Ost und West
- Journal
- Ost und West
- Volume
- 16 (1916)
- Issue
- Heft 2-3 (Februar-März 1916)
- Article
- Die Ostjudenfrage
- Date
- 1916-02-01
- Page
- Seite 79 - 80 (sequence 4)
- Language
- German
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79 Wie aus der Ostjudenfrage eine Westjudenfrage wurde. 80 Schriftstellerwelt; die „Grenzboten" gehören, zu den in maßgebenden Kreisen meistgelesenen Zeitschriften. Letzteres gilt auch von den Preußischen Jahrbüchern. Allen drei Publikationen eignen folgende Merkmale: eine äußerst mangelhafte Kenntnis der wirtschaftlichen und sozialen Verhältnisse der Ostjuden, die sich sogar auf einfache statistische Daten erstreckt; eine vollständige Abwesenheit jeglicher ethischer, humaner oder Gefühlsmomente bei der Behandlung der Frage. Die drei Autoren sind ganz „sachlich": die Ostjuden, werden nämlich gar nicht als Menschen betrachtet, um Ideren Wohl und Weh gestritten wird, sondern als Sache, und zwar als schädliche, als gefährliche Sache, die man sich um jeden Preis vom Leibe halten müsse, ohne sich um deren Schicksal weiter zu bekümmern. Der Ton dieser Ausführungen erinnert lebhaft an die Art, wie die Bauern im Hochsommer von den Feldmäusen sprechen, weiche ihre Ernte zu schädigen drohen. Die Schrift Nr. 3 beschäftigt sich mehr mit der praktischen Seite und prüft allerlei Mittel, um die drohende Invasion besagter Feldmäuse abzuwehren; die beiden erstgenannten Schriften behandeln die Sache mit gelehrter Gründlichkeit von allen Seiten, und da ist es äußerst interessant, wie sich den Autoren unter der Hand die O s t - judenf rage in eine W e stjudenfrage verwandelt. Bei Fritz nimmt erstere kaum iein Drittel des Raumes ein. Erst wenn sie auf „ihre eigenen" Juden zu sprechen kommen, werden diese Autoren beredt. Da löst sich ihnen die Zunge und sie schütten das Innerste ihres Herzens aus. Der Gedankengang ist folgender: Die Juden sind weder eine Rasse, noch ein Volk, auch nicht eine Religion, sondern einfach ein Unglück, insbesondere .ein Unglück für Deutschland. Man muß sie ertragen, da man sie ja nicht hinschlachten oder ersäufen kann, aber das Heil der Welt, namentlich Deutschlands, wird erst kommen, wenn die Juden von seinem Boden und dem Boden seiner Nachbarländer verschwinden werden. Nun ist die tröstliche Aussicht vorhanden, daß in Deutschland dieser selige Zustand in einer nicht allzu fernen; Zeit eintreten werde. Das haben Biologen und Statistiker mit aller Bestimmtheit in Aussicht gestellt. Und das macht die vielen Juden in Deutschland erträglich. Es ist wie bei Zahnschmerzen, man sagt sich: es kann ja nicht ewig, dauern, am Ende muß es doch vergehen. Aber seit Deutschland und Oesterreich ganz Polen und ein Stück Rußland dazu erobert haben, ist die gräßliche Gefahr entstanden, daß die dort hausenden „sechs Millionen Juden" sich auf Deutschland wie die Heuschrecken stürzen und es überschwemmen. Und was für Juden! Ein Jude, sogar ein Gelehrter, aber ein deutscher, namens Prof. MaxMarcuse, hat gesagt, „isie seien unser aller Unglück und die größte Gefahr für das Gedeihen und die Harmonie der Völker". Was tun? Ganz einfach: man schließt die Grenzen vor diesen Juden. Aber wohin mit ihnen? Man kann ja leider auch sie nicht einfach abschlachten oder ersäufen, und ihnen hat noch kein Prophet vorausgesagt, daß sie bald, gleich ihren deutschen Glaubensgenossen, wie die Indianer aussterben werden. Dem kann man auf die Weise abhelfen, daß man die Schleusen gen Osten öffnet, und diese Juden dorthin, woher sie gekommen sind, abfließen läßt. „Gewähren wir dem armen, bedrängten Ostjuden jeden möglichen Schutz und Förderung] seiner Siedlungsbestrebungen, dem deutschen Volke aber Schutz gegen die Ostjuden!" * * * Die Juden frage in Deutschland wird folgendermaßen dargestellt: Nach Fritz „haftet beim Deutschen die Erkenntnis oder, was mehr bedeutet und beweist, das Gefühl der Wesensverschiedenheit nicht an der Religion und Berufsübung. Er unterscheidet mit großer Sicherheit, meist im Augenblick, stets nach kurzern Verkehr, die fremde Art, selbst in Mischlingen. Dieser Rassen- und Wesensabstand erschwert trotz äußerlicher Anpassung die Verschmelzung und trotz beiderseitigem Wollen und Nachgeben jede wahre auf Verständnis und Achtung des andern Wesens und damit auf gegenseitiges Vertrauen gegründete Gleichstellung." Und die Wesensverschiedenheit ist unermeßlich und sehr tief: Des Juden „auf das rein Nützliche gerichteter Materialismus und Geschäftssinn" und seine „kapitalistische Begabung", macht ihn zum „geborenen Vertreter der materialistischen Weltanschauung, des Geschäfts, der Reklame." Und dieses deutsche Judentum hat leider „auf wirtschaftlichem, sittlichem und geistigem* Gebiet unser (das echtdeutsche) Volksleben stark beeinflußt." „In dem nun abgelaufenen Wirtschafts- und Kulturabschnitt fanden die Juden einen reichen Wirkungskreis, ja drückten ihm den Stempel au f." Aber „das deutsche hochstrebige Wesen ist von dieser Zeit des goldenen. Kalbes unberührt geblieben. Zur Stunde des Krieges fiel die fremde Hülle, und unser deutsches Volk stand da in germanischer Begeisterung, Opferwilligkeit und Kampfesfreude. Dieser auferstandene Idealismus muß den Krieg überdauern und eine Friedenszeit innerer Gesundung, völkischen Aufschwunges, deutschen Kulturlebens schaffen." Freilich: „Wir mußten durch dieses Zeitalter hindurch und verdanken es vielleicht nicht zum wenigsten den Juden und dem jüdischen Einschlag in unserer Geldwirtschaft und Handelswelt, daß die schwere Prüfung dieses Völkerbrandes uns mit Geldmitteln gerüstet fand." Das Schlimme ist jedoch, daß es „in diesem Zeitabschnitt des Materialismus, der äußerlichen Zivilisation, des auf Erwerb gerichteten Strebens, den Juden gelang, nicht nur den Geldverkehr und gewisse Zweige des Handels für sich zu beschlagnahmen, sondern auch gelehrte und künstlerische Berufe ,vor allem aber auch die Presse fast ganz unter ihre Verwaltung und geschäftliche Ausbeutung zu bringen. Hiermit war das Judentum zum Makler und Vermittler deutscher Kulturgüter geworden; seine Presse, die sich fälschlich dje< öffentliche Meinung nannte, hatte es in der Macht, die Erzeugnisse deutschen Geistes und deutscher Kunst dem deutschen Volk zu vermitteln oder ihm zu unterschlagen." Moritz Goldstein hatte konstatiert, daß „der (gesamte geistige Besitz des deutschen Volkes von den Juden verwaltet wird und da erhebt sich die Frage, ob für das so entmündigte deutsche Volk eine Betätigung seiner Kultur unter jüdischer Vormundschaft überhaupt noch möglich ist!"