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Ost und West · 1916-02-01 · Heft 2-3 (Februar-März 1916) · p. Seite 121 - 122

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Journal
Ost und West
Volume
16 (1916)
Issue
Heft 2-3 (Februar-März 1916)
Article
Jüdische Kriegshelden
Date
1916-02-01
Page
Seite 121 - 122 (sequence 4)
Language
German
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121 Jüdische Kriegshelden. 122 ■Macht im größeren Staate Israel bleibt; behält das Heldentum den Glanz mehr im kleineren Staate Juda. Die Entartung der Fürsten ist in Juda seltener als in Israel zu finden. Hier und da zeigen sich wieder lichtvolle Gestalten, die den Schimmer alter Größe retten. Einer dieser erfreulichen Erscheinungen ist Assa, der König von Juda, der mit aller Kraft für den reinen Glauben kämpft, alles Heidnische vernichtet und stets siegreich bleibt. Etwas später betritt Josaphat den Thron der Könige von Juda und wandelt den Weg, den Assa gegangen ist. Er vereinigt sich mit dem König von Israel zum Kampfe gegen den König von Aram, und es gelingt ihm, den Feind zu besiegen. Auch gegen Mo ab' ist er in vielen Schlachten glücklich, und überall repräsentiert er das alte Heldentum Judas. Allzuviel wird von diesem König nicht erzählt. Es scheint aber, daß Josaphat sich vieler großer Heldentaten zu rühmen hat, denn die Bibel (Könige 1,23) verweist auf das „Buch der Chronik", das freilich verloren .gegangen ist. Noch später finden wir A m a z i a, den König von Juda, als bewährten Schlachtenlenker. Er war als Sieger aus dem Kampfe gegen die Edomiten heimgekehrt, und nun erfaßte ihn der kühne Gedanke, mit seinem im Kriege bewährten Heere auch gegen das Reich Israel zu Felde zu ziehen und das ganze Land wieder unter seinem Szepter zu vereinigen. Aus einem äußeren Anlaß greift er zum Schwert und läßt sich in ein gefährliches Abenteuer ein. Dieses Unternehmen mißlang, und Amazia geriet in Gefangenschaft. Seitdem war er nicht mehr glücklich in seinen Kämpfen, und er hatte es nur der Großmut seines «Gegners zu verdanken, daß er überhaupt noch seine Krone behielt. Eine Wiederauflebung des alten Heldenruhms kommt mit den Makkabäern und ihren unvergleichlichen Siegen. Wie überall, erzeugte auch .hier die Not große Männer. Als die blutigen Verfolgungen des jüdischen Glaubens und seiner Anhänger unter Antioches gar zu unerträglich wurden, da waren es die Makkabäer aus dem Priesterhause der Hasmonäer, die das Volk aufrüttelten, •eine Erhebung herbeiführten und eine Neugeburt und Erstarkung des Judentums erzielten. Lag auch die Größe ihrer Taten mehr auf ethischreligiösem Gebiete, so leisteten sie doch auch strategisch Gewaltiges, und dieses leuchtende Kapitel jüdischer Geschichte zeigt uns, was eine •starke Begeisterung für eine heilige Sache alles •vermag. Gering war die Schar, die diese Helden um sich sammelten, aber das Häuflein vollbrachte Wunder an Tapferkeit und Ausdauer. In kurzer Zeit errangen sie den; Sieg gegen die Uebermacht des Feindes und retteten die Freiheit und die Selbständigkeit Israels. Mit dieser glänzenden Epoche schließt das glückliche, siegreiche Heldentum in Israel. Sucht man die Größe nicht im Erfolge, sondern im gewaltigen Wollen, in der Genialität der Auffassung und der Handlung, dann wird man gern bei der Geschichte des tragischen Helden Bar-Kochba verweilen. Aus dem Nichts schuf dieser Held eine Erhebung gegen das römische Joch unter Kaiser Adrian. Dunkel ist der Ursprung und mystisch die Erscheinung dieses Helden. Er taucht als Revolutionär plötzlich auf und übt einen gewaltigen Zauber auf das Volk aus. Er verkörpert den Volkswillen, reißt durch seine Begeisterung alles mit sich und verbreitet überall den Sinn für Freiheit und nationale Würde. Kein Geringerer als Rabbi Akiba begeistert sich für ihn und sieht in ihm den Messias, den Gesalbten Gottes. Er erhofft von ihm Großes und stellt ihm die Schar seiner Jünger als Kämpfer zur Verfügung. Eine gewaltige, starke Persönlichkeit muß, dieser Bar- Kochba gewesen sein. Selbst seine Gegner beugen sich vor seiner Größe. Jüdische Krieger aus allen Ländern strömten zu diesem Messias herbei, und sein Heer soll nach der Angabe vieler Historiker 400 000 Mann gezählt haben. Mit seltenem Heldenmut tinü mit überlegener Klugheit kämpfte dieses Heer gegen die Römer, und in einem Jahre eroberte es nicht weniger als fünfzig" befestigte Plätze und hielt nun das jüdische Reich für befreit. Zwei Jahre hindurch mußte Hadrian gegen Bar-Kochba kämpfen und gewaltige Scharen und mächtige Feldherren aufbieten, um diesen Helden zu bezwingen, und auch dann konnten die Juden nicht durch das Schwert, sondern nur durch die Aushungerung überwunden werden. Die meisten jüdischen Kämpfer wurden schließlich gefangen genommen und schonungslos getötet. So endete diese Episode verhängnisvoll für das jüdische Volk. Die Waffentaten Bar-Kochbas aber bilden ein unvergängliches Ruhmesblatt in unserer Geschichte. Diesen ihren großen Vorfahren machen unsere heutigen jüdischen Krieger wahrlich keine Unehre. Wenn unsere Soldaten für die allgemeine Sache, gleich den anderen Kameraden, ihr Blut vergießen, so wirkt doch hier, wie in allen wichtigen Taten, bewußt oder unbewußt, auch ihr Judentum mit. Sie wissen, daß sie gleichzeitig auch die Ehre des Judentums zu verteidigen haben. Jude sein, heißt immer: sich und seinem Ideale treu bleiben.

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