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Ost und West · 1914-09-01 · Heft 9-12 (September-Dezember 1914) · p. Seite 633 - 634

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Journal
Ost und West
Volume
14 (1914)
Issue
Heft 9-12 (September-Dezember 1914)
Article
Der Krieg als Lehrmeister
Date
1914-09-01
Page
Seite 633 - 634 (sequence 5)
Language
German
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633 Der Krieg als Lehrmeister. 634 Geist, der sich den Körper baut, sondern das Knochengerüst, die Muskelfaser und das Blut. Es gibt keine Entwicklung, keine Aenderung, keine Besserung, keine Veredlung. Es ist nicht denkbar, daß die Menschen voneinander etwas lernen, das Gute voneinander annehmen und in dessen Vollendung miteinander wetteifern. Starr, regungslos und unverändert stehen die Völkergerippe gegeneinander. Die zum Edlen geborenen Rassen schaffen unaufhörlich das Edle, ob sie wollen oder nicht, und die anderen zerstören fortwährend das Edle und verwirklichen das Gemeine, weil sie nicht anders können. Was nützte es ihnen, insbesondere den Juden, in lichten Augenblicken in Bewunderung der höheren Wesenheit der Germanen zu ersterben und sie nachahmen zu wollen? Es kam doch nur unechtes Zeug dabei heraus, und die Sache wurde noch schlimmer. Es gab kein anderes Mittel, die Welt vom Uebel zu erlösen und sie zu den Idealen der höchsten Kultur zu leiten, als indem man die niederen Rassen mit Stumpf und Stiel ausrottete. Das war die Erlösung. — Von den acht- bis neunhundert Millionen des gelben, braunen und schwarzen Menschengesindels in Asien und Afrika verlohnte es sich gar nicht /.u reden. Nun kam der Krieg und vernichtete grausam diesen grausam erhabenen Traum. Gerrnalen haben sich gegen Germanen erhoben. Die edelsten Germanen gegen die edelsten Gerrnalen. Engländer gegen Deutsche, Engländer im ^unde mit Keltoromanen, im Bunde mit Slawen! \nglosachsen rufen Franzosen, Wallonen, Ir~ ander und Russen zu Hilfe, um Deutschland u demütigen. Ach, sie rufen auch Japaner, gelbläutige, schlitzäugige Mongolen, sie rufen vlalaien und Bengalen, Gurkhas und Drawidas, Berbern, Turkos, Neger zu Hilfe, um in germanisches Volk zu demütigen oder gar u vernichten. Welch ein Hohn auf die Rassenleorie! Und die anderen stammverwandten 1 ölker, die nordländischen Recken mit den hellen -oigen, der hohen Stirn und den goldgelockten i Iaaren, eilen sie etwa den bedrohten Germanen >u Hilfe? Bemühen sie sich wenigstens, dem Krieg, in dem Germanen mit Hilfe von Nicht- Germanen einander zerfleischen, durch friedi chen Zuspruch ein Ende zu machen? Ach l ein, sie mengen sich nur nicht hinein. Und v'ürde man ihnen Herz und Nieren prüfen, ich drehte, man könnte auf dem tiefsten Grunde Rar manche Sympathien und Antipathien entdecken, die mit der Rassensolidarität sehr schwer zu vereinigen wären. * In einem der führenden englischen Organe, der „Times", erklärte ein bedeutender Engländer, seine Nation habe mit den „teutonischen Barbaren" 'nichts gemein, die Engländer seien im Grunde eine „romanische Rasse". Die „Times" hat sich aber nicht damit begnügt, allein aus der germanisehen Rasse auszutreten, sondern hat Beethoven mitgenommen, den sie für einen „echten Belgier" erklärt, dessen Schöpfungen den französischen Genius am klarsten widerspiegeln. „Nowoje Wremja", das Organ der äußersten Rechten in Rußland, welches den schroffsten Absolutismus, die schwärzeste Reaktion und somit auch den grimmigsten, unversöhnlichsten Judenhaß predigt, war in gewissen Kreisen Deutschlands bis auf die allerneueste Zeit sehr angesehen und beliebt. Der Redakteur Suworin (der zum größten Teil die grausamen Judenverfolgungen in Rußland auf dem Gewissen hatte) war Maximilian Hardens Herzensfreund. Herr Menschikow, der führende Geist dieser Zeitung, der geschworene Feind der Juden, war unfehlbar, wie ein Orakel. Nun verkündet derselbe Herr Menschikow in derselben „Nowoje Wremja", daß die Deutschen „eine ganz niedere Rasse seien, eigentlich nur ein Mittelglied zwischen Mensch und Affe....." Blut war nach der Lehre der Rassentheoretiker der einzige Kitt, der Menschen und Völker aneinander kettete. Der Mensch war ohnmächtig, in freier Selbstbestimmung und höherer Erkenntnis den Weg zu schreiten, den ihm die Seele wies, er mußte dem dunklen Drange seines Blutes sklavisch folgen; die höchste Instanz war das Blut. Ach, wie hat diese. blutige Theorie gründlich bankrott gemacht! Die beiden britischen Botschafter, welche Deutschland und Oesterreich-Ungarn die Kriegserklärung überbracht haben, sind deutschen Blutes, ebenso wie jener dritte, der vor drei Jahren in Wien den Vernichtungskampf gegen Deutschland predigte. Der russische Gesandte in Belgrad, der gegen Deutschland und Oesterreich auf dem Balkan die giftigsten Ränke schmiedete, war deutschen Blutes. Deutschen Blutes ist der General Rennenkampf und viele andere russische Heerführer, welche Horden von Kosaken, Tungusen, Tscherkessen, Kirgisen und Tataren auf Preußen losließen, um Deutschlands Gaue zu verwüsten. Man kann nicht einen Kriegsbericht lesen, der nicht unter den gegen Deutschland Kämpfenden mehrere, noch dazu adlige, also unverfälschte deutsche Namen aufwiese. Der leibliche Sohn eines großen deutschen Dichters, Georg Herweghs, kann sich nicht genug tun in der Beschimpfung und Verleumdung seines Vaterlandes. Vor drei Jahren habe ich auf dem Semme-

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