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Ost und West · 1916-01-01 · Heft 1 (Januar 1916) · p. Seite 23 - 24

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Journal
Ost und West
Volume
16 (1916)
Issue
Heft 1 (Januar 1916)
Article
Kriegsskizzenbücher
Date
1916-01-01
Page
Seite 23 - 24 (sequence 1)
Language
German
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23 Dr. Karl Schwarz: Kriegsskizzenbücher. 24 KRIEGSSKIZZENBUECHER. Von Dr. Karl Schwarz. In keinem Kriege hat je die nichtkämpfende Bevölkerung so viel Leiden und Opfer zu tragen gehabt, wie im gegenwärtigen. Entbehrung, Marter und Tod müssen nicht nur die Soldaten erdulden, die dem Feind im offenen Kampf, Brust gegen Brust entgegentreten; auch der friedliche Bürger, ja Oreise, Kinder und Frauen im Kriegsgebiet haben oft ein Los zu tragen, das nicht leichter ist, als das der Krieger auf dem Schlachtfelde. Mit besonderem Interesse und Mitgefühl denken die Juden aller Länder an das Geschick der armen Glaubensbrüder im Osten, die den Leiden der Kriegsnot mit am meisten ausgesetzt sind. In dem Lande, in dem die Juden einst glückliche Zeiten verbrachten und vor Jahrhunderten eine neue Heimat fanden, tobt der Kampf seit nunmehr anderthalb Jahren. Wie es dort aussieht, zeigen uns die beiden Kriegsskizzenbücher von Hermann Struck und ErnstOpple r*). Struck ist kein Kriegsberichterstatter im eigentlichen Sinne des Wortes; er führt uns nicht in die *) In Russisch-Polen. Ein Kriegstagebuch von Hermann Struck. 23 Originallithographien. Verlegt bei Julius Bard zu Berlin. Hinter der Front der kaiserlich deutschen Südarmee. 48 Originallithographien von Ernst Oppler. Verlag Graphisches Kabinett, J. B. Neumann, Berlin. Reihen der Kämpfer, sondern schildert das Land, das nach den blutigen Ereignissen erschöpft und ermattet daliegt. Er zeigt uns die Menschen, denen die Schrecken des Krieges auf die Stirn geschrieben sind und die hilflos und obdachlos umherirren. Die bekannten Typen der polnischen Juden erscheinen hier noch gedrückter, noch mehr von Sorge beladen. Die armen Heimatlosen, denen nichts als das nackte Leben geblieben ist, drängen sich in den Straßen der Städte, wo sie einem anderen Tode zum Opfer fallen: dem Hunger. In dürftige Fetzen gekleidet, sucht Alt und Jung einen kleinen Erwerb. Der Greis, der sich kaum noch aufrechthalten kann, und das verschüchterte Jüngelchen bieten Zeitungen aus; ein anderer, dessen hohe Stirn und niedergeschlagene Augen von besseren Zeiten und anderer Betätigung erzählen, schleppt Lasten und keucht wie ein Packesel durch die Straßen. Und daß selbst die Stärksten unter ihnen diesem jammervollen Leben nicht standhalten können, zeigt das Bild eines kräftigen Mannes, den der Hunger gefällt hat und der leblos auf dem harten Pflaster liegt. Draußen aber auf dem Lande ist es still. Die Dörfer liegen verödet da, kein Lebewesen haust hier mehr. Die dürftigen Hütten sind zu Ruinen Hermann Struck, Landstraße bei Nowo Solna

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