Ost und West
- Journal
- Ost und West
- Volume
- 16 (1916)
- Issue
- Heft 1 (Januar 1916)
- Article
- Kriegsskizzenbücher
- Date
- 1916-01-01
- Page
- Seite 25 - 26 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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25 Dr. Karl Schwarz: Kriegsskizzenbücher. 26 Hermann Struck, Gräber ermordeter Juden in Kiernozia / und Schutthaufen zusammengesunken und die zertretenen Landstraßen säumen einsame Heldengräber ein. Eine trostlose Gegend, selbst in Friedenszeiten ein düsteres, freudeloses Land, jetzt aber unheimlich und gespenstig. Breite Flüsse und weite Sümpfe, brache Aecker und kahle Wiesen. Und noch nicht genug, auch die stummen Zeugen des fanatischen Religionshasses treten uns entgegen: lange Reihen von Gräbern wehrlos im Pogrom erschlagener und hingemordeter Juden! — Ernst Oppler folgt den Spuren des Heeres. Als Auftakt gibt er ein Bild des Stabes, der beratend beisammensitzt. In den folgenden Blättern bekommen wir das Gewimmel der Truppen, das lebhafte Treiben und mühselige Vorwärtsbewegen dieser Menschenmassen zu sehen. Kolonnen durchziehen die Dörfer, in denen ein reges Leben herrscht. Die Bevölkerung läuft hin und her. aufgeregt und erwartungsvoll, staunend und ängstlich. Auf dem Marktplatz halten die Wagen, stehen die Soldaten herum und machen bei der Obstlerin oder in der Trödelbude Einkäufe. Und überall findet sich die Bevölkerung in ihren seltsamen Trachten ein, junge Mädchen und alte Frauen, junge Burschen und Greise. Was unsere Beachtung am meisten anzieht, sind die vielen Juden, die überall anzutreffen sind. In Gruppen stehen diese Langröcke auf dem Markt oder in den Straßen, drängen \\ M;r vrKMfr. ««i-J»5 lU Hermann Struck, Verhungerter Jude sich um die Verkaufsstände oder schauen um sich. Mit besonderem Interesse hat Oppler diese Typen beobachtet, in verschiedenen Einzeldarstellungen hat er junge und alte Juden wiedergegeben. Auch in die Häuser ist er ihnen gefolgt und hat den einsamen Rabbi und die Schriftgelehrten, die Lernenden und Betenden belauscht. Wie während ihres gan-