dem Trübsinn, und das Glück weicht von ihm. Noch versucht er, sein altes Heldentum in der Schlacht zu zeigen, aber Ruhm und Sieg bleiben ihm fern und sein Stern verdunkelt sich. Er wird zum Feinde seines Wohltäters David, und im Verfolgungswahn entwürdigt er sich zu heimtückischen Schritten, bis er schließlich den Tod sucht und findet in der unglücklichen Schlacht gegen die Philister. Viel glücklicher als Krieger ist sein Sohn Jonathan, eine edle Gestalt, stark im Kampfe und treu in der Freundschaft. Als romantischer jünglings Jephta ,'und *kürt ihn zum Führer. Die Schwärmerei, ein Liebling seines Volkes. In vielen Schlachten erprobt er seinen Mut und bleibt dabei doch schlicht und rein in seiner Kinderseele. Auch er endet, jung an Jahren, auf dem Schlachtfelde, als treuer Freund Davids, verehrt und beweint vom ganzen Volke. Eine eigenartige Erscheinung als Krieger ist David. Von Natur eine Dichterseele, sanft und milde gestimmt, macht ihn die Begeisterung für die Sache seines Volkes und die religiöse Schwärmerei zum Krieger, und es ist ihm beschieden, lange über sein Volk zu herrschen und seinen Heldenruhm immer zu verjüngen. Seine Regierungszeit ist ausgefüllt von Kriegen, und in allen bleibt er siegreich. Fromm und demütig, groß in seinen Fehlern und Tugenden, stellt er das Bild eines echten Volkskönigs dar. Auch ihm sind tragische Konflikte in seiner Famile nicht erspart, und er führt ein stets bewegtes Leben. Immer aber ist er vom Gedanken geleitet, für Gott und seine Sache zu wirken und zu kämpfen, und das verleiht ihm eine seltene Größe. Unter David finden wir (auch zum ersten Male (große Feldherren in Israel. Joab und Uria sind besonders zu nennen. Nach einer kurzen Epoche des Friedens unter dem weisen und kunstsinnigen S a 1 o m o beginnt eine Zeit innerer und äußerer Kämpfe für das jüdische Volk, und gar viele zeichnen sich hier als Helden und tapfere Feldherren aus. Das Reich zerfällt in zwei Teile, und auch der innere Verfall bleibt nicht aus. Während die äußere