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Ost und West · 1916-02-01 · Heft 2-3 (Februar-März 1916) · p. Seite 83 - 84

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Journal
Ost und West
Volume
16 (1916)
Issue
Heft 2-3 (Februar-März 1916)
Article
Die Ostjudenfrage
Date
1916-02-01
Page
Seite 83 - 84 (sequence 6)
Language
German
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83 Wie aus der Ostjudenfrage eine Westjudenfrage wurde. 84 Volkes." „Der Jude steht unseren (deutschen) Allgemeinbegriffen ohne Ueberlieferung, ohne Ehrfurcht, ohne tieferes Verständnis gegenüber." „So wird der jüdische Geist, wenn er in unserm] Geistesleben einen maßgebenden Einfluß gewinnt, zu einem ständigen Antrieb der Zersetzung." „Dieser zersetzende Einfluß wirkt um so stärker, als die meisten jüdischen Schriftsteller ihre Stammeszugehörigkeit geflissentlich verbergen." So mancher Leser wird vielleicht ausrufen: „Gott, wie alt ist das! Seit vierzig Jahren wiederf holt man uns das, bis zum Ueberdruß, bis zum Ekel!" Geduld. Es kommt etwas Neues und Originelles. Gegen diese furchtbare Gefahr, die dem deutschen Geist und der deutschen Kultur mit Vernichtung droht, ist endlich das Mittel gefunden. Geheimrat Fritz tröstet sich mit dem „Untergang der deutschen Juden". Das ist eine Errungenschaft der neuesten Zeit. „Die Auflösung des in sich zerfallenden Judentums scheint sich ... in einer für viele unerwarteten; Weise zu vollziehen . . . Zuerst hat Theilh a b e r auf den Zerfall hingewiesen und ihn zahlenmäßig belegt." Paphnutius versichert, daß infolge sozialer und kultureller Prozesse di$ Volksvermehrung der Juden heute hinter der allgemeinen Volksvermehrung zurückbleibt. „Dieses Sinken der jüdischen Volksvermehrung ist ein fortschreitender und wahrscheinlich unaufhaltsamer Prozeß und er wird allmählig zu einem absoluten Rückgang der jüdischen Bevölkerung! und schließlich zum Untergehen der Juden oder ihrem Aufgehen im übrigen Volke führen." Man atmet erleichtert auf. Wenn nur die Ostjuden nicht kommen — denn diese „sind von der völkerbeglückenden Lehre des Neumalthusianismus noch unberührt" — so wird sich die Jufdenfrage in Deutschland von selber lösen, durch die Auflösung des Judentums. Wenn es keine Juden gibt, kann es keine Judenfrage geben. So stellt sich die zur Westjudenfrage gewandelte Ostjudenfrage dar. * * * Bevor wir in die Analyse des Ganzen eintreten, wollen wir den ersten Punkt der These näher in Betracht ziehen. Hier sind nämlich die Waffen zu einem erneuerten ausgedehnten Kampf gegen die Juden verborgen, der losgeht, sobald der Burgfriede nicht mehr verbindlich sein wird. Fritz spricht vom Krieg und seiner regenerierenden und gesundmachenden Wirkung. Und keiner wird bestreiten, daß der Krieg ein großer Examinator ist, vor dem die Völker der Erde die Prüfung auf ihre Reife und ihre sittliche und geistige Kraft abzulegen haben. Er tritt an sie heran und stellt ihnen eine Reihe von Aufgaben; und von der Art, wie sie diese Aufgaben lösen, hängt das Zeugnis ab, welches ihnen ausgestellt wird. Alle Welt wird zugeben, daß das deutsche Volk das Examen vorzüglich, ja ausgezeichnet bestanden hat, besser als alle anderen Abiturienten. Das geben seine schlimmsten Feinde zu. Das erfüllt alle anderen mit Neid und Mißgunst. Sowohl was die physische Kraft, als auch was die geistige und moralische Leistungsfähigkeit anbetrifft, stehen die Deutschen in erster Reihe. Ihre militärische, intellektuelle und politische Bereitschaft hat sich glänzend bewährt. Ueber allen Zweifel erhaben ist der Idealismus des deutschen Volkes, und zwar der Angehörigen aller Schichten ohne Ausnahme, die opferfreudige Hingabe, mit der Bürger und Soldaten in gleicher Weise die furchtbaren Lasten tragen, die Unerschrockenheit, mit der sie gegen eine Welt von bewaffneten und unbewaffneten, aber nicht minder gefährlichen Feinden kämpfen, für ein fernes Ideal, an welchem erst die Nachwelt sich wird erfreuen können. Nun versichern uns die Verfasser, daß die Juden die geborenen Materialisten, die Vertreter des gröbsten Egoismus und der Geldsucht, des Genußlebens und des niedrigsten Eigennutzes sind und daß das entmündigte deutsche Volk seit fünfzig Jahren unrettbar ihrem geistigen Einfluß unterworfen war, daß die Juden den geistigen Besitz des deutschen Volkes verwalteten, dem deutschen Volke den Stempel ihres Geistes aufgedrückt haben. Betrachtet man die Haltung und die Leistung des deutschen Volkes, so muß man sich sagen: entweder existiert dieser Einfluß der Juden überhaupt nicht, er ist gleich Null — oder aber der Einfluß der Juden ist außerordentlich wohltätig, die Juden erziehen durch „ihre" Presse und „ihre" Literatur, indem sie „den gesamten geistigen Besitz des deutschen Volkes verwalten," die Deutschen zu Helden und Idealisten ersten Ranges. Tertium non datur. Noch mehr. Der verderbliche Einfluß der Juden auf ihre „Wirtsvölker" mußte steigen, je länger und intimer diese mit dem jüdischen Geist in Berührung waren, und sinken, je mehr das Gegenteil der Fall ist. Nun wohnen die Juden in deutschen Landen länger als seit anderthalb Jahrtausenden, und trotz den furchtbaren Metzeleien seit der Zeit der Kreuzzuge, trotz den zählreichen Scheiterhaufen, trotz den andauernden Austreibungen, ist Deutschland zu keiner Zeit ganz ohne Juden gewesen. Trotz der strengen Abgrenzung der Juden durch den gelben Fleck, durch drakonische Gesetzgebung und durch erniedrigende Behandlung, sowie durch das Ghetto, haben sich die Deutschen mittelbar und unmittelbar äußerst intensiv mit dem jüdischen Geist befaßt. Seit Ulfilas die Bibel ins Gotische übertrug (und sich dabei genötigt sah, das Buch der Könige unübersetzt zu lassen, um den kriegerischen Geist seiner Deutschen nicht noch mehr aufzustacheln), hat das Buch der Bücher auf alle großen Deutschen, auch solche, die den Juden durchaus abgeneigt waren, eine unheimliche Anziehungskraft ausgeübt. Luther stieg ins Ghetto hinunter, um für seine Bibelübersetzung sich bei den Juden Rates zu erholen. An Herders und Goethes Stellung zur Bibel braucht man nicht erst zu erinnern. Nirgends, nicht einmal in England, wurde das Volk des Alten Bundes in dem Maße wie bei den Deutschen ein Gegenstand religiöser Betrachtung und mystischer Hoffnungen. Die suchenden, sehnenden und ahnenden Geister Deutschlands, Männer wie Nikolaus von Cusa, Jakob Böhme, Oetinger, Hamann und Franz von Baader lehrten, daß von den Juden nicht nur alles Heil, sondern alle wahre Wissenschaft gekommen sei, und auch was die letzte Lösung aller menschlichen Fragen und aller Rätsel dieser Welt betrifft, erkannten sie ihnen eine führende Rolle zu. Der Talmud wurde in Deutschland hundertfach verbrannt und konfisziert, aber in keinem Lande der Welt — Polen vielleicht ausgenommen —

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