Ost und West
- Journal
- Ost und West
- Volume
- 16 (1916)
- Issue
- Heft 2-3 (Februar-März 1916)
- Article
- Die Ostjudenfrage
- Date
- 1916-02-01
- Page
- Seite 105 - 106 (sequence 17)
- Language
- German
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105 Der wichtigste Lösungsvorschlag. 106 Gütern religiöser und kultureller Natur, für die Erreichung besserer Daseinsbedingungen nicht ein Jota zu opfern. Sie sind überzeugt, daß wahre Werte der jüdischen Eigenart nicht nur nicht schädlich, sondern im hohen Grade nützlich sind für das Gedeihen des Staates und der Gesellschaft. Und wenn die russischen Juden auf die 'Stimmen der wirklich produktiven, arbeitenden und schaffenden Kreise des russischen Volkes achten, so müssen sie sich überzeugen, daß sie hier nicht Gegner, sondern Helfer in diesem Kampfe finden werden. Paphnutius z. B. und seine Gesinnungsgenossen, die um die Zukunft Rußlands so sehr besorgt sind, versichern, Rußland müsse ewig bei se'iner verständigen und weitblickenden", mit dem Pogrom hantierenden Gesetzgebung bleiben, da ihm sonst das beweinenswerte Schicksal Deutschlands drohe. Den russischen Bürgerstarid aber, die Kaufleute, Industriellen und Arbeiter, scheint dieses Schicksal durchaus nicht zu schrecken. Daß die ganze Arbeiterbevölkerung eine ausgesprochene Gegnerin der russischen Judenpolitik ist, wird am Ende nicht wundernehmen, aber die gesamte liberale Linke in der Duma bis in die Reihen der Oktobristen hinein bekämpft die Ausnahmegesetzgebung. Insofern freie Verbände der Bürgerschaft in Rußland zu Worte kommen konnten, haben sie in den schwersten Zeiten der Bedrückung sich entschieden für die Juden ausgesprochen. Das wiederholte sich seit Ausbruch des Krieges mit Beharrlichkeit- Folgende den russischen Zeitungen vom November 1914 bis April 1915 entnommene Tatsachen mögen dies bezeugen — wrobei zu berücksichtigen ist, daß die Zensur alle den Juden günstige Nachrichten mit einer harten Brutalität unterdrückte, so daß nur ein kleiner Teil davon durchsickerte: Die Stadtverordneten - Versammlung in Smolensk erklärte es als unbedingt notwendig, für die Abschaffung aller die russischen Untertanen jüdischen Glaubens beschränkenden Gesetze an zuständiger Stelle vorstellig zu werden, insbesondere für die Abschaffung des Ansiedlungsrayonsi. — Das! Irkutsker Börsen-Komitee wird in Petersr bürg darüber vorstellig, daß die anormale Lage der Juden in Sibirien der wirtschaftlichen Entwicklung des Landes hinderlich sei. — Eine Konferenz von Bankfachmännern zur Finanzierung russischer Kuroirte wünscht Aufenthaltsbewilligung für Juden in allen Kurorten Rußlands, da Juden 80—90 o/0i der ins Ausland zur Kur gehenden Russen bilden. Der Regierungsvertreter erklärt: Die Judenfrage werde in der Duma behandelt werden, vorläufig könne er keine bindende Zusicherung geben. — Der Kongreß-Ausschuß der Vertreter des Prodnktenbö,rsenhandels' fordert vom Handelsminister die Zulassung jüdischer Kaufleute und Makler zum Kongreß, der im April in Petersburg zusammentreten soll: weil die Mitarbeit ^dieser Praktiker, ^die sich 'besonders energisch in unserem Getreidenandel hervorgetan haben, den besten Einfluß auf unsere Kongreßarbeiten haben würde". — Der in Moskau zusammengetretene! Städtebund faßte einen Beschluß über die Notwendigkeit der Zulassung von verwundeten jüdischen Soldaten in Orten außerhalb des Rayons, und will diese Vergünstigung auf die aus :dem Kriegsgebiete geflüchteten Juden ausgedehnt wissen. —Die Südwestliche Gesellschaft für Handel und Industrie in Wilna fordert die Aufhebung der Beschränkungen der Juden. — Das Charkower Börsen-Komitee richtete an den Minister des Innern ein Gesuch, auswärtigen Juden auf Grund besonderer Bescheinigungen das Wlohnrecht in Charkow zu gewähren. Die Moskauer Medizinische Gesellschaft verlangt Erlaubnis zum Kurortebesuch für alle Bürger. — De}r Kongreß zur Förderung inländischer Kuroirte, der Kongreß